Der Streit über den künftigen Betrieb der Nürnberger S-Bahn geht in die nächste und wohl letzte Instanz: Der bisherige Betreiber DB Regio zieht vor das Oberlandesgericht. Man habe dort Beschwerde gegen die jüngste Entscheidung der Vergabekammer Südbayern zugunsten der britischen National Express Rail (NX) eingelegt, teilte das Bahn-Unternehmen am Mittwoch mit.

Die Vergabekammer hatte zuletzt einen Nachprüfungsantrag der DB Regio im Vergabeverfahren als unbegründet zurückgewiesen. An der Absicht, den Briten den Zuschlag zu erteilen, sei nichts auszusetzen, hieß es zur Begründung. Von 2018 an soll damit erstmals ein Privatunternehmen ein großes regionales S-Bahn-Netz in Deutschland mit jährlich rund 20 Millionen Fahrgästen betreiben, zunächst bis 2030. Das Netz erstreckt sich durch Mittelfranken und Teile von Oberfranken und der Oberpfalz.

Die Vergabe des Nürnberger S-Bahn-Netzes sorgt schon seit eineinhalb Jahren für Streit. Anfang 2015 hatte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) den Betrieb überraschend an das britische Unternehmen NX vergeben. Seitdem geht die unterlegene Deutsche Bahn (DB) gegen die Entscheidung vor. Im Dezember 2015 stellte die DB Regio bei der Vergabekammer, die bei der Regierung von Oberbayern angesiedelt ist, den Antrag, die Vergabe des Netzes an die Briten nochmals zu prüfen. Zuvor hatte das Oberlandesgericht München verfügt, dass vor einem Zuschlag die finanzielle Leistungsfähigkeit der deutschen Tochtergesellschaft von NX geprüft werden müsse.

Die DB Regio meldet daran nun Zweifel an. "Wir sind der Auffassung, dass die Vorgaben des OLG München nicht geklärt wurden", erklärte der Vorsitzende der Regionalleitung der DB Regio Bayern, Hansrüdiger Fritz. "Daher haben wir uns entschlossen, eine Entscheidung des OLG München zu beantragen." Er hoffe auf eine endgültige Klärung im Herbst. "Es geht um unsere 450 Mitarbeiter in Nürnberg. Wir wollen nichts unversucht lassen, um ihre Arbeitsplätze zu sichern."