Luzern
Verkehrslärm

Lärmblitzer, Bußgelder & Co: So will die Schweiz gegen Verkehrslärm vorgehen

Der Schweizer Nationalrat hat im März 2021 dem Vorschlag zugestimmt, den Verkehrslärm in der Schweiz drastisch zu reduzieren. Eine Maßnahme sind die sogenannten Lärmblitzer.
 
Die Schweiz will gegen Verkehrslärm vorgehen. Viele Motorradfahrer sind gegen diesen Vorschlag.
Die Schweiz will gegen Verkehrslärm vorgehen. Viele Motorradfahrer sind gegen diesen Vorschlag. Foto: Jakub Sisulak/unsplash.com
  • Die Schweiz will verstärkt gegen Verkehrslärm vorgehen 
  • Der Schweizer Nationalrat hat dazu mit einer deutlichen Mehrheit zugestimmt 
  • Es folgen intensivere Kontrollen sowie höhere Bußgelder, Führerscheinentzug und Fahrzeugbeschlagnahme 
  • Auch die sogenannten Lärmblitzer wurden gefordert - diese sind bisher aber noch nicht vollständig technisch ausgereift 

Eine Landstraße in der Nähe von Luzern. Im Hintergrund die Berge, am Straßenrand frisch gemähtes Gras. Eine typische Schweizer Idylle. Das Einzige was stört: der ständige Verkehrslärm. Dagegen will die Schweiz nun verstärkt vorgehen. Der Schweizer Nationalrat hat im März 2021 mit einer deutlichen Mehrheit einem Vorschlag zugestimmt, der unnötigen Motorenlärm weiter einschränken soll. Im Fokus stehen dabei nicht Motorradfahrer, sondern alle Lärmverursacher. Der Entwurf der Umweltkommission sieht intensivere Kontrollen sowie höhere Bußgelder, Führerscheinentzug und Fahrzeugbeschlagnahme als weitere Maßnahmen vor. Auch die sogenannten Lärmblitzer wurden erneut gefordert. Die sind aber bislang weder technisch ausgereift noch rechtlich zulässig. 

Der Schweizer Nationalrat hat zugestimmt, gegen unnötigen Verkehrslärm vorzugehen 

Nach Angaben von motorradonline.de geht der Beschluss des Nationalrats  jetzt an den Städterat, der im Sommer darüber beraten soll. Erst wenn der zustimmt, wird sich der Bundesrat um eine Ausarbeitung von gesetzlichen Regelungen kümmern. Erst im Winter 2021/22 ist die Vorlage dieses Maßnahmenkatalogs im Nationalrat zu erwarten. Sollte der zustimmen, geht das Paket noch zur Abstimmung in den Ständerat, der sich kaum vor Sommer 2022 damit beschäftigen dürfte. Sollte auch der zustimmen, könnte die beschlossenen Regelungen Ende 2022 in Kraft treten. Bei Änderungswünschen einer Kammer würde sich das Verfahren weiter hinziehen. 

Bereits im Juni 2020 hatte die Schweizer Nationalrätin Gabriela Suter (Sozialdemokratische Partei der Schweiz) ein generelles Fahrverbot für sogenannte "laute Motorräder" in der Schweiz gefordert, die vorsah, die gesetzlichen Änderungen für ein Fahrverbot von Motorrädern mit einem Standgeräusch von über 95 Dezibel zu schaffen. Suter sieht dabei Tirol als Vorbild. Dort sind schon seit dem 10. Juni 2020 auf beliebten Ausflugsstrecken Motorräder verboten, deren Standgeräusch 95 Dezibel überschreitet. 

Gegenwind bekam Suter von Nationalrat Walter Wobmann (SVP), der Zentralpräsident der FMS (Föderation der Motorradfahrer der Schweiz) ist. In einem offenen Brief hatte sich Wobmann an alle Schweizer Motorradfahrer und alle Politiker über alle Parteischranken hinweg gewendet: "Wir alle müssen uns wehren. Über alle Parteigrenzen hinweg müssen jetzt alle, denen das Motorrradhobby am Herzen liegt, zusammenstehen. Ich werde jedenfalls mit voller Kraft kämpfen. Wenn alle zusammenstehen, können wir gewinnen. Die nächste Zeit wird entscheidend sein! Wirklich verlieren tut man nur, wenn man nicht kämpft. Das ist ein Grundsatz von mir." Der Antrag von Wobmann wurde vorerst von der zuständigen Kommission des UREK (Department für Umwelt, Raumplanung und Energie) abgelehnt. Stattdessen hat die Kommission mehrheitlich die Initiative angenommen, den übermäßigen Motorenlärm wirksam zu reduzieren. 

Der Lärmblitzer soll dabei helfen, den Motorenlärm zu reduzieren 

Neben intensiveren Kontrollen, höheren Bußgeldern, Führerscheinentzug und Fahrzeugbeschlagnahme sind auch die sogenannten Lärmblitzer im Gespräch, um den Motorenlärm zu reduzieren. Lärmblitzer sind kleine schwarze Kasten, die nicht Raser, sondern die "Krachmacher" im Visier haben. Es handelt sich dabei um einen intelligenten Sensor, der den Lärm von Autos, Motorrädern und Lastwagen misst. "Das Gerät kann den Straßenlärm von anderen Geräuschen in der Umgebung unterscheiden", erläutert Alain Bützberger, Verkehrsingenieur bei der Firma Swisstraffic. 

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Das Genfer Start-up-Unternehmen Securaxis hat zusammen mit Forschern der Universität Lausanne den Lärmblitzer entwickelt. Noch sei der Radar nur für die Sensibilisierung der Lärmsünder ausgerichtet, erklärt Start-up-Gründer Glenn Meleder, aber man arbeite nun an einem Modell für die Polizei - damit zu laute Fahrer genauso bestraft werden können wie Raser. 

Bis aus dem Lärm-Radar auch ein Lärmblitzer wird, dauert es jedoch noch. Die Schweizer Politik ist jedoch schon dabei im Kampf gegen den Motorenlärm auf den Straßen. Bereits im Juni wird sich das Parlament mit einer Initiative befassen, die das Ziel hat, den Einsatz von Lärmblitzern gesetzlich zu regeln. Nach Angaben des Bayrischen Rundfunks gibt es auch Gegner der Lärmblitzer. Sie wollen sich den Spaß nicht verderben lassen, auf knatternden Rädern über Bergstraßen und Alpenpässe zu zischen. 

Auch in Deutschland gab es bereits Aktionen, um den Verkehrslärm zu reduzieren

Auch in deutschen Städten gab es bereits Initiativen, um den Verkehrslärm zu reduzieren. So hat 2019 Hannover als erste deutsche Stadt einen Antrag gestellt, Lärmblitzer aufstellen zu dürfen. Die Jungen Liberalen, die Nachwuchsorganisation der FDP, hatte die Idee im Stadtrat eingebracht. Statt Fahrverboten wegen Umwelt- und Lärmverschmutzung wollen sie lieber auf Innovationen und neue Technik setzen, sagen sie. 

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