Nach umstrittenem Videobeweis: Der Club verliert auch in Mainz - Zrelaks Tor aberkannt

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Ein Tor, das keines sein durfte: Adam Zrelak (Mitte) war um eine Fußspitze im Abseits, bevor er den Ball am Mainzer Torwart Florian Müller in den Kasten lenkte. Es wäre keine klare Fehlentscheidung gewesen, wenn der Treffer gezählt hätte, aber der Videoassistent griff trotzdem ein. Foto: Heiko Becker
Ein Tor, das keines sein durfte: Adam Zrelak (Mitte) war um eine Fußspitze im Abseits, bevor er den Ball am Mainzer Torwart Florian Müller in den Kasten lenkte. Es wäre keine klare Fehlentscheidung gewesen, wenn der Treffer gezählt hätte, aber der Videoassistent griff trotzdem ein. Foto: Heiko Becker

Die umstrittene Aberkennung des Führungstors leitet die bittere 1:2-Niederlage des 1. FC Nürnberg in Mainz ein. Trainer Köllner kritisiert das Eingreifen des Videoassistenten. Dass der Club wesentlich stärker ist als zuletzt, bleibt ohne Lohn.

Noch nie war der 1. FC Nürnberg in dieser Bundesliga-Saison auswärts in Führung gegangen. In Mainz schien es in der 62. Spielminute endlich so weit zu sein: Tim Leibold nutzte einen Fehlschlag von Daniel Brosinski zu einer flachen Hereingabe, die Adam Zrelak gekonnt zum 2:1 für den Club verwertete. Der Ball lag danach schon am Anstoßkreis und die Spieler wollten weitermachen, doch mittlerweile hatte sich Videoassistent Marco Fritz bei Schiedsrichter Bastian Dankert gemeldet.

Befreiender Führungstreffer nach zweimütiger Unterbrechung zurückgenommen

Geschlagene zwei Minuten dauerte die Entscheidungsfindung, dann nahm Dankert, der selbst nicht zum Monitor gegangen war, den Treffer wegen Abseits zurück.

"Das Tor wirkte wie ein Brustlöser für uns, aber der Umschwung nach zwei Minuten war dann brutal", sagte Torwart Christian Mathenia, nachdem der FCN das Spiel noch bitter mit 1:2 (1:1) verloren hatte. Das angebotene Videobild zeigte trotz der zwei eingeblendeten Linien erst in erheblicher Vergrößerung, dass Zrelak um eine Fußspitze vor seinem Mainzer Gegenspieler in den Strafraum gelaufen war. Also Abseits. Doch Club-Trainer Michael Köllner monierte zurecht, dass der Zeitpunkt des Abspiels nicht gleichzeitig zu sehen und die Beweisführung so nicht komplett war.

Vor allem aber verstieß Schiri Fritz im Kölner Videokeller übereifrig gegen die mittlerweile ausgegebene Linie, dass der Videoschiedsrichter nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen solle.

Spieler und Trainer echauffieren sich über Videobeweis

"Wenn etwas mit menschlichem Auge nicht zu erkennen ist, dann ist das für mich keine Fehlentscheidung", sagte Köllner. Er ist grundsätzlich kein Freund des Videobeweises. Und er wird auch keiner mehr werden.Pech und widrige Umstände konnte der Aufsteiger in dieser Saison noch selten geltend machen, aber in Mainz war es durch das aberkannte Führungstor so. Verteidiger Enrico Valentini, der den 1:1-Ausgleich durch Georg Margreitters wuchtigen Kopfball per Eckstoß vorbereitet hatte (43.), war besonders emotional angefasst: "Wir wurden beraubt heute!"

Die Leistungssteigerung gegenüber dem 1:3 zum Rückrundenauftakt gegen Berlin war klar ersichtlich, der mit Zrelak und Palacios anstelle von Ishak und Löwen angetretene Tabellenletzte gestaltete die Partie gegen die klar favorisierten Hausherren offen. Kämpferisch war der Auftritt erstklassig, spielerisch und taktisch mit Einschränkungen sehr ordentlich für eine seit Monaten erfolglose Mannschaft.

Club zeit Moral nach Rückstand - Videobeweis bringt Mainz zurück

Den ersten Genickschlag hatte der Club noch weggesteckt. Kapitän Hanno Behrens verursachte einen Strafstoß, als ihm der Klärungsversuch gegen den aus dem 16-Meter-Raum hinauslaufenden Aaron missglückte. Und Brosinski verwandelte sicher zur frühen Mainzer Führung (12.). Ansonsten tat Behrens als eine Art Quarterback vor der Abwehr viel dafür, dass der Club das Zentrum gut verdichtete und Mainz erst in der 58. Spielminute zur ersten herausgespielten Torchance kam. Mit langen Bällen hinter die Mainzer Abwehr sorgte Nürnberg selbst für Gefahr, aber die letzte Genauigkeit dieser Pässe fehlte. Trotzdem war der Ausgleich zur Pause verdient. Mit Wiederbeginn nahm die Hektik zu, wurde Mainz gefährlicher. Aber erst "nach dem Videobeweis war das Momentum auf unserer Seite", sagte der Mainzer Trainer Sandro Schwarz. Das Siegtor der 05er leitete Nürnbergs Leibold ein, der im Mittelfeld den Ball verlor. Wie Pierre Kunde, Brosinksi und der zentral abschließende Robin Quaison das dann in höchstem Tempo nutzten (73.), sei "einfach perfekt gespielt" gewesen, erkannte Köllner an.

Köllner sitzt trotzdem weiter fest im Sattel

Während Kollege Breitenreiter in Hannover gehen musste, wackelt Köllners Stuhl weiter nicht. "Es geht darum, nie den Glauben zu verlieren, bis nichts mehr geht. Das macht die Mannschaft in hervorragender Art und Weise und das Trainerteam trägt seinen Teil dazu bei", lobte Andreas Bornemann. Ob der Sportvorstand bis Donnerstagabend, wenn die Transferperiode endet, wenigstens einen Neuzugang präsentieren kann, ließ er offen. Gerüchte gibt es um den ehemaligen Fürther und Hamburger Ivo Ilicevic (32). Aber es ist doch ziemlich fraglich, ob der Club einen Außenstürmer brauchen kann, der zuletzt in Kasachstan kickte und seit einem halben Jahr vereinslos ist.

Quo vadis FCN?

Weiter Tabellenletzter, nun mit sechs Niederlagen in Folge und seit 13 Spielen ohne Sieg - wie geht es weiter? "Wir haben heute eine Mannschaft gesehen, die ihr letztes Hemd gegeben hat. Das müssen wir jetzt jede Woche bringen", forderte Torwart Mathenia. Das Heimspiel gegen Bremen soll nun zum Dreier führen.Der sonst stets um das Positive bemühte Köllner verabschiedete sich von den Journalisten in Mainz, natürlich unter dem Eindruck des aberkannten Tores, mit einem nachdenklichen Satz: "Wenn ich die Widrigkeiten umschiffen kann, ist das mit nichts zu vergleichen, was ich je in meinem Leben geschafft habe."