• Gesetzentwurf zum Infektionsschutzgesetz bringt Nürnberger Kinderarzt in Rage
  • Verdacht auf Corona soll ärztliches Urteil erfordern
  • Berufsverband schreibt Brandbrief an Bundestag: "hochproblematische Benachteiligung"
  • Für Eltern sei Nachricht "der blanke Horror"

Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes bringt aktuell das Blut vieler Kinderärztinnen und -ärzte zum Kochen. "Die Kinderärzte sind alle auf 180", sagt der Nürnberger Kinderarzt und stellvertretender Vorsitzender des Paednetz Mittelfranken e.V. Wolfgang Landendörfer im Gespräch mit inFranken.de. Aus Sicht der Mediziner und Medizinerinnen sei zukünftig eine ärztliche Bestätigung notwendig, wenn nur der Verdacht bestehe, dass ein Kind an Corona erkrankt sein könnte, damit es Gemeinschaftseinrichtungen besuchen darf.

Kinderärzte schreiben Corona-Brandbrief an Bundestag - Nürnberger Arzt sieht "staatlich verordnetes Wegsperren"

Auslöser der Sorge des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.: "eine auf den ersten Blick harmlos wirkende Erweiterung eines Kataloges von Erkrankungen, die im §34 Infektionsschutzgesetz zu finden ist", wie es in einer Mitteilung heißt. Dort werde künftig auch Covid-19 genannt. Der Verband verfasste daraufhin einen Brandbrief an den Bundestag und betont hierin mögliche Folgen: "Ein Kind wird unter Umständen auch im Falle einer banalen, aber 'verdächtigen' Erkältung so lange nicht in Kita oder Schule gehen können, bis Corona ausgeschlossen ist." Auch nach einer Corona-Infektion sei nach der Interpretation des Verbands nur noch eine ärztliche Bestätigung der Freibrief für den Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen.

Dies stelle eine "hochproblematische Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen" dar, habe die Vergangenheit doch gezeigt, dass Kinder keine Pandemietreiber seien, so Landendörfers Sicht. Man könne diese Verschärfung medizinisch-infektiologisch nicht begründen. "Wir vermissen die Lernkurve der Politik, was die Interessen der Familien und Kinder anbelangt", erklärt der Arzt inFranken.de.

"Ich sehe hier ein staatlich verordnetes Wegsperren von Kindern, das die Grundrechte von Familien erneut massiv einschränkt. Denken Sie an das anstehende Oktoberfest, zu dem die Erwachsenen ohne Testung und ohne Maske bierselig die Coronaviren ins Festzelt hinausgrölen dürfen", schreibt er in einem Brief an "seine" Eltern.

"Zeitraubende Bürokratie" und Arbeitsausfälle befürchtet - Kinderärzte appellieren an Ampel-Koalition

Für diese sei die Nachricht "der blanke Horror". Wie der Berufsverband prophezeit, würden die Eltern "in der Regel einen zusätzlichen Tag der Arbeit fernbleiben müssen, weil sie ihr Kind betreuen und mit ihm zum Kinder- und Jugendarzt müssen". Diese sehen sich mit "neuer, zeitraubender Bürokratie" konfrontiert. "Statt mit unseren Patientinnen und Patienten werden wir uns mit dem Verfassen von schriftlichen Attesten befassen müssen", fügt der Berufsverband in seinem Brandbrief hinzu.

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Überdies seien diese Leistungen, bei denen es nicht um eine tatsächlich benötigte Hilfe für ein krankes Kind geht, nicht im Zuständigkeitsbereich der Ärzte und Ärtzinnen, sondern des Gesundheitsamts, schildert Landendörfer. Bereits jetzt habe er einen 12-Stunden-Tag und beteuert, wie viel die Kinder- und Jugendärzt*innen während der Pandemie abgefangen hätten. Er befürchtet, dass der Gesetzentwurf - ist er einmal formuliert worden - einfach durchgewunken werde.

Der Protestbrief an den Bundestag sei aber ein wichtiger Schritt. "Wir bitten Sie dringend, diese unsinnige und hochbürokratische Regelung nicht umzusetzen", wird dieser beendet. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Appelle Wirkung zeigen.

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