Internetvideo beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft: Ein über die sozialen Medien verbreitetes Video sorgt seit Wochen für gehörigen Wirbel. In ihm behauptet eine Frau, dass unweit von Nürnberg ein russischer Mann von drei Flüchtlingen aus der Ukraine erstochen worden sei. Der Vorfall soll sich demnach zehn Kilometer von der Frankenmetropole entfernt abgespielt haben. Von der mutmaßlichen Tat habe sie von einem guten Freund aus Nürnberg erfahren.

Laut der offenbar selbst russischstämmigen Frau, die in die Kamera spricht, zögen zudem Männer in Düsseldorf von Tür zu Tür, um Russen zu ermorden. inFranken.de hat bei der Polizei Mittelfranken nachgefragt und die Beamten um eine Einschätzung des knapp dreiminütigen Clips gebeten, der seit Mitte April unter anderem bei Facebook und Whatsapp geteilt worden ist. 

Polizei äußert sich zu Video über angeblichen Mord bei Nürnberg: "Keine derartigen Vorfälle polizeilich bekannt"

Der Polizei zufolge haben die Ermittler Kenntnis von der zweifelhaften Aufnahme. "Dem Polizeipräsidium Mittelfranken ist das besagte Video bekannt", erklärt Kriminalhauptkommissar Michael Petzold, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, am Montag (23. Mai 2022) inFranken.de. Ihm zufolge haben die für Staatsschutzdelikte zuständigen Fachkommissariate bereits entsprechende Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Bei den im Video geschilderten Vorfällen handelt es sich indes allen Anschein nach um Falschbehauptungen. Der Mordfall ist demzufolge frei erfunden. Denn: "Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Mittelfranken sind keine derartigen Vorfälle polizeilich bekannt", betont Petzold. "Hätten sich derart schwere Straftaten ereignet, wären diese von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken in gewohnter Art und Weise an die Öffentlichkeit kommuniziert worden."

Handelt es sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs also um eine gezielte Fake-News-Aktion von prorussischer Seite? Inwieweit der kurze Videoclip womöglich zu Propagandazwecken eingesetzt worden ist, ist gleichwohl noch nicht bekannt. "Welche Motivation bei der Erstellung dieses Videos zugrunde liegt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen und kann derzeit nicht beantwortet werden", teilt Polizeisprecher Petzold mit. 

Wer ist die Frau aus dem Video? Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf

Nach Angaben des Kriminalhauptkommissars obliegen die Ermittlungen inzwischen der Staatsanwaltschaft. "Die zuständigen Fachkommissariate für Staatsschutzdelikte haben mit Bekanntwerden des Videos die Ermittlungen zur Klärung der Identität der Urheberin aufgenommen", erklärt Petzold. "Das Ermittlungsverfahren wurde bereits an die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth abgegeben."

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