Darmflora & Herzgesundheit: Wie Ernährung und Herz zusammengehören

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EIne ballaststoffreiche Ernährung stärkt die Darmflora und unterstützt wichtige Körperfunktionen.
EIne ballaststoffreiche Ernährung stärkt die Darmflora und unterstützt wichtige Körperfunktionen.
CC0 / Pixabay / silviarita

Der Darm ist mehr als ein Verdauungsorgan: Neue Studien zeigen, wie eng Darmbakterien, Mikrobiom und Herzrisiko über die Darm-Herz-Achse miteinander verbunden sind.

Was hat der Darm mit dem Herzen zu tun? Neue Forschungsergebnisse belegen, dass Darmbakterien und ihre Stoffwechselprodukte das Herzrisiko direkt beeinflussen können. Dabei spielen vor allem entzündliche Prozesse und bestimmte Stoffwechselverbindungen eine entscheidende Rolle. Hier erfährst du mehr über die sogenannte Darm-Herz-Achse und ihre Bedeutung für bestimmte Herzkrankheiten.

Was ist die Darmflora und welchen Einfluss hat sie auf unseren Körper?

Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, besteht aus Billionen von Mikroorganismen im Verdauungstrakt. Aktuelle Studien zeigen, dass diese Darmmikroben nicht nur die Verdauung unterstützen, sondern auch den Stoffwechsel im Darm beeinflussen und sich an veränderte Bedingungen anpassen. Darüber hinaus spielt das Mikrobiom eine wichtige Rolle für das Immunsystem und kann entzündliche Prozesse im Körper mit beeinflussen. Ein weiterer wichtiger Faktor sind Stoffwechselprodukte, sogenannte Metaboliten: Sie entstehen, wenn Darmbakterien bestimmte Nahrungsbestandteile abbauen. Einige dieser Stoffe wirken entzündungshemmend, andere können Prozesse fördern, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen.

Genau hier setzt die Forschung zur Darm-Herz-Achse an: Diese beschreibt die enge Verbindung zwischen unserem Darm und dem Herz-Kreislauf-System und zeigt, wie Signale aus dem Darm über den Blutkreislauf bis zu den Gefäßen und zum Herzen gelangen. Dabei geht es nicht nur um direkte Effekte, auch das Zusammenspiel mit anderen Organen wie der Leber, die eine zentrale Rolle im Fettstoffwechsel spielt, ist entscheidend.

So deuten Studien darauf hin, dass das Mikrobiom nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Bildung von Blutzellen im Knochenmark beeinflusst. Diese Zellen sind an Entzündungsprozessen beteiligt, die wiederum Gefäßerkrankungen begünstigen können. Das zeigt, dass die Darmflora auf mehreren Ebenen auf unsere Herzgesundheit wirken kann.

Wie gelangen die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien ins Blut und was bewirken sie dort?

Im Darm entstehen Stoffwechselprodukte, die in den Blutkreislauf gelangen und dort verschiedene Vorgänge im Körper beeinflussen können. Studien zeigen, dass bestimmte Metaboliten mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheiten zusammenhängen. Ein wichtiges Beispiel ist TMAO. Dieser Stoff entsteht, wenn Darmbakterien bestimmte Bestandteile der Nahrung, vor allem aus tierischen Produkten, abbauen: Er kann Entzündungen in den Gefäßen fördern und die Ablagerung von Cholesterin begünstigen.

Auch andere Metaboliten stehen im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie beeinflussen unter anderem den Fettstoffwechsel, die Gefäßfunktion und Entzündungsprozesse im Körper. Die Leber spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie viele dieser Stoffe weiterverarbeitet und so den Cholesterin- und Fettstoffwechsel mitreguliert. Veränderungen in diesen Abläufen können wiederum Gefäßentzündungen begünstigen.

Außerdem deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass das Mikrobiom auch das Immunsystem beeinflusst. Dadurch können weitere Prozesse in Gang gesetzt werden, die zur Bildung von gefährlichen Gefäß-Ablagerungen beitragen.

Wie lässt sich die Darmflora durch Ernährung und Lebensstil positiv beeinflussen?

Die Zusammensetzung der Darmbakterien ist nicht festgelegt, sondern lässt sich aktiv beeinflussen. Deine Ernährung und dein Lebensstil spielen dabei eine entscheidende Rolle – und damit auch für das persönliche Herzrisiko entlang der Darm-Herz-Achse. Ein zentraler Faktor ist die Aufnahme von Ballaststoffen. Diese unverdaulichen Pflanzenbestandteile dienen den Darmbakterien als Nahrung. Bei ihrem Abbau entstehen kurzkettige Fettsäuren, darunter Propionat. Dieses Stoffwechselprodukt kann dazu beitragen, die Blutfettwerte zu senken und entzündliche Prozesse in den Gefäßen zu reduzieren.

Eine ballaststoffarme, stark verarbeitete Ernährung hingegen kann das Gleichgewicht im Mikrobiom stören. In westlichen Ländern wird häufig zu viel Zucker und Fett konsumiert und gleichzeitig zu wenig pflanzliche Kost. Dies kann langfristig zur Entwicklung des metabolischen Syndroms beitragen – einer Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck und gestörtem Zucker- und Fettstoffwechsel, die das Herzrisiko deutlich erhöht. Auch die Auswahl der Lebensmittel spielt eine Rolle: Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und fermentierte Lebensmittel fördern eine vielfältige Darmflora. Gleichzeitig kann ein hoher Konsum von rotem Fleisch die Bildung ungünstiger Metaboliten wie TMAO begünstigen. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung gilt daher als besonders empfehlenswert.

Neben der Ernährung beeinflussen auch bestimmte Lebensstilfaktoren das Mikrobiom: Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress können dazu beitragen, das Gleichgewicht der Darmflora zu stabilisieren. Umgekehrt können chronischer Stress und Bewegungsmangel negative Effekte haben.