Nürnberg
Nach Zugausfall

"Sollte doch entlasten": Student mit 9-Euro-Ticket hat ersten Praktikumstag - und muss teuren ICE buchen

Eigentlich wollte ein 20-jähriger Student aus dem Raum Nürnberg mit dem 9-Euro-Ticket zu seiner Praktikumsstelle fahren. Doch sein Regionalzug fiel aus. Darf er in diesem Fall ohne Aufpreis den ICE nutzen?
Nürnberg: Student mit 9-Euro-Ticket muss teuren ICE buchen - Frust am ersten Praktikumstag
Ein 20-jähriger Student erlebte seinen ersten 9-Euro-Ticket-Frust bereits am Mittwochmorgen (1. Juni 2022). Foto: Collage inFranken.de: Friso Gentsch/dpa ; StockSnap/Pixabay
  • Nürnberg: Student mit 9-Euro-Ticket muss kurzfristig ICE buchen 
  • Regionalzug fällt aus - am ersten Tag des Praktikums in München
  • "Sollte doch entlasten": Lebensgefährtin seines Vaters empört
  • Bahn verweist auf gesetzliche Fahrgastrechte - das gilt bei Ausfällen 

Danuta Harpeniuk ist verärgert. "Da kriegt man ein schlechtes Gefühl gleich kurz nach der Einführung", sagt sie mit Blick auf das 9-Euro-Ticket, das seit Mittwoch (1. Juni 2022) in ganz Deutschland im Regionalverkehr gilt. Just an diesem Vormittag hatte der Sohn ihres Lebensgefährten, ein 20-jähriger Student aus dem Raum Nürnberg seinen ersten Praktikumstag in München. Doch am Nürnberger Hauptbahnhof wartete ein frustrierendes Erlebnis auf den jungen Mann. 

"Bleibt im Regen stehen": Empörung nach Zugausfall - keine Entschädigung wegen 9-Euro-Ticket? 

"Der Regionalzug um kurz nach 6 Uhr war die einzige Möglichkeit für ihn als Pendler, rechtzeitig zu erscheinen. Der nächste Zug wäre dort erst über eine Stunde später angekommen. Und am ersten Praktikumstag will man auf keinen Fall zu spät sein", erzählt Harpeniuk gegenüber inFranken.de. Doch dann fällt der Regionalexpress aus, der Student sieht sich nach Harpeniuks Schilderung in der App um. 

Die einzige Möglichkeit, um rechtzeitig in München zu sein, sei der Schnellzug gewesen. "Er musste natürlich ein ICE-Ticket kaufen", sagt sie. In der App habe er gelesen, dass eine Erstattung für den ausgefallenen Zug wegen des 9-Euro-Tickets nicht möglich sei. Für Harpeniuk ein Unding. 

"So bleibt man dann im Regen stehen", ärgert sie sich. "Das trifft auch wieder die, die es eigentlich nötig hätten, wie Studenten und Auszubildende oder Rentner", findet sie. Denn: "Studenten haben ja nicht so viel. Und es sollte doch entlasten", gibt sie zu bedenken. Der 20-Jährige habe sich sehr auf das 9-Euro-Ticket gefreut - bedeute es für ihn doch finanzielle Erleichterung. Aber sind die Regeln hier wirklich so strikt?

Bahn gibt wichtigen Hinweis: Mit 9-Euro-Ticket ICE nutzen? Nürnberger Student bekommt Ticket erstattet

Auf Anfrage von inFranken.de bestätigt die Bahn, dass es wegen des 9-Euro-Tickets de facto keine Entschädigungen für Zugausfälle gebe. "Wir möchten darauf hinweisen, dass bei Zeitkarten eine Fahrgeldentschädigung von maximal 25 Prozent des Fahrkartenwerts geleistet wird", erläutert ein Sprecher die aktuellen Regelungen. Dies entspreche beim 9-Euro-Ticket einem Wert von 2,25 Euro, heißt es. "Der Gesetzgeber sieht allerdings vor, dass eine Entschädigung erst ab einem Wert von vier Euro gezahlt wird", so der Bahn-Sprecher.

Heißt: Auf eine Entschädigung können Fahrgäste, deren Regionalzüge aktuell ausfallen, nicht hoffen. Aber wie sieht es mit der Nutzung von Schnellzügen wie ICEs aus - rein praktisch die sinnvollste Lösung? Hier gibt es eine Regelung, die vielen wohl unbekannt sein dürfte. "Für Zugausfälle und Verspätungen gelten die gesetzlichen Fahrgastrechte", so der Sprecher der Bahn.

"Im Falle von Zugverspätungen oder Zugausfällen von Nahverkehrszügen, die zu einer Verspätung am Zielbahnhof von mindestens 20 Minuten führen, haben Reisende mit 9-Euro-Ticket das Recht, auch einen Fernverkehrszug zu nutzen", heißt es. "Hierfür ist zunächst eine Fernverkehrsfahrkarte zu erwerben." Die Fahrkosten würden "im Nachgang durch das Service-Center Fahrgastrechte erstattet". Der Student aus Nürnberg kann sich sein teuer gekauftes Ticket also erstatten lassen - eine wichtige Information für alle 9-Euro-Ticket-Nutzer, die mit der Günstig-Karte pendeln oder Termine wahrnehmen wollen.