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Weißenburger wird nach Ice-Tigers-Spiel unverhofft zum Notfallseelsorger - "Ist mir so nachgegangen"


Autor: Isabel Schaffner

Nürnberg, Montag, 07. November 2022

Kevin Berns wurde nach einem Eishockey-Spiel der Nürnberg Ice Tigers unverhofft zum Notfallseelsorger. Während ein Mann reanimiert werden musste, kümmerte sich der Weißenburger kurzerhand um die geschockte Frau des Patienten.
An der Rettung von Franz Svidran waren mehrere Ice-Tigers-Fans aus Franken beteiligt. So auch ein Weißenburger.


  • Weißenburger erlebt Reanimation nach Ice-Tigers-Spiel in Frankfurt mit
  • "Weinte bitterlichst": Kevin Berns wird zum Notfallseelsorger der Ehefrau
  • "Regt mich total auf": Neugierige Gaffer sorgen bei Helfer für Kopfschütteln
  • Sohn des Patienten sucht weiterhin nach Lebensretterin

Eishockey-Fan Kevin Berns aus Weißenburg besuchte am Freitag (21. Oktober 2022) ein Spiel der Nürnberg Ice Tigers gegen die Löwen in Frankfurt. Auch der 75-jährige Franz Svidran aus der hessischen Stadt Erlensee war unter den Zuschauern - er erlitt auf der Rückfahrt an der Ratswegbrücke (A661) einen schweren Herzinfarkt. Mehrere Menschen kamen ihm zu Hilfe - darunter Berns, der Tage später mit dem Sohn des Patienten in Kontakt treten konnte.

"Mir wurde selbst ganz anders": Weißenburger wird Zeuge von dramatischem Notfall

"Als ich mit dem Auto an dem Baustellenbereich vorbeikam, waren bereits mehrere Leute da. Ein Mann lief zu mir ans Auto und fragte, ob ich Ersthelfer-Kenntnisse habe, sie bräuchten Unterstützung", führt Berns im Gespräch mit inFranken.de aus. "Im Hintergrund sah ich, dass jemand reanimiert wurde." Berns sei selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr und wisse über die Anstrengung einer Reanimation. Er habe den Helfern daher angeboten, sie abzulösen, doch diese hätten es bevorzugt, mit der Maßnahme selbst fortzufahren. 

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So habe er zwei Decken geholt und diese "den anderen Ice-Tigers-Fans als Sichtschutz für die ganzen Gaffer in die Hand gedrückt". Berns habe dann die Ehefrau von Franz Svidran stehen sehen. "Sie weinte bitterlichst, sodass mir selbst ganz anders wurde." Bei der Feuerwehr habe er einmal eine Notfallseelsorge-Ausbildung gemacht. "So versuchte ich mich bestmöglich, um die Ehefrau zu kümmern."

Er habe sie in den Arm genommen und damit ihre Sicht zu dem dramatischen Geschehnis verdeckt. Knappe zehn Minuten habe er beruhigend und verständnisvoll mit ihr gesprochen, bis Rettungsdienst und Feuerwehr eintrafen, schätzt er. Nachdem er sich von der Frau gelöst und sich bei den Einsatzkräften abgemeldet hatte, habe er beim Wegfahren gesehen, dass der Krankenwagen losgefahren sei. Vor allem der Gedanke, dass die aufgelöste Ehefrau vielleicht nicht mitfahren konnte, habe Berns emotional mitgenommen. 

Sohn des 75-Jährigen fliegt an Unglückstag in Urlaub - und findet später mehrere Helfer

"Mir ist es so nachgegangen und ich hatte die Bilder lange danach im Kopf", so der Familienvater. Den Ausgang - wie es dem 75-Jährigen nach der Reanimation ging, ob er überlebt hatte - habe er nicht gekannt. Am 30. Oktober machte sich indes der Sohn des Seniors auf Facebook auf die Suche nach den Retter*innen seines Vaters. "Ich selbst war nicht dabei. Ich bin an diesem Freitag in Urlaub geflogen und erfuhr es erst am Samstagmorgen. Daraufhin reiste ich wieder zurück", erklärt Stephan Svidran inFranken.de.

Kevin Berns wiederum sei Dank eines anderen Ice-Tigers-Fans auf Svidrans Post aufmerksam geworden. "Aus den Kommentaren las ich heraus, dass es seinem Vater wohl wieder besser geht", sagt der Weißenburger. Nach dem künstlichen Koma und einem mehrtägigen Aufenthalt auf der Intensivstation sei er inzwischen auf die Überwachungsstation verlegt worden und auf dem Weg der Besserung, bestätigt sein Sohn.

Durch den Aufruf konnten sich dieser und der Weißenburger schließlich in Verbindung setzen. "Meine Mutter hat die Aufgabe übernommen, sich um den Dank bei den Helfern zu kümmern", berichtet Stephan Svidran. Zwei weitere Franken, die Helfer aus den Autos zu Hilfe gerufen hatten, habe die Familie ebenfalls ausfindig gemacht. Nur die wahre Lebensretterin, eine Krankenschwester mit Frankfurter Kennzeichen, habe sich noch nicht gemeldet.

"Regt mich total auf": Neugierige Gaffer sorgen bei Helfer für Kopfschütteln

Kevin Berns ist froh, dass Franz Svidran geholfen werden konnte. Doch er ärgert sich noch immer über die respektlosen Gaffer, deren Autos sich infolge des Herzinfarkts aufgestaut hätten. Ein Vorbeifahrender habe ihn sogar aus dem Auto rufend gefragt, was passiert sei. "Das regt mich total auf. Man kann selbst auch mal in solch einer Notsituation sein", so der Weißenburger zum Schluss.

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