• Nürnberg: Anwohnerin schildert Szenen nach tödlicher Schießerei 
  • "Haben erst an Silvesterböller gedacht": Zeugin wird durch Knalle aufgeschreckt
  • "So etwas haben wir noch nicht erlebt": Ehepaar nach Verbrechen vor Haustür geschockt
  • Nürnbergerin verspürt zunehmende Angst im Viertel - "wird immer schlimmer hier"

Am Montagabend (24. Oktober 2022) hat es im Nürnberger Stadtteil Galgenhof gegen 20 Uhr eine Schießerei gegeben, bei der ein Mann schwer verletzt wurde und ein Mann kurze Zeit später verstarb. Nach der blutigen Tat sind Ladenbetreiber und die Anwohnerschaft schockiert. Eine Anwohnerin saß mit ihrem Mann in der Wohnung, als sie plötzlich Schüsse hörte, wie sie gegenüber inFranken.de erzählt. 

Nürnberger Anwohnerin wird von Schießerei aufgeschreckt - "an Silvesterböller gedacht"

"Wir haben erst an Silvesterböller gedacht", beschreibt sie die Situation. "Aber es kam mir irgendwie komisch vor, dass jemand dort Böller zündet. Also bin ich zum Fenster gegangen und hab rausgeschaut", erzählt die Nürnbergerin. "Dann habe ich gesehen, dass ein Mann auf dem Gehsteig zusammengebrochen ist." Daraufhin habe sie sofort die Polizei angerufen. 

"Noch während ich telefoniert habe, war die Polizei auch schon vor Ort." Als die Schießerei stattgefunden habe, sei die Straße sehr belebt gewesen, "das ist hier fast immer der Fall", so die Anwohnerin. "Viele Leute waren da und wollten helfen." Gleichzeitig seien "mit einem Mal 20 bis 30 Männer aufgetaucht, die sich aber auch schnell wieder verflüchtigt haben."

Dass vor ihrer eigenen Haustür eine Schießerei stattfindet, habe sie "den ganzen Abend über schockiert", sagt die Anwohnerin. "Es wurde bei uns mal jemand totgefahren, aber so etwas mit Schüssen haben wir noch nie erlebt". Seit 1980 lebe das Ehepaar in der Wohnung. 

"Sind in der Bronx": Ehepaar fühlt sich in der Nürnberger Südstadt nicht mehr sicher 

Doch die Situation im Viertel habe sich stark verändert und mache ihr große Sorgen, sagt die Anwohnerin. "Ich habe mittlerweile immer Angst, wenn ich in der Südstadt unterwegs bin. Abends traue ich mich nicht mehr raus und alleine schon gar nicht." Aus diesem Grund sei sie nach der Schießerei auch in ihrer Wohnung geblieben und habe den Einsatz vom Fenster aus beobachtet. "Es sind immer viele Leute im Pulk unterwegs, wir sagen immer wieder, wir sind ja in der Bronx", sagt sie mit einem resignierten Lachen.

"Früher hat es hier noch verschiedene Geschäfte gegeben, aber mittlerweile ist alles voller Imbisse, Friseure und Spielcasinos. Es wird immer schlimmer", so ihre Wahrnehmung. "Viele Männer sitzen den ganzen Tag lang in der Kneipe, ich frage mich regelmäßig, wo sie ihr Geld herbekommen." Eine andere Einschätzung zu diesem Thema vertritt ein leitender Angestellter des Fotostudios Krals. Hier fielen am Montagabend die tödlichen Schüsse, allerdings hatte das Studio bereits geschlossen.

Er habe erst durch die sozialen Medien von dem Verbrechen erfahren, so der Mann, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte. "Ich habe heute Nacht lange wachgelegen, weil es natürlich sehr wehtut, dass vor unserem Laden ein Mensch gestorben ist, das ist schrecklich." Angst verspüre er in der Nürnberger Südstadt aber nicht. "Ich denke, das kann einfach überall passieren. Und weil es ja allem Anschein nach eine Sache unter den Beteiligten war, sehe ich auch unsere Kunden und uns hier nicht in Gefahr", so seine Überzeugung. 

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