Schweinfurt gewinnt gegen Rain mit 6:0 kann dennoch nur den Moment genießen.
FC 05 Schweinfurt - TSV Rain/Lech 6:0 (4:0). Tore: 1:0 Adam Jabiri (13.), 2:0 Kevin Fery (26.), 3:0 Benedict Laverty (33.), 4:0, 5:0 Amar Suljic (37., 58.), 6:0 Florian Pieper (81.).
Es läuft die Nachspielzeit in Memmingen; die Allgäuer führen mit 3:2 gegen Spitzenreiter Türkgücü München. Die Gäste verschießen einen Elfmeter und gewinnen trotzdem noch mit 4:3. Ach, ja, der FC 05 Schweinfurt hat zu diesem Zeitpunkt den TSV Rain/Lech bereits mit 6:0 abgewatscht. Doch der Acht-Punkte-Rückstand auf Türkgücü bleibt der gleiche.
Da musste 05-Coach Tobias Strobl schon ein bisschen mit den Worten jonglieren, ehe er die Kurve von "Ich müsste lügen, wenn mich das nicht geärgert hätte" zu "Wir lassen uns die Freude an unserer tollen Leistung nicht nehmen" gekriegt hatte. Natürlich ist das kuriose Münchner 4:3 ärgerlich für die Schweinfurter. Doch durften sie zu Recht stolz sein auf eine zweite Gala-Vorstellung nach dem 3:0 von Burghausen. Drei Spiele unter Strobl, drei Siege, 10:0-Tore - eine formidable Bilanz.
Findet auch Doppel-Torschütze Amar Suljic: "So lange wir zu Null spielen, so lange wir gewinnen, so lange wir uns nur um uns kümmern, haben wir eine Chance, am Ende oben zu stehen. Wir müssen immer 300 Prozent geben und mit Herz spielen." Könnte man unterschreiben, wäre da nicht die Wahrscheinlichkeit, die mit jedem Spieltag sinkt, wenn es ums Aufholen der acht Punkte geht.
Gleichwohl Strobl nicht falsch damit liegt, der Mathematik die Gefühlsebene entgegen zu stellen: "Da wird jemand nervös einige Kilometer entfernt, wenn er sieht, wie bei uns eine Euphorie wächst. Irgendwann werden auch die Münchner Fehler machen. Und dann werden wir da sein, das verspreche ich euch."
Gegen Rain war das eine derartige Machtdemonstration, dass Gästetrainer Alexander Käs, mit dem Strobl letzte Saison noch in Ingolstadt zusammengearbeitet hatte, sich nur verbeugen konnte: "Tobi hat es hier in drei Wochen geschafft, dass die Spieler viel intensiver in die Laufwege gehen." Strobl sagt selbst: "Wir haben den Jungs wieder den Spaß an ihrer Arbeit vermittelt, ihnen Mut gegeben und die Mittel, mit Fehlern umzugehen."
Den Rest erledigt das 3-5-2-System, das im Mittelfeld eine stete Überzahl schafft, mit der schon drei Liga-Kontrahenten nicht zurecht gekommen sind. Es fällt auf, dass die Gegner kaum noch zu Chancen kommen. "Dadurch, dass wir hoch pressen, fällt es uns leichter, den Gegner im Aufbau zu stören. Das war heute außergewöhnlicher Fußball", fand Suljic. Ein Fußball, der auch das gerne überkritische Haupttribünen-Publikum begeisterte, dass vor allem bei der Auswechslung von Suljic und Adam Jabiri stehende Ovationen bot.