Mit Pokémon GO durch die Straßen und Wege von Bad Königshofen
Sie heißen Enton, Nidoran, Pummeluff, Knofensa und Flegman und gehören zu den virtuellen, niedlichen Pokémon, die per Smartphone gesammelt werden. Seit Pokémon GO auf dem Markt ist und kostenfrei heruntergeladen werden kann, sieht man immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Smartphones vor der Nase auf Wegen und Straßen laufen, beschäftigt mit einer virtuellen Welt, die sich mit der wirklichen Umgebung verbindet - die schönste Nebenbeschäftigung des Sommers ist gefunden. "Ich finde Pokémon toll, weil man beim Spielen nicht die ganze Zeit im Zimmer hockt. Man geht raus, trifft andere Leute unterwegs und in der Kampfarena und kommt schnell ins Gespräch", sagt Angelika Meißner. Die Arena ist direkt auf dem Marktplatz, dort kann man gesammelte Pokémon gegeneinander kämpfen lassen und mehr Spielstärke gewinnen.
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Zunächst heißt es jedoch, die Straßen, Wege und Plätze zu erkunden und die Spielfiguren zu suchen, die per Zufallsprinzip irgendwo erscheinen. Hat man sie auf dem Smartphone im Visier, kann man sie mit einer Wischbewegung mit Hilfe eines Pokéballs fangen. Wer nicht mehr genug Bälle hat, muss auftanken gehen.
Einer der gekennzeichneten Pokéstops, wo das geschieht, befindet sich auf dem Festgelände am Brügel, wo sowieso ein Jugendtreff ist. Wer besonderes Glück hat, gabelt dabei ein Pokémon-Ei auf, daraus schlüpft ein Wesen aus, wenn man eine vorbestimmte Kilometeranzahl zurückgelegt hat, von zwei bis zehn, je nach Kennzeichnung.
"Das ist das Geo-Coaching der neuen Zeit", sagen Colin Weiß und Florian Paul, die aus ihrer Kinderzeit noch die Namen der Figuren kennen. Wie beim Ostereiersuchen macht es ihnen einfach Spaß, sich unterwegs mit dem Sammeln der Figuren zu beschäftigen.
Dass sie dabei vergessen nach Autos zu schauen, wenn sie über die Straße gehen, halten sie nicht für wahrscheinlich. Beim Autofahren sammeln funktioniert übrigens nicht, auch Fahrradfahren ist zu schnell, wie sie schon ausprobiert haben. Wer sich schneller als 10 km/h bewegt, wird nicht ins Spiel einbezogen. Von interessanten Fundorten berichten die Jugendlichen. In der Bäckerei in der Kellereistraße auf den Donuts war ein Pokémon, ein Jugendlicher fand eines in Bad Neustadt in der städtischen Toilettenanlage, eines war an einer Holzkiste in Irmelshausen. Gute Tipps zum Auffinden sind Kirchen und Kulturdenkmäler, weiß einer der Sammler, ein Mädchen hat sogar zu Hause auf der Heizung ein Pokémon gefunden.
Der Reiz des Neuen hat auch Yanice Harich und Fabian Brand gepackt, sie haben am frühen Abend in der Martin-Reinhard-Straße bei Uhren Mack einen Nebulak gefangen und noch einmal einen am Michelsbrunnen. "Nach dem Umschalten auf den Abendmodus sind vermehrt Geisterpokémon unterwegs", freuen sich die Neulinge, die früher Pokémon-Spiele auf dem Gameboy gespielt haben. Dass sie zum Verkehrshindernis werden oder sich gefährden, halten die beiden für ausgeschlossen. Man habe die Umgebung im Blickwinkel, meinen sie und finden die Jagd draußen "echt cool, weil man sich bewegen muss und die Kids mal rauskommen."
Zum Spielen von Pokémon GO benötigt man ein Android- oder iOS-Gerät mit mobiler Datenverbindung und GPS, die Spielewelt basiert auf Google-Maps. Das ist auch schon einer der Kritikpunkte, weil technisch weniger gut ausgestattete Kinder und Jugendliche ausgeschlossen sind.
Datenschützer warnen, dass jetzt noch mehr Bewegungsprofile aufgezeichnet werden könnten, der ADAC warnt vor Menschen, die plötzlich mitten auf der Straße stehen bleiben oder sich unachtsam bewegen.
"Computer-Nerds auf freier Wildbahn - das kann nicht gutgehen", meint ein Kritiker. Mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch wird gerechnet, wenn Jugendliche ungefragt Privateigentum betreten oder sich an sensiblen Orten wie Friedhöfen oder Gedenkstätten herumtreiben. Die kritischen Stimmen können den Nutzern das neue Spiel jedoch nicht ausreden - sie haben einfach Spaß daran. Für die jüngeren ist alles neu und leicht auszuführen ohne komplizierte Regeln, für die Älteren kommt zusätzlich der Nostalgie-Effekt ins Spiel. "Wir lernen unsere Stadt ganz neu kennen", sagt einer der Teilnehmer - ein interessanter Nebeneffekt.
vos