Nach Messerattacke im ICE von Regensburg nach Nürnberg: "Es war ein dramatisches Erlebnis", sagt Ludwig Faust über den Tag, als ein Mann im ICE nach Nürnberg unvermittelt vier Menschen mit einem Messer angegriffen hat. Faust saß zu diesem Zeitpunkt selbst in dem Zug und spricht mit inFranken.de darüber, wie er den Tag erlebt hat.

"Wir waren als Gruppe vom Regensburger Presseclub auf dem Weg nach Nürnberg ins Zukunftsmuseum", erzählt Faust. Die Gruppe war gerade eine viertel Stunde unterwegs, "als plötzlich viele Menschen schreiend an uns vorbei nach vorne gelaufen sind. Es sei ein Messerstecher im Zug, der ihnen folge."

Messerattacke im ICE nach Nürnberg: "Er kommt nicht an uns vorbei!"

Fausts erste Reaktion war die Suche nach seiner Frau. "Die war zufällig weiter hinten im Zug unterwegs." Als er sie in Sicherheit gefunden hatte, lief Faust weiter zum Abteil, in dem das letzte der insgesamt vier Opfer des Messerstechers war. Der Täter hat vier Männer mit einem Messer angegriffen und dem letzten von ihnen in den Körper gestochen. Einen detaillierten Bericht zur Tat gibt es hier.

Mit einer Gruppe von weiteren Personen besetzte Faust den Platz, "einer aus der Gruppe hat Erste Hilfe geleistet. 'Der Täter kommt hier nicht vorbei', hieß es, damit nicht noch mehr passiert." Faust hatte nach eigenem Bekunden Glück: Schon kurze Zeit später traf die Polizei am Bahnhof Seubersdorf ein, wo der ICE notfallmäßig gehalten hatte. "Der Täter hatte sich wohl in einem Abteil verschanzt oder wurde eingesperrt."

"Ich habe ihn noch schreien hören", berichtet Faust von der Festnahme. "Die Polizei konnte den Messerstecher dann überwältigen und verhaften." Danach habe die Polizei den Zug durchsucht, auf die Gefahr hin, dass sich eine zweite oder dritte gefährliche Person noch im ICE befinden könnten. "Wir waren nach wie vor in höchster Alarmbereitschaft."

"Nicht jeder verkraftet das" - Passagiere verharren drei Stunden im Zug

Dass sich noch weitere Täter im ICE befanden, habe sich zum Glück nicht bestätigt. Die Polizei konnte den Messerstecher schnell festnehmen. "Und dann hieß es: Warten", sagt Faust. Drei Stunden lang mussten die Passagiere im Zug verharren, bis sie von der Polizei einzeln aus dem Haus und in ein anliegendes Wirtshaus geführt wurden.

"Das war schon ein dramatisches Erlebnis", hält Faust fest. "Nicht jeder verkraftet das ohne weiteres. In unserer Gruppe ging es allen einigermaßen ok. Aber wenn man sich vorstellt, man steht irgendwo und plötzlich sticht irgendjemand ohne erkennbaren Grund auf dich ein. Wir waren schon alle betroffen." Aus der Gruppe sei jedoch glücklicherweise niemand verletzt oder bedroht worden.

Insgesamt sei alles recht schnell gegangen: "Von schreienden, flüchtenden Menschen bis die Polizei dann im Zug war sind vielleicht 15 bis 20 Minuten vergangen", so Faust. Welches Motiv der Täter verfolgte, ist noch nicht aufgeklärt worden, derzeit laufen allerdings Ermittlungen in verschiedenen Teilen des Landes. Derweil hat der Haftrichter die Unterbringung des Täters in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.