Der Forchheimer Landtagsabgeordnete Sebastian Körber (FDP) hat gemeinsam mit einem Rechercheteam von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung brisante Vorwürfe rund um überteuerte Mieten für das Nürnberger Zukunftsmuseum und eine großzügige Parteienspende an die CSU ins Rollen gebracht. Im Zentrum der Kritik dürfte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stehen.

Markus Söder ist nicht nur überzeugter Nürnberg-Fan. Markus Söder ist auch begeisterter Science-Fiction-Anhänger. Noch als Finanzminister könnte Söder auch ohne Enterprise & Co. fast von selbst auf die Idee gekommen sein, seiner alten Heimatstadt ein neues Zukunftsmuseum zu schenken.  Die Zukunft konnte nicht schnell genug beginnen. „Nürnberg mit München auf Augenhöhe bringen“ könnte der Arbeitstitel zu dieser Star-Trek-Folge gelautet haben. Zur Erinnerung: Söder hat damals noch Fleißkärtchen im Kampf um die Seehofer-Nachfolge sammeln müssen. Das Streben nach höheren Sphären könnte dem politischen Superhelden jetzt auf die Füße fallen.

Söder in der Kritik: Umstrittene Geldflüsse bei Museumsbau

Ein fleißiger Landtagsabgeordneter aus Forchheim in Oberfranken hat sich die Vereinbarungen rund um das Zukunftsmuseum in Nürnberg in den letzten zwei Monaten ganz genau angesehen. Gemeinsam mit einem Rechercheteam von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ist der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber auf zahlreiche Ungereimtheiten wie völlig überhöhte Mietpreise rund um das Zukunftsmuseum gestoßen. Außerdem sollen Unterlagen belegen, dass der Vermieter und Nutznießer des angeblich völlig überteuerten Immobiliengeschäfts eine Großspende in Höhe von rund 45.000 Euro ausgerechnet an die CSU von Markus Söder überwiesen haben soll.  Unter der Überschrift „Umstrittene Geldflüsse bei Museumsbau – Markus Söder in der Kritik“ hat am Freitagabend sogar die „Tagesschau“ groß über den Fall berichtet.

Für die grüne Landtagsabgeordnete Verena Osgyan aus Nürnberg sind die Vorwürfe nicht neu.  Bereits 2017 habe Osgyan die horrenden Mietkosten im Landtag kritisiert. „Für das Geld hätte der Freistaat das Museum selber bauen können“, ist sich die grüne Landtagsabgeordnete noch heute sicher und erklärt, dass die Kosten für das Zukunftsmuseum immer weiter auf am Ende rund 100 Millionen Euro explodiert sind. Neben der Anschubfinanzierung für das Projekt in Höhe von knapp 30 Millionen Euro hat besonders der lange Mietvertrag über 25 Jahre und der relativ hohe Mietpreis von jährlich knapp drei Millionen Euro für Aufsehen gesorgt.

Das Beste ist für Söder wohl eben gerade gut genug gewesen. Die Wahl des Museumsstandortes soll damals schnell auf den neuen Augustinerhof gefallen sein. Dort ist mit Gerd Schmelzer der wohl schillerndste Immobilienunternehmer aus der alten Reichsstadt seinerzeit gerade dabei gewesen, auf einem Filetgrundstück in der Altstadt große Architektur zu verwirklichen. Söder wäre wohl nicht Söder, wenn er diese Chance damals nicht genutzt hätte. Ein Zukunftsmuseum für die Altstadt – eine bessere Schlagzeile hätte sich Söder kaum erträumen können. Zumal die Wege in Nürnberg denkbar kurz sind. 
Gerd Schmelzer geht noch heute als Lebensgefährte der amtierenden CSU-Kulturbürgermeisterin Julia Lehner im Rathaus praktisch ein und aus.

Söder weiß nichts von Spende des Baulöwen

Mit seiner Unternehmensgruppe „Alpha“ ist Schmelzer ein großer Player auf dem Nürnberger Häusermarkt. Sogar sein Bruder ist im lukrativen Immobiliengeschäft tätig und dürfte mit dem Freistaat bereits als Mieter des Nürnberger Heimatministeriums beste Erfahrungen gemacht haben. Auch die Eröffnung eines Heimatministeriums in seiner Heimatstadt ist selbstverständlich eine Söder-Idee gewesen, mit der er sich und seine politischen Ambitionen ins Scheinwerferlicht gerückt hat. Vor dem nahenden Ende der Merkel-Ära werden dem Star-Trek-Fan aus Franken erneut Aufbrüche in neue Galaxien nachgesagt. Gut denkbar, dass sich nun die ganze Republik kurz vor der geplanten Eröffnung für Söders Zukunftsmuseum im Augustinerhof brennend interessieren wird.  Söder hat unterdessen mitgeteilt, von der Spende des Baulöwen nichts gewusst zu haben. Schmelzer soll seinerseits darauf verwiesen haben, dass seine Parteienspende mit dem lukrativen Museumsdeal nichts zu tun habe.