Nürnberg: SPD-Kandidat äußert sich nach Kritik an N-Wort-Kampagne
Autor: Ellen Schneider
Nürnberg, Mittwoch, 21. Januar 2026
Die Diskussionen um das Wahlplakat eines OB-Kandidaten in Franken halten an. Gegenüber inFranken.de äußert er sich zu den Hintergründen.
Zur Oberbürgermeisterwahl trifft für die SPD in Nürnberg der Poltiker Nasser Ahmed an. Schon seit Tagen sorgt seine Wahlkampagne jedoch für Diskussionen. "Mein N-Wort ist Nürnberg" ist auf einem riesigen Wahlplakat zu lesen, das derzeit am Karl-Bröger-Haus in Nürnberg hängt.
Vor allem im Netz erntet der SPD-Poltiiker dafür überwiegend Kritik. "Das ist wohl ein schlechter Scherz?" und "Habe gerade davon erfahren und bin entsetzt über diese Kampagne!" ist etwa in den Kommentaren unter dem entsprechenden Instagram-Post des Oberbürgermeister-Kandidaten zu lesen. Auch der aktuelle Nürnberger OB, Marcus König (CSU), bekommt immer wieder Kritik zu hören. Er stellte sich den Kritikern zuletzt in einem Video entgegen.
Wahl zum Oberbürgermeister: Nürnberger SPD-Kandidat irritiert mit Plakat
Gegenüber inFranken.de äußerte sich Ahmed zu der Aktion. Er erklärt: "Ich bin ein Mensch mit Migrationshintergrund. Ich bin schwarz. Und ja, ich weiß, was das N-Wort bedeutet – in seiner rassistischen Verwendung. Aber ich lasse nicht zu, dass meine Identität durch Ausgrenzung definiert wird. Meine Identität wird durch meine Heimat definiert: Nürnberg. Das ist mein N-Wort."
Die Botschaft auf dem Plakat sei daher für ihn klar: "Ich stehe für ein Nürnberg der Chancen. Für eine Stadt, in der Menschen sich eine Wohnung leisten können, in der es gute Schulen für alle gibt. Für ein Nürnberg, in dem Menschen sich unabhängig von Geldbeutel, Herkunft und Hindernissen entfalten können."
Das Plakat sorge zwar im Netz für Diskussionen, aber in Nürnberg selbst – auf der Straße, an Infoständen, in persönlichen Gesprächen auch mit vielen Menschen aus der schwarzen Community – sei die Resonanz positiv. "Die Menschen verstehen die Botschaft: Nürnberg ist unsere gemeinsame Heimat, und ich kämpfe dafür, dass alle in dieser Stadt eine Chance bekommen, dass Nürnberg für alle bezahlbar und lebenswert bleibt. Genau darum geht es bei dieser Wahl: Kosten runter, Chancen rauf."
"Mein N-Wort ist Nürnberg": Kampagne als Reaktion auf "rechtsextremen Hass und Hetze"
Gegenüber News5 erklärte Ahmed zudem: Seit er als Oberbürgermeisterkandidat angetreten sei, habe er viel positives Feedback erhalten aber auch "rechtsextremen Hass und Hetze" erfahren. "Es vergeht kein Monat, in dem mir nicht das N-Wort an den Kopf geworfen wird", berichtet der SPD-Politiker. Die Eltern des OB-Kandidaten stammen aus Eritrea, er selbst ist in Nürnberg geboren. Würde Ahmed zum Oberbürgermeister gewählt werden, wäre er damit der erste schwarze Oberbürgermeister in Deutschland.
Gina Hitsch, Content Creatorin und Bildungsreferentin sieht die Kampagne dennoch kritisch. Sie erklärt im Netz: "Du kannst nicht als Individuum das N-Wort reclaimen. Sowas passiert im Kollektiv." Die Kampagne könne zudem für Betroffene retraumisierend und ein Freifahrtschein für Leute sein, die das N-Wort künftig mit dieser Rechtfertigung nutzen. "Jetzt können sie einfach sagen 'hä ich meine Nürnberg'", erklärt Hitsch.