Die Coronavirus-Pandemie erfordert ein Umdenken der Menschen. Ein Indikator dafür ist auch der Appell von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sich mit möglichen Apps auf dem privaten Mobiltelefon anzufreunden, um eine mögliche Infektionskette nachvollziehen zu können. So könnten Leben gerettet werden. Der Haken: Die bislang vorgestellten Applikationen für die mobilen Taschencomputer haben es mit dem Datenschutz nicht so genau genommen. Genau an diesem Punkt soll nun „TraceCorona“, eine App die in Zusammenarbeit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der Technischen Universität Darmstadt und der University of California in San Diego (USA) entstanden ist, ansetzen.

Zu Beginn der Entwicklung sahen sich die Entwickler mit mehreren Fragestellungen konfrontiert. Welche Technologien eignen sich am besten zur Kontaktnachverfolgung? Welche Daten sollten zur Unterstützung von Gesundheitsexperten gesammelt werden? Und: Wie können die eingesetzten Technologien so gestaltet werden, dass die Sicherheit und Privatsphäre der Nutzer garantiert ist?

"Coronavirus-App mit starkem Datenschutz", so die Experten aus Würzburg

In „TraceCorona“ sehen die Entwickler weniger eine simple Nachverfolgung, als eine neue Plattform, die Infizierten auch Hilfestellungen an die Hand geben kann. Völlig anonym, so das Ziel. „TraceCorona“, warnt Nutzer bei einem Kontakt mit einer infizierten Person. Komme es zum Kontakt mit einem Infizierten sei es wichtig, dass die Betroffenen und ihr Umfeld schnell und vertraulich Hilfe und Expertenrat bekommen. Außerdem sei eine Vermittlung von konkreten Angeboten und Diensten sinnvoll, so die Experten.

„TraceCORONA“ biete den Nutzern die Möglichkeit, sicher und privat mit Gesundheitsexperten wie Ärzten oder Krankenhäusern zu kommunizieren, um Antworten auf ihre konkrete Situation zu erhalten. Als Beispiel nennen die Experten etwa mögliche zu ergreifende Selbstisolierungsmaßnahmen. Zudem soll die App auch präventiv gegen Falschmeldungen wirken. Mit einem eigens für die App entwickelten Browser sei der direkte Zugang zu Informationen über die Pandemie aus zuverlässigen Quellen möglich. So sei es möglich die „schädlichen Auswirkungen der ‚Infodemie‘, die durch die Verbreitung gefälschter Nachrichten verursacht wird, zu mildern“, wie die Entwickler in einer Pressemitteilung schreiben.

Technisch fußt die Entwicklung auf der Sicherheits- und Kommunikations-Plattform „mPower“ von Kobil. Kobil ist seit mehreren Jahren für den Schutz von sicherheits- und privatheitskritischen Anwendungen wie Online-Banking oder Krankenkassen-Apps zuständig. Die entwickelte App docke an diese Plattform an und nutze deren Infrastruktur.

Mehrere Corona-Apps in Entwicklung - welche ist die beste?

Die bislang erhältlichen Apps leiden unter Kinderkrankheiten. Die App PEPP-PT wurde beispielsweise aus der Wissenschaft wegen dem stark zentralisierten Ansatz und Schwächen in Bezug auf Datenschutz kritisiert. Die App im Auftrag der Bundesregierung von Telekom und SAP verwendet die von Google und Apple entwickelte Schnittstelle zur Nutzung der Bluetooth-basierten Tracing-Funktion, hat aber aktuell ebenfalls noch Schwächen im Datenschutz.

Trotzdem sehen die Entwickler laut eigenen Aussagen „TraceCorona“ nicht als Konkurrenz zur App, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde. „Unsere App sehen wir eher als Alternative mit vielen Vorteilen gegenüber den bisher vorgeschlagenen Apps. Sie ist anonym mit starkem Datenschutz und auch international einfach einsetzbar. Sie wird an eine Plattform angedockt, welche die App mit weiteren Services wie Fake News-Filter oder Secure Messaging erweitert und eine Beteiligung von verschiedenen Institutionen wie Gesundheitsbehörden ermöglicht“, erklärt Informatik-Professorin Alexandra Dmitrienko von der JMU, die an der Entwicklung beteiligt ist.

Da die App aktuell noch in der Betatest-Phase ist, ist sie nicht in den App-Stores verfügbar. Allerdings könne man sich auf der offiziellen Website die aktuellste Version herunterladen. Die App ist vorerst jedoch nur für Android-Geräte verfügbar, eine iOS-Version ist in Planung.

„TraceCorona“ entstand in Zusammenarbeit der Universität Würzburg, der Universität Darmstadt, der University of California in San Diego mit Unterstützung der Unternehmen Kobil Systems und Intel.