• Nürnberg/Röthenbach: Diehl soll schwere Waffen für Ukraine liefern 
  • Scholz will Iris-T-Raketen von Rüstungskonzern Diehl Defence ordern
  • "Modernstes Flugabwehrsystem des Landes": Das kann die fränkische "Wunderwaffe"
  • "Bundesregierung muss entscheiden": Unternehmen äußert sich zu Vorhaben

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat im Rahmen der Haushaltsdebatte des Bundestags am heutigen Mittwoch (1. Juni 2021) eine überraschende Ankündigung gemacht. Scholz will der Ukraine jetzt doch die schweren Waffen liefern, die das Land nach Aussagen der Selenskyj-Regierung so dringend benötigt, um Putins Armee zu besiegen. Dabei hat der Sozialdemokrat Franken in den Blick genommen - von dort stammt das "modernste Flugabwehrsystem des Landes", wie er dieses im Parlament nannte.  

Iris-T-Raketen für die Ukraine: Das steckt hinter der fränkischen "Wunderwaffe"

Gemeint ist Diehl, das Nürnberger Traditionsunternehmen, das mit seinem Rüstungskonzern Diehl Defence unter anderem eine große Produktionsstätte in Röthenbach an der Pegnitz (Nürnberger Land) betreibt. Diehl Defence soll künftig sogenannte Iris-T-Raketen in das Land im Osten liefern. Das Luftabwehrsystem Iris-T SLM ermöglicht Diehl Defence zufolge Schutz vor Angriffen durch Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und ballistische Kurzstreckenraketen.

Nach Angaben von Außenministerin Annalena Baerbock werde die Lieferung an die Ukraine mehrere Monate dauern. Der zunächst als Bewaffnung für Kampfflieger wie den Eurofighter entwickelte Luft-Luft-Lenkflugkörper Iris-T kann mit einer Abschussanlage auch vom Boden aus zum Einsatz kommen.

Diehl produziert zudem die Boden-Luft-Variante Iris-T SL, die über einen stärkeren Antrieb verfügt und dem Hersteller zufolge Ziele in bis zu 40 Kilometern Entfernung treffen kann.

Diehl in Röthenbach: Vermarktung von Spike-Raketen und Mega-Produktion

Die Raketen werden senkrecht gestartet und können so in alle Richtungen abgefeuert werden.  Aktuell entwickelt Diehl zudem das System Iris-T SLX, um eine größere Reichweite abzudecken. Dann sollen Ziele von bis zu 80 Kilometern Entfernung und bis zu 30 Kilometern Höhe erreicht werden können.

Auf Anfrage von inFranken.de zeigt sich, dass wohl noch kein konkreter Auftrag an das fränkische Unternehmen vorliegt. Man könne "lediglich mitteilen, dass zum Thema, das Kanzler Scholz heute im Bundestag angesprochen hat, die Bundesregierung entscheiden muss", heißt es knapp. 

In Röthenbach betreibt Diehl Defence neben dem Produktionsstandort auch eine Unternehmenskooperation mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall und einem israelischen Waffenproduzenten unter dem Namen "Eurospike", die nach eigenen Angaben Spike-Raketen, das sind äußerst gefragte Panzerabwehrlenkwaffen, an die meisten NATO-Mitgliedsstaaten verkauft.