Brombachsee: Jugendlicher (15) erstochen - junge Frau zu Haftstrafe verurteilt
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Pleinfeld, Montag, 09. März 2026
Nach einem schönen Tag am Brombachsee eskaliert ein Streit unter jungen Leuten. Ein Jugendlicher wird erstochen. Eine junge Frau muss nun die Konsequenzen tragen.
Update vom 09.03.2026, 14.25 Uhr: Neun Jahre Jugendhaft wegen Totschlags an 15-Jährigen
Eine junge Frau ist wegen des tödlichen Messerangriffs auf einen 15-Jährigen am Brombachsee (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) zu einer Jugendhaftstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Ansbach wertet die Tat als Totschlag. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die 19-Jährige den Jugendlichen im vergangenen Juni mit einem Taschenmesser umgebracht hat. "Ein junger Mensch ist schuldlos getötet worden und aus nichtigem Anlass", begründete die Vorsitzende Richterin Elke Beyer das Entscheidung.
Der gewaltsame Tod des Jugendlichen im vergangenen Juni an einer Bushaltestelle in der Nähe des Brombachsees in Mittelfranken hatte über die Region hinaus für Bestürzung gesorgt. Am Tag der Urteilsverkündung war der Gerichtssaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Als Beyer das Urteil verkündete, ging ein Raunen durch die Zuschauermenge. Viele hatten eine Verurteilung wegen Mordes erwartet, wie es Staatsanwaltschaft und Nebenklage zuvor gefordert hatten.
Nach der Auffassung des Gerichts waren die beiden jungen Leute zufällig an jenem Abend aufeinandergetroffen, nachdem sie jeweils mit Freunden einen Tag am See verbracht hatten. Zum Streit kam es demnach, als der 15-Jährige die junge Frau auf der anderen Straßenseite nach einer Zigarette fragte. Diese habe aggressiv reagiert und beide hätten sich gegenseitig beleidigt, sagte die Vorsitzende Richterin.
Kein rassistisches Motiv
Schließlich sei die junge Frau mit ihrem Bruder über die Straße gegangen. Zuvor habe sie ein Taschenmesser aus der Handtasche ihrer Partnerin genommen, sagte Beyer. Zunächst sei es zu einem Schlagabtausch zwischen dem Jugendlichen und dem Bruder der Angeklagten gekommen. Dann habe die 19-Jährige dem Opfer kräftig mit der Faust ins Gesicht geschlagen, der Jugendliche habe zurückgeschlagen. Daraufhin habe die junge Frau ihm das Messer in den Hals gestochen.
Der 15-Jährige habe gerade noch die Hände auf die Wunde legen können, sei dann erst gegen den Zaun, dann auf den Boden gesunken. Mehrere Zeugen seien herbeigeeilt und hätten versucht, ihn zu retten. "Aber all dies hat nichts genützt", sagte Beyer. Der Junge starb noch am Tatort.
Die 19-Jährige soll den Jungen während des Streits auch rassistisch beleidigt haben. Dieser hatte die deutsche und die brasilianische Staatsangehörigkeit. "Für ein rassistisches Motiv haben wir keine Anhaltspunkte gefunden", sagte Beyer. Sie habe die Beleidigung unbedacht gerufen und der Tatablauf spreche auch nicht dafür. Gegen einen heimtückischen Mord spreche zudem, dass der Junge einen Angriff erwartet habe. Und es stehe nicht fest, ob die Angeklagte das Messer verborgen getragen habe.
Richterin mit Appell an Angeklagte
Die hohe Jugendstrafe - die Obergrenze liege bei zehn Jahren - sei eine Gelegenheit für die 19-Jährige, betonte Beyer. Diese könne in der Haft ihren Schulabschluss nachholen, eine Ausbildung machen und die Therapieangebote nutzen. "Die hohe Jugendstrafe wird es Ihnen möglich machen, diese Ziele zu erreichen", sagte sie zu der Angeklagten. Diese hat nach Angaben der Richterin einen "hohen Erziehungsbedarf" und Probleme, soziale Normen einzuhalten. Kurz vor der Urteilsverkündung wirkte sie nervös, nahm die Worte der Richterin dann aber regungslos auf.