Ein Grund dafür, dass man es nicht bei der Sperrung belassen habe, sei auch das "Burning Beach"-Festival gewesen, das parallel am selben Strand stattfand. "Wir wissen, dass da viele auch mal nachts ins Wasser hüpfen und zur Badeinsel schwimmen." Dass die Sperrung auch dann eingehalten werde, sei nachts und bei der "Masse an Menschen" nicht zu gewährleisten gewesen. "Um die Gefahr zeitnah zu beenden, haben wir darum diese Entscheidung getroffen." Ob unter den Verletzten auch Festival-Besucher waren, könne man jedoch nicht sicher sagen.
Fischereiverband Sprecher erklärt: So kam es zu Wels-Vorfall am Brombachsee
Auch der Landesfischereiverband Bayern e.V. äußert sich auf Nachfrage von inFranken.de zu den Geschehnissen am Wochenende. Sprecher Thomas Funke betont: Es sei richtig gewesen, den Badebereich zu sperren, solange das Tier dort unterwegs war. Eine tödliche Gefahr habe der Wels zwar nicht dargestellt, sei jedoch aufgrund der aktuellen Brutzeit unberechenbar gewesen. Insofern halte man das Vorgehen der Polizei "im Großen und Ganzen für richtig".
Die Brutzeit ist laut Funke auch die Erklärung für das Verhalten des Fisches: "Der Waller gehört zu den Fischarten, die ihr Gelege bewachen. Und das muss in diesem Fall genau unter der Badeinsel gewesen sein." Seinen Laichplatz habe der Fisch verteidigen wollen - dadurch sei es auch zu den Verletzungen der Schwimmer gekommen. "So etwas kommt alle paar Jahre in Bayern vor", ordnet Funke ein. Dass so viele Menschen betroffen waren, liege vermutlich an dem regen Betrieb im See an diesem Tag.
Der Sprecher betont jedoch: "Außerhalb seiner Brutzeit ist der Waller völlig gutmütig, jagt in der Nacht und hat allein deshalb keine Berührungspunkte mit Badegästen. Von Menschen würde er sich immer fern halten, weil sie nicht in sein Beuteschema passen." Auch die Verletzungsgefahr sei verhältnismäßig gering, da der Wels nur sehr kleine, schmirgelpapierähnliche Zähne habe und somit eher Schürfwunden verursache. "Die Schmerzen sind da nicht dramatisch. Es ist wohl eher der Schock, der groß ist", vermutet Funke.
Wie kommen die riesigen Welse in den Brombachsee?
Normalerweise laiche der Wels jedoch in Ufernähe. Dass er sich in diesem Fall die Badeinsel ausgesucht habe, sei auch laut Funkes Kollege Felix Reebs, ebenfalls Sprecher beim Landesfischereiverband Bayern e.V., untypisch. Ein Grund dafür könnte sein, dass die typischen Laichareale aktuell aufgrund des niedrigen Wasserpegels zu flach, beziehungsweise trockengelegt seien. Das kalte Frühjahr könnte die Laichzeit, die normalerweise von Mai bis Juni dauert, zudem nach hinten verschoben haben. Durch die Schritte und den Lärm auf der Badeinsel habe der Wels möglicherweise Gefahr gewittert und die Badegäste angegriffen, um sie zu verscheuchen.
Doch wie kommt der Wels überhaupt in den Brombachsee? Schließlich handelt es sich um einen künstlich angelegten Stausee. Reebs erklärt: Früher habe es eine Liste von Arten gegeben, die am Brombachsee angesiedelt werden sollten - darunter auch der Wels. Mittlerweile gebe es vermutlich tausende Welse in dem Gewässer. Da er sich aufgrund der immer höheren Temperaturen jedoch sehr stark vermehre, gelte nun ein "Entnahmegebot". Das heißt konkret, dass Angler jeden gefangenen Wels aus dem Gewässer entnehmen müssen - also nicht zurücksetzen dürfen. Eine Fangbegrenzung gibt es nicht.
Vorschaubild: © News5/Ferdinand Merzbach; Screenshot Stern TV vom 25.05.2025; Collage: inFranken.de