Erkan Dinar aus Weißenburg wollte eigentlich nur eine neue Arbeit finden - er schaute sich im Frühjahr 2021 nach einer Stelle um und schrieb eine Bewerbung an eine Firma in Altdorf bei Nürnberg. Die Firma ist im Modellbausektor tätig, Erkan Dinar bewarb sich als "Bestücker für Digitaldruckmaschinen". Nur wenige Stunden später erhielt er eine Absage. Darin enthalten als Begründung die Aussage: "Unsere sehr kleinen, filigranen Teile sind eher etwas für flinke Frauenhände." Die E-Mail liegt der Redaktion vor. 

Aufgrund dieser Absage wandte sich der Weißenburger an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die Einschätzung dort: Die Ablehnung der Bewerbung könnte eine Diskriminierung darstellen und gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen. Eine Ablehnung wegen des Geschlechts sei "nur gerechtfertigt, wenn das Geschlecht wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung darstellt", zitiert die Stelle das Gesetz. Dies sei hier nicht gegeben, da es kaum zu begründen sei, dass ein Mann keine filigranen Teile bedienen könne. 

Ablehnung wegen Geschlechts - Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz?

Zu einer Einladung kam es dann dennoch: Nachdem der DGB-Rechtsschutz die Firma angeschrieben hatte, lud das Unternehmen Erkan Dinar ein - zum "Bewerbungsgespräch". So legt es die zeitliche Abfolge der Geschehnisse nahe, wie es der Weißenburger darlegt, die Firma stellt dies in Verlautbarungen des Anwalts etwas anders dar. Man habe dem Mann noch eine Chance geben wollen und ihn daher zur Probearbeit eingeladen. Erkan Dinar schildert den Besuch in der Altdorfer Firma eher als "Betriebsbesichtigung" - ihm seien Bereiche der Firma gezeigt worden, ausprobieren konnte er jedoch keine Maschine, etwa, um zu zeigen, dass er durchaus befähigt sei, die filigranen Teile zu bedienen.

Wie der Anwalt der Firma es darstellt, sei es zu einem Serverausfall gekommen und daher sei eine Probearbeit technisch gar nicht möglich gewesen. Erkan Dinar selbst stellt den Besuch anders dar - auch die Begründung, warum er keine Probearbeit leisten dürfe, sei bei dem Besuch eine andere gewesen.  Dass laut seiner Darstellung Sätze wie "Wir haben ja nichts gegen Ausländer..." gefallen seien, falle schon kaum mehr ins Gewicht und habe ja auch gar nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun, betont Erkan Dinar. Schließlich gehe es ja um die Begründung, die an sich schon eine Diskriminierung darstelle. In der Abteilung, in der sich der Franke beworben hatte, arbeiten sowohl Männer als auch Frauen an entsprechenden Maschinen und sind damit beschäftigt, kleine Einzelteile in Autos, Züge und Busse einzubauen, wird die Firma etwa vom Internetportal nordbayern.de zitiert. 

Nach dem ersten persönlichen Termin wurden noch zwei weitere Termine vereinbart - den ersten sagte die Firma ab, beim zweiten winkte Erkan Dinar selbst ab, da er inzwischen eine andere Anstellung gefunden hatte. Inzwischen ist aus dem Bewerber ein Kläger geworden, denn Erkan Dinar hat beim Arbeitsgericht in Nürnberg Klage eingereicht. Er fordert Entschädigung in Höhe von 8000 Euro. Laut Gleichbehandlungsgesetz können bis zu drei Monatsgehälter an Schmerzensgeld als Strafe verhängt werden. Zur Höhe der Summe äußerte sich der Anwalt der Firma - die Männer und Frauen in der betroffenen Abteilung würden für den Mindestlohn von 9,60 arbeiten, drei Monatsgehälter seien in diesem Fall also viel niedriger anzusetzen. 

Klage beim Arbeitsgericht Nürnberg eingereicht: Abgelehnter Bewerber fordert 8000 Euro

Die Firmenchefin hat laut Gerichtssprecher auch erklärt, die Formulierung sei nicht glücklich gewählt gewesen. Sie habe damit ausdrücken wollen, dass für den Job feine Finger notwendig seien. Um den Gerichtsstreit beizulegen, habe sie angeboten, eine dreistellige Summe an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden. Bis zum September haben beide Seiten noch Zeit sich zu einigen -  dann geht der Streit wahrscheinlich im Oktober vor Gericht weiter. Dann wird weiter verhandelt und das Gericht klären, ob Diskriminierung vorliegt oder nicht.