• Schwabacherin macht sich Trödeln zum "Vollzeitjob" - und nimmt mindestens 250.000 Euro ein
  • Kriegskindernothilfe, Lebenshilfe, Tafel: Lachmann spendet gesamten Erlös
  • Ehemann schwer krank - mit Weihnachtsflohmarkt beendet sie regelmäßigen Verkauf

Es ist eine erhebliche Summe, die Marianne Lachmann aus Schwabach in den vergangenen 28 Jahren durch den Verkauf von Trödel eingenommen hat. Den Gewinn von geschätzten 250.000 Euro nicht für eigene Zwecke zu nutzen, ist nicht für jeden selbstverständlich. "Für mich ist es normal", sagt sie im Gespräch mit inFranken.de. Mit 70 Jahren beendet sie nun ihren "Vollzeitjob" und startete am 1. Advent noch einen erfolgreichen Weihnachtsverkauf im eigenen Hof.

Schwabacherin widmet Leben dem Spenden an Bedürftige - und räumt ganze Häuser aus

Eigentlich begleite sie das Thema schon ihr ganzes Leben lang. Bereits ihre Mutter habe Päckchen für die DDR gepackt oder Klamotten nach Polen geschickt. "So bin ich da hineingeraten. Die Nachbarn brachten mir immer Klamotten und fragten, ob ich sie gebrauchen könne. Diese habe ich dann Bedürftigen weitergeben", erinnert sich die ehemalige Stadträtin und Messdienerin. Durch die Kriegskindernothilfe während des Bosnienkriegs habe sie diese Tätigkeit dann ausgeweitet. 

Elf Jahre lang habe sie sich für die Nothilfe engagiert, die von dem Rother Pfarrer Theophil Steuer gegründet wurde. "Wir hatten 7,5-Tonner vor der Kirche stehen und sie beladen. Öfen, Öl und Mehl seien damals häufige Spenden gewesen. "Es war gigantisch, eine Welle von Hilfsbereitschaft", berichtet sie leidenschaftlich. "So ging es von Woche zu Woche weiter und ist schließlich zur Lebensaufgabe geworden, von früh bis spät."

Im Laufe der Zeit habe sie sich als beliebte Adresse für ausgediente Dinge etabliert. "Die Leute kamen und meinten, 'nehmen Sie noch was? Wir haben so viele Sachen.'" Die Schwabacherin habe sich so auch durch einige Wohnungsauflösungen gearbeitet. "Oft habe ich den Schlüssel bekommen, um ein ganzes Haus auszuräumen. So kamen mal 1000 Euro für die Lebenshilfe zusammen", nennt sie als Beispiel.

"War nie im Urlaub" - so genügsam lebt das Ehepaar

"Es war nicht zu stoppen. Letztlich waren mein Mann und ich jedes Wochenende im Umkreis von 40 Kilometern auf dem Flohmarkt. Die ganze Woche über kamen Anrufe, dann habe ich die Dinge durchgeschaut, sortiert und den Jeep vollgeladen." Schubkarren, Putzeimer, Möbel und Co. - ein elfstöckiges Hochhaus lasse sich nach Schätzungen Lachmanns mit den verkauften Dingen aus den vergangenen Jahren füllen.

Für sich selbst habe das Paar keine Notwendigkeit gesehen, die Erlöse zu verwenden. "Ich war nie im Urlaub und ich brauche mein Geld nicht dafür. Uns reichen Fahrradausflüge." Doch ihr Mann sei inzwischen schwer krank und mit 70 Jahren wolle sie jetzt das Trödeln im Akkord beenden. 

Am Sonntag (27. November 2022) veranstaltete sie aber noch einen Weihnachtsverkauf auf dem eigenen Grundstück. "Die Tafel braucht Geld. Sie wird immer weniger und schlechter versorgt", so ihre Motivation. 20 bis 40 Leute hätten Weihnachtsdeko, Spielzeuge und andere Artikel bei ihr abgegeben. 1400 Euro seien an dem Tag zusammengekommen.

Lachmanns Haus selbst sei übersichtlich gefüllt. "Ich hänge an nichts", sagt die Schwabacherin und sieht die Chance, als gutes Beispiel auf andere zu wirken. "Man soll sein Licht für andere leuchten lassen. So mancher sagt dann vielleicht: 'Ah, das könnte ich auch mal machen.' Und dann hat man schon wieder viel gewonnen." Sie selbst werde sich in Zukunft sicher weitere Spendenaktionen ausdenken.

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