Akkurat gefaltet liegen Hosen und Stutzen auf jedem Sitzkissen, das wiederum auf einer Sitzbank aus Buche liegt. Echtholz, versteht sich. Der Clou - im Winter sind die Bänke temperiert, denn unter ihnen laufen rundum neue Heizkörper. In jedem der 17 Spinde hängt ein Trikot. Es ist Spieltag - die Kicker des Kulmbacher Kreisligisten FC Neuenmarkt können kommen.

Donnerwetter, denkt sich der Gast, der in die nigelnagelneuen Umkleiden des FC "spitzen" darf. Hat sich hier etwa ein Innenarchitekt verwirklicht? Nein, aber der Kabinen-Baumeister kommt aus der Branche: Christian Fischer, mit Kreuzbandriss auf Eis liegender Kapitän der ersten. Mannschaft und im Brötchenerwerb Elektromeister und Junior-Chef eines ortsansässigen Handwerksbetriebes. Der 26-Jährige hat die Renovierung in der Winterpause der Saison 2017/18 koordiniert: "Wir haben gleichzeitig die Kabinen der ersten und zweiten Mannschaft saniert, demnächst kommen die beiden Kabinen für die Gäste und die der Schiedsrichter dran."

Morbider Charme soll weg

Dort und im Flur des von 1969 bis 70 errichteten und 1978 erweiterten Sportheims soll noch der morbide "Charme" der Siebziger verschwinden. "Dafür könnten wir die 2000 Euro Preisgeld gut gebrauchen", meint Christian Fischer.

FC-Vorsitzender Dieter Mühlbauer ist stolz auf seine Kicker: "Etwa 70 Prozent der Arbeiten haben die Spieler selber erledigt, nach Feierabend oder am Wochenende." Lediglich ein paar Aufträge hat man vergeben, etwa das Anfertigen der Sitzkissen oder der Bänke und Trennwände. So hielten sich auch die Kosten für die Sanierung in Grenzen. "Wir haben etwa 12 000 Euro an Material verbaut", verrät Mühlbauer - und alle Ausgaben aus Eigenmitteln, Spenden und Zuschüssen bestritten. Seit 2018 ist der 450 Mitglieder zählende FC Neuenmarkt schuldenfrei.

"Zum Einbauen waren wir ein harter Kern von fünf, sechs Leuten", berichtet Renovierungs-Capo Christian Fischer. Gemeinschaftsgeist trifft man halt auf dem Dorf noch eher an - zumal, wenn man sich von Kindesbeinen auf kennt. "Wir haben in allen drei Herrenmannschaften etwa 80 bis 90 Prozent Einheimische, die schon seit der Jugend zusammenspielen und auch privat viel gemeinsam unternehmen", sagt Dieter Mühlbauer, der dies auf die konsequente Jugendarbeit des Vereins zurückführt. Und so kam die Initiative zur Sanierung auch von den Spielern selbst: "Die Mannschaft hat sich in den alten Kabinen einfach nicht mehr wohl gefühlt", meint der Vorsitzende.

Mit einer 08/15-Planung hat man sich aber nicht zufrieden gegeben. Es mussten schon einige Extras her. Eine Musikanlage oder Kühlschrank für das Kabinen-Seidla - eh klar. Aber dass die "Zweite", die um den Kreisklassen-Aufstieg kämpft, sogar einen Bildschirm in der Kabine hängen hat, an dem Spielertrainer Daniel Warzecha via Laptop Infos über Gegner, die Taktik oder Lehrvideos zeigt, beeindruckt. Der Clou ist aber der kleine Spiegel, der an jedem Umkleideplatz klebt. "Wir haben halt viele kleine Ronaldos", schmunzelt Verteidiger Marco Kunz. Das Beste ist aber Duschbereich, in dem man sich im Spa-Bereich eines Wellnesshotels wähnt. Auch Cristiano Ronaldo hätte hier seine wahre Freude.

2000 Euro zu gewinnen Die Umkleidekabine ist oft das Herzstück der Sportheime. Hier werden gemeinsam Siege gefeiert und Niederlagen analysiert. Dort wird diskutiert, gefachsimpelt, gelacht oder auch ein wenig gestritten. Einige Amateurvereine sind zu recht stolz auf ihre "wohnliche" Kabine, andere hoffen seit langem auf einen Umbau - und die Saale-Zeitung bietet hier ihre Unterstützung an.

In der Serie "Schöner umziehen - ein Blick in Frankens Kabinen" sucht die Saale-Zeitung die schönste, aber auch die renovierungsbedürftigste Umkleidekabine Frankens. Bewerbt euch bequem unter www.infranken.de/ schoenerumziehen oder schreibt eine Mail mit euren Kontaktdaten an sport@infranken.de, hängt ein Bild von der Kabine an und erklärt kurz, warum ihr dabei sein müsst. Die Redaktion entscheidet über eure Teilnahme.

Mitmachen lohnt sich: Der Verein mit der "hässlichsten" Kabine erhält 2000 Euro Starthilfe für einen Umbau. Der Verein mit der schönsten Umkleide gewinnt eine Kabinenparty im Wert von 500 Euro und einen großen, gefüllten Glastür-Kühlschrank.

Bis Juni wirft die Sportredaktion regelmäßig einen Blick in die Umkleide-Kabinen von Amateurvereinen. Alle in der Saale-Zeitung vorgestellten Kabinen nehmen an der Online-Abstimmung auf inFranken.de teil. Kabinen in kommunalen Einrichtungen sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen.