Dass der SV Burgwallbach/Bad Neustadt in der 1. Hauptrunde des Toto-Pokals gegen den FC Ingolstadt 04, Tabellenführer der Dritten Liga, ohne Chance sein wird, war klar. Dennoch freuten sich die Kicker des Kreisligisten auf dieses Highlight und hatten trotz der 1:8-Niederlage nach Spielende ein breites Grinsen im Gesicht. "Ich bin stolz auf die Leistung der Mannschaft. Eigentlich schade, dass das Spiel schon vorbei ist", strahlte auch SV-Trainer Alexander Leicht. Er hatte für den Pokalkracher gegen die Profis aus Ingolstadt der Mannschaft das Vertrauen geschenkt, die dieses Highlight durch den Pokalsieg im Fußballkreis Rhön in der letzten Saison erst möglich gemacht hatte. Gegen die mit sieben Spielern aus dem Drittligakader und vielen hoffnungsvollen Nachwuchstalenten angetretenen Schanzer merkte man den Burgwallbachern in den Anfangsminuten den großen Respekt an.

Immer wieder Diawuesie

Gerade einmal sechs Minuten waren gespielt, da traf Paul Polauke mit einem Flachschuss aus 25 Metern zur frühen Gästeführung. Als Agyemang Diawuesie diese mit zwei seiner insgesamt vier Treffer bereits bis zur 15. Minute auf 3:0 ausgebaut hatte, schwante den meisten der 700 Zuschauern nichts Gutes. "Dass wir so schnell drei Tore bekommen, war natürlich ärgerlich. Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon befürchtet, dass es zweistellig werden könnte", sagte Leicht.

Doch die Hausherren ließen die Köpfe nicht hängen, spulten weiter ein großes Laufpensum ab und verhinderten zunächst weitere Gegentreffer. Dennoch hatten sie große Schwierigkeiten, überhaupt in die Zweikämpfe zu kommen. Zu schnell ließen die Ingolstädter den Ball laufen. Während seine Mitspieler im Torabschluss noch die Präzision vermissen ließen, zeigte sich Agyemang Diawusie eiskalt. Der 21-Jährige, der über die Erfahrung von 49 Drittliga-Einsätzen für den SV Wehen-Wiesbaden verfügt, machte mit einem Abstaubertor nach einer halben Stunde den Hattrick perfekt.

Umjubelter Ehrentreffer

Dann sollte der große Auftritt der Hausherren kommen, die sich den Traum von einem eigenen Tor noch vor der Pause erfüllten. Und dieser Treffer war nicht etwa ein Zufallsprodukt, sondern wurde über mehrere Stationen schön herausgespielt. Niklas Schrenk wurde in die Gasse geschickt, umkurvte Gäste-Keeper Lukas Schellenberg und schob zum umjubelten 1:4 ein. "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich getroffen habe. Nachdem ich den Ball bekommen hatte, dachte ich nur, den musst du jetzt machen. Das Gefühl ist einfach überragend", schwärmte der Torschütze. Dass die Gäste bis zur Pause zwei weitere Treffer erzielten, war da eher Nebensache.

Gefallen am Pokal-Highlight

"Ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, dass sie so weiterspielen und das Ganze einfach genießen sollen", sagte Leicht. Und der Kreisligist schien nach dem Seitenwechsel immer mehr Gefallen an diesem Pokal-Highlight zu finden. In der Defensive eroberten sich die Burgwallbacher nun öfter den Ball und fanden ab und an auch den einzigen Stürmer Benedikt Floth, der es jedoch schwer hatte, sich gegen die Innenverteidiger des FC durchzusetzen. "Es hat dennoch Spaß gemacht, gegen diese robusten Profis mal mit vollem Körpereinsatz zu spielen", sagte Floth. Fast wäre ihm in der 70. Minute ein Tor gelungen. Er sah, dass der FC-Torhüter weit vor seinem Kasten stand und zog von der Mittellinie einfach mal ab. Da der Ball allerdings nicht hart genug getreten war, konnte Schellenberg zurückeilen und das 2:6 verhindern.

Weitaus mehr im Mittelpunkt stand jedoch sein Gegenüber Yannic Borchardt, der mit zahlreichen Paraden eine zweistellige Niederlage verhinderte. "Ein bisschen tun mir die Hände schon weh. Das sind schon andere Schüsse als in der Kreisliga", sagte der Torhüter der Gastgeber. "In der ersten Halbzeit waren ich noch etwas nervös, aber nach der Pause hatte ich echt Spaß. Ich hatte mir insgeheim natürlich vorgenommen, unter zehn Gegentore zu bleiben. Dass das geklappt hat, ist super. Jetzt feiern wir heute Abend ordentlich." In der Schlussphase musste er zwar noch zweimal hinter sich greifen, doch das störte an diesem Abend niemanden mehr.

Busreparatur statt Aufwärmen

"Das war für uns ein Highlight für die Ewigkeit. Wir haben eine geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt und uns gut verkauft. Ich freue mich jetzt auf das gemeinsame Abendessen mit den Ingolstädtern und hoffe, dass man dabei noch einmal in Gespräch kommt", sagte Leicht. Lob bekam der Kreisligist auch von Gäste-Trainer Jeff Saibene: "Respekt an die Burgwallbacher, die alles gegeben haben. Es war sehr angenehm hier und wir wurden super empfangen. Es war ein sehr faires Spiel und ich bin froh, dass es keine verletzten Spieler gibt."

Bei einem Burgwallbacher Spieler bedankten sich die Ingolstädter ganz besonders. Nachdem an der Bustür der Schanzer auf der Hinfahrt etwas kaputt ging, schritt Thorsten Fleckenstein noch vor der Partie zur Tat und behob den Schaden. "Wir haben uns beim Warmmachen gewundert, wo denn der Flecki ist. Dann hieß es, er schweißt gerade die Tür am Bus der Ingolstädter", erzählt Benedikt Floth. Somit konnte der Drittligist beruhigt seine Heimfahrt antreten und wird das Gastspiel in Burgwallbach in guter Erinnerung behalten.Stefan Karlein