Der zwölfjährige Emre-Leo erinnert sich noch genau an den Freitagabend, als er im Elternhaus im Wohnzimmer Lego spielte und auf dem Weg zum Kühlschrank, wo er sich einen Joghurt holen wollte, plötzlich einen Knall hörte. Auf der Terrasse bemerkte er ein kleines Feuer. Schnell lief er die Treppe hoch und alarmierte seinen 19-jährigen Bruder und dessen Freundin.

Als er wieder nach unten kam, war aus der kleinen Flamme schon ein Feuer geworden. Die Scheiben der Glastüre waren durch die Hitze schon zersprungen, das Feuer hatte sich im Wohnzimmer ausgebreitet. Gemeinsam mit dem Bruder und dessen Freundin rettete er sich ins Freie. Sein Bruder alarmierte die Rettungskräfte.

Untergeschoss stand in Flammen: 12-Jähriger alarmiert Familie - Vater stolz

"Unser Sohn hat hervorragend reagiert, als er sofort an die beiden Schlafenden im Obergeschoss dachte und diese alarmierte, denn wenige Minuten später hätte der starke Rauch das Treppenhaus unzugänglich gemacht", sagt sein Vater Mustafa Kocamaz, Inhaber des City Dönerhaus, besser als "Moses" bekannt. Als er und seine Frau Leyla Aksu-Kocamaz zum Brandort kamen, stand das gesamte Untergeschoss in Flammen.

Für die Familie ist es immer noch nicht nachvollziehbar, wie es zu dem Brand kam und vor allem, dass sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte. Betroffen sind nicht nur Wohnzimmer und Küche im Erdgeschoss, sondern das gesamte Haus. "Aber das ist alles nicht so schlimm, ich bin von Herzen froh, dass den Kindern nichts passiert ist", meint Leyla Aksu-Kocamaz.

"Alles ist schwarz, vor allem durch die starke Rauchentwicklung", sagen Mustafa und seine Frau Leyla, die mit dem Vertreter der Versicherung am Mittwoch erstmals im Haus waren. Allerdings konnte die Familie bis vergangenen Freitag nicht in ihr Eigentum, da die Kriminalpolizei Schweinfurt das gesamte Haus noch nicht freigegeben hatte.

Schaden nach Feuer ist höher als vermutet - Hilfsbereitschaft rührt Familie

Der Grund ist das schnelle Ausbreiten des Feuers, was Brandstiftung vermuten ließ. Entwarnung gab es am Freitag. Zwar sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, man habe aber bislang keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung, heißt es von der Pressestelle des Polizeipräsidiums in Würzburg. Dort ist allerdings bekannt, dass sich die Schadenssumme von den angenommenen 100.000 Euro auf 450.000 Euro erhöht hat.

Die Familie Kocamaz ist zwar nach wie vor bestürzt, andererseits aber froh über die spontane Unterstützung der Bevölkerung. "Die Leute kommen und fragen, wie sie uns helfen können, wollen Schuhe und Kleidung kaufen oder vorbeibringen und selbst Kinder kommen und wollen von ihren Sachen etwas abgeben." Die Familie spricht von einer überwältigenden Hilfsbereitschaft, "denn wir haben ja alles verloren".

Das gilt auch für die Schulsachen von Emre-Leo. Von der Schule hat er jetzt erst einmal alles Notwendige bekommen. "Aber meine Schultasche ist auch verbrannt", fügt er an, ebenso wie seine Spielsachen.

Nach Brand steht Familie von Emre-Leo vor dem Nichts - wo sollen sie wohnen?

Alles im Erdgeschoss ist verwüstet, auf dem Tisch stehen noch angesengte Mandarinen. "Wo ist denn die Lampe?", fragt der Zwölfjährige seine Mutter. "Alles verbrannt, das siehst du doch." Das Haus hat Mustafa gekauft, 2012 ist die Familie eingezogen. In Bad Königshofen leben die Kocamaz seit 2004. "Bad Königshofen ist unsere Heimat, hier sind wir zu Hause", sagt Leyla.

Wo können sie bis dahin wohnen? Noch bis Donnerstag ist das in der Wohnung der Eltern von Leyla möglich, weil diese zurzeit in der Türkei sind. Am Donnerstag kommen sie zurück. "Dann müssen wir sehen, wo wir unterkommen."

Die Familie erwähnt dabei die vielen hilfsbereiten Menschen, die ihnen übergangsweise am Tag des Brandes eine Unterkunft angeboten hatten. Bis das Haus wieder bewohnbar ist, dauert es wohl Monate, sagt der Vertreter der Versicherung, der ebenfalls eine Brandstiftung vermutet.

Weiter laufen muss auch das Geschäft im City-Dönerhaus am Marktplatz in Bad Königshofen, das sich im ehemaligen Café Mauer befindet. "Wir müssen jetzt mal sehen, wie es weiter geht", sagt die Familie.