Ausgewählt wurden Bereiche, die ohne großen technischen Aufwand, nur durch den Einbau einer Zeitschaltuhr umgerüstet werden konnten. Die hierbei gesammelten Erfahrungen sollten als Grundlage für das weitere Vorgehen zur Vermeidung von CO2-Emissionen und Reduzierung der Lichtverschmutzung als Projektstadt im zukünftigen Sternenpark Biosphärenreservat Rhön dienen. Bürgermeister Baumann verwies auf die überregionale positive Resonanz, die Bischofsheim erfahren habe.

FernsehteamsDrei Fernsehteams waren vor Ort und ein großer Beitrag im Magazin der Umweltorganisation "Greenpeace" erschienen. Doch in der Bevölkerung stieß das Projekt auf Unverständnis. Viele Beschwerden der Bevölkerung haben sich die Stadträte anhören müssen. Das ist auch Bürgermeister Baumann bekannt.

Dass in ganzen Straßenzüge und Wohngebieten das Licht komplett ausgeschaltet wurde, das sei nicht der richtige Weg gewesen. "Das war schlecht, was wir gemacht haben, das hätten wir so nicht tun sollen", räumte er ein, es sei eine Ungleichbehandlung gewesen. Nun schlug er dem Stadtrat vor, künftig jede zweite Straßenlampen im gesamten Stadtgebiet abzuschalten. Die Umrüstung würde 25 000 Euro kosten. Durch diese Maßnahme würden rund 25 Prozent der Stromkosten für die Straßenbeleuchtung, das sind 2500 Euro jährlich, eingespart werden. Diese sogenannte "Halbnachtschaltung" könne noch vor dem Winter erfolgen. Darüber hinaus werde ein Beleuchtungskonzept für die Umrüstung der bestehenden Straßenbeleuchtungsanlagen in Bischofsheim und den Stadtteilen entwickelt.

Auch hier gehe es um Energieeffizienz und um die technischen Anforderungen der Initiative Sternenpark. Der Stadtrat erklärte sich mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden. Die Rede sei von einer viermonatigen Probezeit gewesen, die schon Ende September ausgelaufen war. Das Licht hätte schon längst wieder eingeschaltet werden müssen. Jetzt 25 000 Euro für eine Umrüstung auf Halbnachtschaltung auszugeben, erschien der Mehrheit als unnötig, vielmehr sollte in dem Konzept eine sinnvolle und wirtschaftlich vertretbare Lösung erarbeitet werden.

Benjamin Lenhardt schlug vor, die bestehenden Leuchtmittel durch LED-Röhren auszutauschen. Vehement sprach er sich gegen weitere Dunkelheit in den Straßen aus. Rudi Büttner schlug vor, das Licht nicht auszuschalten sondern zu dimmen. Die Halbnachtschaltung sei keine Lösung. Der Bürgermeister sah in diesem Vorgehen eine "Rolle rückwärts". "Wenn das Licht jetzt wieder eingeschaltet werde, dann wird es nicht mehr ausgemacht. Dann hat sich das Thema erledigt." Ein Konzept werde sich im wesentlichen mit dem Austausch der Leuchtmittel befassen, was ein Projekt sei, dass sich über einen längeren Zeitraum hinziehen werde.

Lampen brennenDoch die Stadträte wollten sich dieser Auffassung nicht anschließen. Vor allem in der dunklen Jahreszeit sei es angebracht, dass die Lampen wieder brennen, sagte Alfred Thalheimer. Auch Egon Sturm berichtete von der Unzufriedenheit der Bürger. "Die Bürger haben im Dunklen Angst", sagte Edgar Schöppner.
"Das Licht sofort wieder anschalten und ein gescheites Konzept erstellen", fasste Christian Enders zusammen, was von der Mehrheit der Stadträte so befürwortet wurde.

Hintergrund: In der Rhön finden sich noch Gebiete mit einer fast natürlichen Nachtlandschaft. Diese Landschaften sind äußerst schützenswert und sind insbesondere für die nachtaktive Lebenswelt von großer Bedeutung. Denn nicht nur tagsüber werden Pflanzen bestäubt, sondern gerade auch in der Nacht, wie zum Beispiel der Holunder und die Linde. Vor diesem Hintergrund ist es ein Anstreben der ARGE Rhön, diese Gebiete durch die Auszeichnung Sternenpark der International Dark Sky Association unter Schutz zu stellen. Vorrangig geht es hier um die pro-aktive Reduzierung unnötig produzierter Lichtmengen.