Der Tiergarten Nürnberg will eine seltene Laubbaum-Art vor dem Aussterben bewahren. Die letzten zehn, in freier Natur wachsenden Exemplare der Hohenester Mehlbeere (Sorbus hohenesteri) befinden sich nach Angaben der Stadt Nürnberg auf einer Felskuppe bei Forchheim in Oberfranken. Nun soll der bis zu fünf Meter hohe Laubbbaum im Tiergarten angesiedelt werden.

Ihre gesamte Population umfasst gerade einmal zehn Exemplare auf einer Fläche von vier Quadratkilometern. Der Populationstrend ist nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN abnehmend, schreibt die Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung. "Was also liegt näher, als dieser hochbedrohten Art im Tiergarten der Stadt Nürnberg Platz zu verschaffen?"

Tiergarten schützt bedrohte heimische Baumarten: Die Mehlbeere

Unterstützt werde der Zoo dabei vom Botanischen Garten der Friedrich-
Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), teilte die Stadt am Donnerstag (29.07.2021) mit. Im Botanischen Garten würden seltene Arten gezüchtet, um ihren Bestand zu sichern. Insgesamt bietet der Zoo dann sechs bedrohten Mehlbeer-Arten einen Standort.

Die Hohenester Mehlbeere ist ein eher kleiner, unscheinbarer und nur ein bis fünf Meter hoher Laubbaum. Sein winziges Verbreitungsgebiet liegt östlich des oberfränkischen Forchheim. Die Hohenester Mehlbeere wurde erst 1992 „entdeckt“ und von Norbert Meyer wissenschaftlich beschrieben. 

Die Mehlbeeren haben gegenüber Zuchtprogrammen für Tiere den großen Vorteil, dass sie sich ungeschlechtlich vermehren und ihre Samen auch ohne Befruchtung keimfähig sind. Dabei tragen die Nachkommen exakt dieselben Erbinformationen wie ihr Mutterbaum. Pflanzen, die sich so fortpflanzen, nennt man Apomikten. So kann auch ein einzelner Baum einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt seiner Art leisten.

Die Hohenester Mehlbeere (Sorbus hohenesteri) gibt es nur noch extrem selten

Mehlbeeren benötigen viel Licht und sind aufgrund ihrer geringen Wuchshöhe gegenüber größer werdenden Arten nicht konkurrenzfähig.  Früher wurden Arten wie die Mehlbeere durch die Bewirtschaftung der Wälder als sogenannte Nieder- und Mittelwälder gefördert. Die Bäume wurden regelmäßig „auf den Stock gesetzt“, also abgeschnitten, um Brennholz zu gewinnen. Dadurch wurden größere, die Mehlbeeren überragende Bäume beseitigt und es kam wieder Licht bis zum Boden.

Durch Veränderungen in der Energieversorgung und Forstwirtschaft verlor diese Form der Waldnutzung jedoch an Bedeutung. Heutzutage gibt es bei uns nur noch kleine Reste von Nieder- und Mittelwäldern, die jedoch wegen ihrer hohen Strukturvielfalt und Biodiversität durch staatliche Naturschutzprogramme gefördert werden.

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