Absberg: Schüsse auf SEK bei Verfolgungsjagd - Beamte schildern Moment
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Absberg, Montag, 19. Oktober 2026
Über 20 Kilometer liefern sich zwei Verdächtige eine rasante Verfolgungsfahrt mit der Polizei. Dabei fallen wiederholt Schüsse. Das sagen die Angeklagten und die Einsatzkräfte vor Gericht dazu.
Update vom 19.10.2026: Prozessbeginn um Schüsse bei Verfolgungsfahrt auf Polizei
Zwei Verdächtige flüchteten in einem Auto, die Polizei rast ihnen nach. Dann lehnt sich der Beifahrer aus dem Fenster und schießt mehrfach auf den Polizeibus, der sie über viele Kilometer durch die mittelfränkische Landschaft verfolgt. So schildern Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) vor dem Landgericht in Ansbach den Vorfall am 27. Januar. Wegen versuchten Mordes sind dort zwei Türken angeklagt.
Der 24- und der 25-Jährige sollen laut Staatsanwaltschaft zwei kriminellen Vereinigungen angehören. Eine davon soll eine Untergruppe der "Daltons" sein, die andere mit diesen zusammenarbeiten. Die "Daltons" sind für ihre brutalen Methoden und die Rekrutierung junger Mitglieder über das Internet bekannt.
In Mittelfranken sollen sich die beiden in einer Ferienwohnung nahe des Brombachsees aufgehalten haben, um von dort aus Haschisch zu verkaufen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) sollte die Wohnung in Absberg durchsuchen, wurde jedoch laut Staatsanwaltschaft von den Verdächtigen entdeckt, die daraufhin zum Auto liefen, um zu entkommen.
Sollte der Anführer sollte flüchten können?
Demnach rammten die Angeklagten mit ihrem Wagen erst den Polizeiwagen, der ihnen den Weg blockierte. Dann rasten sie mit hoher Geschwindigkeit davon - auch, um nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dem Anführer der "Daltons"-Untergruppe die Flucht zu ermöglichen. Dieser war zu dem Zeitpunkt mit ihnen in der Wohnung gewesen. Die Flucht endete nach etwa 20 Kilometern in Weißenburg, als das Auto der Verdächtigen mit einem anderen Wagen kollidierte.
Es sei das erste Mal gewesen, dass bei einem Einsatz auf ihn geschossen worden sei, sagte ein SEK-Beamter vor Gericht aus, der an jenem Tag das Zivilfahrzeug gefahren hatte. "In der Situation funktioniert man. Man hatte aber trotzdem Angst um sein Leben."
Ein Schuss traf nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Motorhaube auf der Beifahrerseite. "Ich hatte Angst", berichtete ein anderer SEK-Beamter, der nach eigener Aussage von der Rückbank die Schüsse hörte und das Mündungsfeuer sah.
Angeklagter hielt Polizeieinsatz für Anschlag
Der 25-jährige Angeklagte räumte am ersten Prozesstag die Schüsse ein. Er habe damit das Fahrzeug der Verfolger fahruntauglich machen wollen, erklärte er in einer schriftlichen Erklärung, die sein Verteidiger Michael Löwe vor Gericht verlas. "Ich wollte keinen Insassen treffen", hieß es darin weiter.