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"Niemand griff ein": Mann bei Würzburg wegen Israel-Sticker brutal attackiert


Autor: Agentur dpa, Moritz Kircher

Höchberg, Dienstag, 21. Juli 2026

Ein Mann geht mit einer Israel-Flagge am Revers wurde brutal angegriffen und schwer verletzt. Augenzeugen rufen die Polizei. Aber angeblich ist niemand dem Opfer zu Hilfe gekommen.
Ein 55-jähriger Mann ist im unterfränkischen Höchberg bei Würzburg offenbar wegen eines Israel-Ansteckers  angegriffen und schwer verletzt worden. Die Attacke soll sich an einer Ampel an dieser Kreuzung abgespielt haben.


Update vom 21.07.2026: Mehrere Personen sehen den Angriff - "Niemand griff ein"

„Es standen mehrere Menschen an der Bushaltestelle, niemand griff ein." Das hat Konstantin Mack, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gemeinschaft in Würzburg, nach eigener Aussage direkt vom Opfer erfahren. Er habe den Mann im Krankenhaus besucht, der am Sonntagabend in Höchberg an einer Bushaltestelle von einem 20 Jahre alten Syrer erst bepöbelt und dann angegriffen worden sei.

Das Opfer sei mittlerweile ansprechbar, so Mack. Der 65-Jährige sei "relativ unvermittelt" angegriffen worden. Zuerst habe der Angreifer mit der Faust zugeschlagen und dann auf das am Boden liegende Opfer eingetreten.

Was sich am Tatort noch abgespielt hat und wie die Polizei von dem Übergriff erfuhr, lesen Sie auf unserem Schwesterportal fraenkischertag.de (PLUS-Artikel).

Der ursprüngliche Artikel vom 21.07.2026, 15.15 Uhr: Antisemitischer Angriff bei Würzburg - Polizei ermittelt wegen versuchtem Mord

Ein Mann mit einer Israelflagge am Revers ist in Höchberg bei Würzburg am Sonntagabend (19. Juli 2026) angegriffen und schwer verletzt worden. Man gehe von einer israelfeindlichen oder antisemitischen und islamistischen Motivation des 20 Jahre alten Angreifers aus, teilten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft München mit. Dort übernahm der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz das Verfahren wegen versuchten Mordes. 

Der mutmaßliche Angreifer mit syrischer Staatsbürgerschaft sei noch vor Ort in Höchberg bei Würzburg festgenommen worden und sitze inzwischen in Untersuchungshaft, hieß es von den Ermittlungsbehörden. Er sei in der Vergangenheit bereits strafrechtlich unter anderem wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten.

Tritte gegen den Kopf des Opfers: Polizei sucht Zeugen

Der Verdächtige soll den 65-Jährigen unter anderem gegen den Kopf getreten haben. Das Opfer befinde sich nach dem Angriff am späten Sonntagabend nicht in Lebensgefahr. Bei der Festnahme des Verdächtigen sei ein Polizist leicht verletzt worden. Bei dem Schwerverletzten handle es sich um ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Würzburg, teilte die Organisation mit. Er sei wegen seines Ansteckers israelfeindlich angesprochen und während des Gesprächs plötzlich ins Gesicht geschlagen worden.

Als der Mann schon wehrlos am Boden gelegen habe, habe der Angreifer "weiter brutal auf Kopf und Körper" eingetreten, teilte die DIG mit. Das Opfer habe "unter anderem Kopfverletzungen und einen Knochenbruch" erlitten und werde auf der Intensivstation behandelt. In einer Pressemeldung von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Dienstagnachmittag ist zudem von einem Wirbelbruch die Rede. Das Opfer schwebe jedoch nicht in Lebensgefahr.

Wenige Stunden vor der Tat wurde der mutmaßliche Täter von der Polizei nach eigener Aussage auf dem Marktfest in Höchberg kontrolliert, da er dort laut Zeugenaussagen Personen belästigt haben soll. Zu strafbaren Handlungen kam es hier nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen jedoch nicht. Die Polizei sucht nun Zeugen, denen der Mann auf dem Höchberger Marktfest oder in der Hauptstraße im Bereich der dortigen Bushaltestelle aufgefallen ist. Die Kripo Würzburg nimmt Hinweise unter der Telefonnummer 0931/4571732 entgegen.

Würzburger Oberbürgermeister verurteilt Attacke auf Mitglied der jüdischen Gemeinschaft

Von einem "menschenverachtenden Angriff" spricht der Würzburger Oberbürgermeister Martin Heilig im Zusammenhang mit dem Angriff in Höchberg. "Meine Gedanken sind beim Opfer. Ich wünsche ihm von Herzen eine schnelle und vollständige Genesung." Für ihn sei eine solche Attacke alleine aufgrund des Tragens eines Israel-Ansteckers "ein unerträglicher Angriff auf unsere demokratischen Grundwerte".

"Antisemitismus, Hass und Gewalt haben in Würzburg und unserer Region keinen Platz", so der Würzburger Oberbürgermeister weiter. Die Würzburger Stadtgesellschaft stehe "fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger".

DIG-Präsident Volker Beck sagte, er sei "schockiert" über den Angriff, und forderte eine "rasche und harte Bestrafung" des Angreifers. "Wer sich als Freund oder Freundin Israels oder als jüdisch erkennbar macht, muss um sein Leben bangen", sagte Beck. "Das darf nicht mehr toleriert werden und dem Klima, das solche Taten begünstigt, muss von Demokratinnen und Demokraten klipp und klar entgegengetreten werden."

Volker Beck spricht von "Enthemmung antisemitischer Gewalt in Deutschland"

"Die Enthemmung antisemitischer Gewalt in Deutschland hält an", sagt Beck. Um dem entgegenzutreten, findet am Freitag, 24. Juli 2026, am Unteren Markt in Würzburg eine Mahnkundgebung gegen antisemitische Gewalt statt. Das teilt die DIG auf ihrer Website mit. Laut der Organisation "Jewish Life Munich" (Jüdisches Leben in München) habe es in Deutschland im vergangenen Jahr 8725 antisemitische Vorfälle gegeben, alleine 1551 davon in Bayern.

Viele Nutzer kommentieren unter einem Instagram-Post der Organisation, dass Sicherheitsbehörden ihnen rieten, sich in der Öffentlichkeit nicht als Juden oder Freunde Israels zu erkennen zu geben. Jewish Life Munich wehrt sich dagegen und sagt: "Sichtbarkeit ist kein Verbrechen."