Tatort Würzburger Dom: Eine junge blutverschmierte Frau hält den abgerissenen Kopf des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in der Hand. Kein Scherz. Aber keine Angst, auch keine Realität. Es ist nur das Wahlplakat der Würzburger Bezirks- und Landtagskandidatin der Satirepartei "Die Partei", Andrea Kübert. Über der Szene steht geschrieben: "Christliche Werte hochhalten!" Markus Söders CSU findet das Motiv indes nicht so lustig - und will juristisch dagegen vorgehen.

Kübert selbst kann die Aufregung nicht nachvollziehen und sieht keinen Grund zur Klage, wie sie auf Anfrage mitteilt. "Ich sehe kein Problem mit diesem Motiv", sagt sie. Das an verschiedenen Orten Unterfrankens angebrachte Plakat zeige ein in der Kunst oft zitiertes Motiv. Es sei an eine Bibelszene angelehnt, in der Judith den Kopf des Feldherrn Holofernes trägt. Und es stelle eine mutige Frau dar, die sich in Gefahr begibt, um einen Tyrannen zu entmachten, so Kübert. "Ich sehe Parallelen zu meiner und Söders Situation."

"Grenzen überschritten"

Wie ein CSU-Sprecher erklärt, werde man "juristisch gegen dieses unsägliche Plakat" vorgehen. "Wir stellen Strafanzeige und fordern die ,Partei' zur Unterlassung auf". Hier seien "die Grenzen des im Meinungskampf Zulässigen klar überschritten und eine solche Verrohung der politischen Kultur werden wir nicht dulden", heißt es weiter.

Die Satire-Partei um ihren Bundesvorsitzenden und Europaabgeordneten Martin Sonneborn ist bereits häufiger mit mutmaßlichen Grenzüberschreitungen aufgefallen und hat schon mehrfach die Gerichte der Republik beschäftigt. "Es geht ihnen um Aufmerksamkeit", erklärt der Bamberger Kommunikationswissenschaftler André Haller. "Die bekommen sie in der Regel auch." Man denke nur an das Plakat-Motiv des toten Jungen am Strand, mit dem die Sonneborn-Partei gegen Flüchtlingspolitik der CDU kritisierte.

Aber auch die CSU selbst fällt dieser Tage durch unkonventionelle Wahlkampfmittel auf. Um für die Christsozialen zu werben, hat die Junge Union (JU) im Landkreis Würzburg an mehr als 7000 Erstwähler eine Karte geschickt, die ein halbnacktes Pärchen beim Kuscheln zeigt. "Starke Wahl beim ersten Mal. CSU.", steht drunter. "Wir wollten einen Hingucker präsentieren", sagt Julian Heim, Kreisvorsitzender der JU Würzburg. Mit einem klassischen Wahlprospekt schaffe man solche Aufmerksamkeit gerade bei jungen Leuten nicht, meint er.

Ein Spruch, den nicht alle Angeschriebenen wirklich originell finden. Einige Eltern hätten sich bei der CSU gemeldet und die Nase gerümpft. Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter wird rege über die Postkarte diskutiert.

Dabei steht jedoch nicht das Motiv selbst im Fokus, sondern die Frage, woher der CSU-Nachwuchs die Adressdaten hat. Alles legal: Kommunen dürfen als Meldebehörden in den sechs Monaten vor einer Wahl Namen und Anschrift von "wahlberechtigten Personen mit einem bestimmten Lebensalter" an die Parteien übermitteln, erläutert eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums.

Aus PR-Sicht gelten sowohl das Plakat als auch die Postkarte als Erfolg. Die Satirepartei habe mit dem Motiv genau das erreicht, was sie wollte, erklärt Kommunikationsexperte Haller. Ähnliches gilt für die Postkarte der Jungen Union. "Aufsehenerregende Wahlwerbung, die nicht erst lange decodiert werden muss, nehmen die Menschen besser wahr", so Haller.