Würzburger Mutter verliert Sohn (12): Am Todestag kehrt sie an seine Schule zurück - "richtig emotional"
Autor: Isabel Schaffner
Würzburg, Mittwoch, 04. Oktober 2023
Vor sieben Jahren verlor eine Würzburger Mutter ihren damals 12-jährigen Sohn. Zu seinem Todestag kehrte sie an seine ehemalige Schule zurück - und sorgte dort mit einer besonderen Aktion für emotionale Momente.
Die Würzburger Hans-Schöbel-Schule ist eine Grund- und Mittelschule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Zu ihren Schülern zählte Can Lukas. Er habe an einem seltenen Immundefekt gelitten, wie seine Mutter Adile Demirezen im Gespräch mit inFranken.de berichtet. Nach einer erfolgreichen Stammzellspende im Februar 2016 hätten sich in seinem Körper eine Blutvergiftung und Lungenentzündung während eines Krankenhausaufenthalts entwickelt. Lungenversagen und ein Koma seien gefolgt. Am 29. September 2016 habe er mit 12 Jahren seinen Kampf verloren.
Zu seinem Todestag am vergangenen Freitag beschenkte die Mutter einer weiteren sechsjährigen Tochter Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums mit gehäkelten Kuscheltieren der Gruppe "Mutmachmaus". Die besondere und bewegende Aktion ist inzwischen zur Tradition geworden.
"Mein Bruder ist im Himmel": Mutter und Tochter beschenken Würzburger Kinder
"Mein Sohn wurde in dem Förderzentrum gut betreut, ihm hat es dort gut gefallen. Als er dann im Krankenhaus lebte, haben Ehrenamtliche der Gruppe 'Mutmachmaus' Yoda-Puppen für ihn gehäkelt. Er war Star-Wars-Fan und hat sie so geliebt", führt sie aus. So habe sie die Gruppe kennengelernt. "Nach Cans Tod war mir immer wichtig, seine Schule zu besuchen. Seit sieben Jahren bekomme ich von 'Mutmachmaus' auf Anfrage zwei Kartons mit gehäkelten Kuscheltieren, um sie an die Kinder zu verteilen."
Video:
Tochter Cansu Laura begleitete ihre Mutter am Freitag und trug Cans Yoda-Puppen. "Als Can starb, war ich in der vierten Woche mit ihr schwanger. Sie konnte ihren Bruder nicht kennenlernen und erzählt jedem: 'Mein Bruder ist im Himmel'", so die 44-Jährige. "Wir besuchten die ersten und zweiten Klassen und verteilten etwa 30 Kuscheltiere. Die zweiten Klassen kannten mich noch von vergangenem Jahr. Die Kinder haben sich sehr gefreut, ich erinnere mich noch, wie ein Junge das Tier in die Luft geschmissen hat und so glücklich war. Es war für mich richtig emotional."
Auch Sekretärin und Schulleiterin habe sie angetroffen. "Sie kennen mich schon gut. Ich bedankte mich bei ihnen, dass ich jedes Jahr kommen darf. Sie meinten daraufhin zu mir: 'Wir warten auf Sie'", erinnert sie sich - und hofft auf viele Nachahmer. "Vielleicht kann ich ja mit meiner Aktion andere animieren. Ich werde es auf jeden Fall machen, bis ich sterbe." Weitere Nachrichten aus Würzburg findet ihr hier. In Coburg hat der ASB-Wünschewagen derweil der todkranken Nina einen besonderen letzten Wunsch erfüllt.