An der Windschutzscheibe klebt die Kamera. Das rote Lämpchen leuchtet. Phil fährt den Kleinwagen, Fabio sitzt daneben auf dem Beifahrersitz. Das Kinoauge hat die jungen Männer mit der Vorliebe für Hackfleisch-Bratlinge im Brötchen fest im Blick. Alles ist angerichtet. Die beiden Burger-Tester aus Nürnberg sind bereit für das nächste Test-Essen. Die Show kann beginnen.

Fabio schraubt seine Stimme eine Oktave tiefer und begrüßt die Zuschauer zu einer neuen Folge von "Reingehauen". Dabei rollt er das "R" wie einer dieser Ansager im Boxring. Dann reiben sich die beiden genüsslich die Plauze, schließen verträumt die Augen und brummen voller Vorfreude auf die anstehende Nahrungsaufnahme laut "mmmmh". Den Trick mit dem immer gleichen Anfang haben sich die zwei Vorkoster mit der Videokamera von den Fernsehprofis abgeschaut. Dadurch bekommt der Film ein Gesicht. Medienleute nennen das Format. Und das haben die beiden "Foodtester" aus Franken unbedingt.



Auf die Idee mit den lustigen Internet-Videos als Burger-Kritiker sind die beiden Freunde, die sich schon seit Schulzeiten kennen, an einem stinknormalen Freitagabend gekommen. "Wir hatten Hunger. Wie wollten was essen", erinnert sich der 28-jährige Phil und lacht. Die Frage lautete nur: Wo sollen die Kerle sich an ihrem "Buddy-Abend" (neudeutsch aus dem Amerikanischen für Jungsabend) die Bäuche vollschlagen? Die normalen Fließband-Frittenbuden hatten die Kumpels satt. "Wir wollten was neues entdecken", erinnert sich Phil.

Im Internet fanden die Freunde keine appetitanregenden Hinweise. Dafür haben sie gesehen, dass viele Amerikaner im Netz zu filmenden Restaurantkritikern mutieren. "Warum macht das keiner bei uns?", haben sich die beiden Freunde gefragt und die Idee zur Netz-Serie "Reingehauen" entwickelt. Lustig, unterhaltsam und informativ sollten die Streifen aus Franken werden. Dafür mussten sie das Rezept der Yankees ein bisschen verfeinern.



Wenn das Auto zum Drehort wird

"In Amerika bleiben die Burger-Tester meistens die ganze Zeit im Auto hocken", sagt Phil und erklärt, dass dieses Verhalten wohl ursächlich mit der dortigen Abneigung gegen Bewegung und mit der Vorliebe für Autoschalter zu tun habe. So fußfaul sind Fabio und Phil freilich nicht. Sie machen sich die Mühe, ihren Hintern aus dem Auto zu bugsieren, um die qualitativ hochwertigen Burger zu verputzen. Die Sache mit dem Auto hat trotzdem seine Vorteile. "Das ist wie ein kleines Fernsehstudio", ist sich Phil sicher und schwärmt von der tollen Tonqualität in der rollenden Sprachkabine.



Im Gegensatz zu "echten Kritikern" stehen die Burger-Tester von "Reingehauen" nicht auf Standpauken und Verrisse. "Uns interessiert nicht, ob das Fleisch genau auf den Punkt gebraten war", betont Phil und beichtet weiter. "Wir sind ganz normale Typen, die Hunger haben." Ihr Vorteil: Sie haben eine Kamera dabei. Und sie sind witzig. "Wir fragen uns immer: Fühle ich mich da wohl?" Wenn es ihnen in einem Laden nicht gefällt, packen die beiden ihre Kamera ein und fahren hungrig wieder nach Hause. "Wir gehen nur dahin, wo es uns gut geht."
Bald haben die beiden die meisten Burger-Läden in Nürnberg durch. "Zum Glück machen immer neue Läden auf. Burger sind einfach extrem angesagt", freut sich der 28-Jährige, der im wahren Leben eine Ausbildung zum Mediendesigner absolviert.

Falls es jemanden interessiert: Reich werden die beiden Freunde mit ihren "Foodreviews" (Restaurantkritiken) übrigens nicht. "Wir bekommen etwa einen Euro für tausend Klicks", bringt Phil das schwierige Geschäftsmodell auf den Punkt. "Wir waren einmal total happy, als wir zwei Euro von Youtube bekommen haben." Gewonnen haben die beiden Freunde freilich trotzdem schon eine Menge. Mittlerweile laden ambitionierte Burger-Brater die Foodtester zum Testessen mit der Kamera ein. So lernen sie immer neue Leute kennen. Sogar weibliche Fans hat die appetitanregende Netz-Serie mittlerweile. Jeden Freitag versuchen die beiden eine neue Folge ins Netz zu stellen. Knapp 1.000 Abonnenten erreichen sie mit ihren Videos. Mit der Zeit ziehen sich immer mehr Leute die kalorienreichen Filmchen rein. Das motiviert und spornt zu neuen Taten an. Mittlerweile testen die beiden auch schon mal ein Schnitzel. In Salatbars, sind sich Fabio und Phil sicher, werden sie sich wohl allerdings nie verirren. "Wir haben eine schwere Vitamin-Allergie", behaupten sie felsenfest und freuen sich auf den nächsten, fettigen Freitag.