Würzburg
Covid-19

Analyse über das Abwasser: So ist die Corona-Entwicklung in "Problem-Stadtteilen"

Über das Abwasser aus der Kläranlage wurde die Entwicklung der Corona-Pandemie in der Stadt Würzburg analysiert. In einzelnen Stadtteilen sah es kritischer aus, als in anderen.
 
Silhouetten im Abendlicht
In Würzburg wurde die Corona-Entwicklung mittels Abwasser aus der Kläranlage analysiert. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
  • Stadt Würzburg versucht, Infektionsgeschehen der einzelnen Stadtteile auszuwerten
  • Analyse über Abwasser der Kläranlage
  • Corona-Impfungen sollen schlussendlich Pandemie eindämmen

Da immer mehr Großstädte darüber debattieren, dass es in sogenannten "Problem-Stadtteilen" eine Häufung von Corona-Fällen gab oder gibt, hat auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt veranlasst, eine Auswertung und weitere Analysen der Stadt Würzburg diesbezüglich zu erarbeiten. 

Analyse des Abwassers: Wie verhält sich das Coronavirus in Würzburg?

In einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg von Donnerstag (27. Mai 2021) heißt es dahingehend, dass bereits zu Jahresbeginn eine Auswertung des Abwassers an der Zentralen Kläranlage in der Mainaustraße vorgenommen wurde, um die Virenlast im Abwasser mit der anschließenden Inzidenz zu vergleichen. Da Corona-Viren auch im Darm zu finden sind und mit ausgeschieden werden, kann aus dem Abwasser eine Analyse zur Virenlast erfolgen. 

Zwar haben hier keine quartiersbezogenen Werte ermittelt werden können, so die Stadt, allerdings konnten erhebliche Anstiege im gesamten Gebiet des "Abwasserzweckverbands Großraum Würzburg" identifiziert werden. Tatsächlich war es so möglich, den Scheitelpunkt der dritten Welle in einem Messergebnis bereits ein bis zwei Wochen früher zu erkennen. 

Doch, auch wenn mit der Kläranlage als Entnahmeort eine größtmögliche Datenbasis der Virenlast ausgewertet werden konnte, gab es messtechnisch erhebliche Ungenauigkeiten. Das führte zu unplausiblen Befunden. 

Postleitzahlenanalyse: Welche Menschen aus welchen Stadtteilen liegen im Krankenhaus?

Eine weitere Betrachtung der Corona-Lage und Entwicklung wurde unterdessen mithilfe einer Postleitzahlenanalyse der Menschen, die aufgrund der Pandemie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, unternommen. In den Würzburger Postleitzahlenbezirken sind allerdings mehrere Stadtteile zusammengefasst. Dennoch ergaben sich - bezogen auf das Gesamtjahr bis Ende April - folgende Werte: 

  • Der Postleitzahlenbezirk Zellerau und Steinbachtal mit 0,163 Prozent der Bevölkerung die hospitalisiert wurde, den niedrigsten Wert die Innenstadt mit 0,057 Prozent.
  • Auffällig ist hier, dass gerade die Innenstadt mit ihrer sehr heterogenen Bevölkerungsstruktur bezogen auf die Altersstruktur und Wohnform den niedrigsten Wert im Stadtgebiet aufwies.
  • In der Zellerau hingegen ist bekannt, dass im Januar ein Ausbruchsgeschehen in einem weiter verzweigten Familienverband zu Infektionsgeschehen im Besonderen in mehreren vorschulischen und schulischen Einrichtungen geführt hatte. Dies erklärt unter anderem den Spitzenwert.

"Grundsätzlich erreichten alle Stadtteile temporär eine Inzidenz von 150 bis 300 jeweils für wenige Tage. Den höchsten lokalen Inzidenzwert erreichte das Dürrbachtal mit einer Inzidenz von knapp über 500. Dies lässt sich präzise auf das Ausbruchsgeschehen in der GU in der Veitshöchheimer Straße zurückführen", erläuter die Stadt in ihrer Pressemitteilung. 

Pandemie besiegen: Impfangebot ausbauen

Um hier gegenzusteuern, wurde in Würzburg gezielt das Impfangebot ausgebaut.

'Impfen Pro & Contra: Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung' bei Amazon ansehen

"Bei dem hohen Inzidenzwert ist aber zu berücksichtigen, dass die Grundgesamtheit, also die absolute Zahl der Wohnbevölkerung im Dürrbachtal eher gering ist und daher Inzidenzberechnungen auch bei geringer Fallzahl zu sehr hohen statistischen Werten führen", so die Stadt weiter.

Den zweithöchsten Wert im Rahmen dieser stadtbezirklichen Auswertung wurde temporär für einen Zeitraum von zwei Wochen Mitte April am Heuchelhof mit Inzidenzwerten zwischen 250 und 450 gemessen. Der Heuchelhof wies allerdings im Jahresverlauf bis dahin auch Phasen unterdurchschnittlicher Werte auf, über einige Wochen sogar einen Wert von null - was für die Größe des Stadtteils ungewöhnlich ist.

Spitzenwerte am Heuchelhof: "diffuses Ausbruchsgeschehen"

Dr. Löw, Leiter des Gesundheitsamtes kommt zu dem Schluss: "Es gibt ein diffuses Ausbruchsgeschehen, dass temporär am Heuchelhof zu Spitzenwerten geführt hat. Weitere Folgerungen ergeben sich hieraus nicht." Die Altstadt, die im Besonderen kleinräumig, wohnungsgeprägt, vielfach ohne Balkone mit einer sehr heterogenen Wohnbevölkerung, ist hingegen völlig unauffällig mit geringen Volatilitäten.

Auch die Stadt Nürnberg entschied sich vor Kurzem dafür, die Corona-Entwicklung einzelner Stadtteile bekannt zu geben. 

Der Oberbürgermeister fügte hinzu: "Würzburg ist eine eher kleine Großstadt, dadurch haben wir auch nicht so große Stadtteile. Wichtig ist es für uns, sobald mehr Impfstoff zur Verfügung steht, zu den Menschen zu gehen bei denen die Impfbereitschaft nicht so ausgeprägt ist." 

 

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.