Kreis Würzburg: Attacke wegen Israel-Anstecker? Verdächtiger genießt Schutz
Autor: Moritz Kircher, Alexander Milesevic, Agentur dpa
Höchberg, Donnerstag, 23. Juli 2026
Ein Mann mit einer Israelflagge am Revers wird im Kreis Würzburg angegriffen und schwer verletzt. Angeblich ist niemand dem Opfer zu Hilfe gekommen. Was über den Tatverdächtigen bekannt ist.
Update vom 23.07.2026: Angriff wegen Israel-Anstecker? Verdächtiger genießt Schutz
Der mutmaßliche Angreifer auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Franken hat laut Behördenangaben einen Schutzstatus in Deutschland. Der 20-jährige Syrer sei laut des Landratsamts Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim, das ausländerrechtlich für den Verdächtigen zuständig ist, nicht ausreisepflichtig. Der Mann wohne nicht in einer Asylunterkunft - Details wurden nicht genannt.
Der Ausländerbehörde seien zudem verschiedene Ermittlungsverfahren bekannt, die jedoch von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurden oder nicht zu einer Anklage geführt hätten. Dem Polizeipräsidium Unterfranken und der Generalstaatsanwaltschaft München zufolge zählen unter anderem Körperverletzungen dazu.
Der 20-Jährige soll in der Nacht zum Montag (19./20. Juli 2026) in der Nähe einer Bushaltestelle in Höchberg bei Würzburg einen 65-jährigen Deutschen, der mit einer Israelflagge am Revers unterwegs war, schwer verletzt haben. Nach ersten Angaben der Ermittler wird von einer israelfeindlichen oder islamistischen Motivation des mutmaßlichen Täters ausgegangen. Polizei und Generalstaatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft.
Hintergründe von Attacke im Kreis Würzburg unklar
Wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Würzburg mitteilte, handelt es sich bei dem Schwerverletzten um ein Mitglied der Organisation. Der 65-Jährige sei wegen seines Ansteckers israelfeindlich angesprochen und während des Gesprächs plötzlich ins Gesicht geschlagen worden - "relativ aus heiterem Himmel", sagte Jonas Weibel, Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Würzburg. Bleibende Schäden seien jedoch nicht zu erwarten.
Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, erklärte nach dem Angriff: "Bei islamistisch geprägten Vorstellungen, die in Deutschland zu antisemitischen Straftaten geführt hätten, spielten die Einstellungen von Menschen, die nach Deutschland gekommen sind und bereits in ihrer Kindheit und Jugend oder in ihrem Umfeld judenfeindliche Vorstellungen eingesogen haben, oft eine Rolle."
Das Motiv des Verdächtigen ist noch unbekannt. Die Polizei hatte den jungen Mann bereits am frühen Abend des Sonntags auf einem Marktfest in Höchberg kontrolliert, da er dort Zeugenaussagen zufolge andere Menschen belästigt haben soll. Zu strafbaren Handlungen soll es nach aktuellem Stand der Ermittlungen nicht gekommen sein.
Update vom 21.07.2026: Mehrere Personen sehen den Angriff - "Niemand griff ein"
"Es standen mehrere Menschen an der Bushaltestelle, niemand griff ein." Das hat Konstantin Mack, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gemeinschaft in Würzburg, nach eigener Aussage direkt vom Opfer erfahren. Er habe den Mann im Krankenhaus besucht, der am Sonntagabend (19. Juli 2026) in Höchberg an einer Bushaltestelle von einem 20 Jahre alten Syrer erst bepöbelt und dann angegriffen worden sei.