•  Nürnberg: 67-Jähriger nach Doppelmord zu lebenslanger Haft verurteilt
  • Ibrahim D. verdächtigte Ehefrau einer neuen Beziehung 
  • "Ehrenmord": Mann schoss Frau vor Augen ihres Sohnes in den Kopf
  • Bekannten im Taxi getötet: Ibrahim D. hielt Opfer für neuen Liebhaber

In Nürnberg ist am Donnerstag (9. Dezember 2021) vor dem Landgericht das Urteil gegen den Tatverdächtigen eines Doppelmordes vom November 2020 gefallen. Ibrahim D. wurde wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, das Gericht stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Hintergrund der Tat war, wie das Gericht bestätigt sah, dass der 67-Jährige aus Eifersucht seine Ehefrau und einen Bekannten erschoss, weil Ibrahim D. ihn für ihren neuen Liebhaber hielt. 

Ibrahim D. ermordete Ehefrau in Nürnberg vor den Augen des gemeinsamen Sohnes

Am 21. November 2021 hatten Zeugen der Polizei gegen 10.45 Uhr Schüsse in der Nürnberger Bibertstraße im Stadtteil Gebersdorf gemeldet. Dort hatte eine Streife der Polizeiinspektion Nürnberg-West eine 63-Jährige gefunden, die leblos auf der Straße lag.

In unmittelbarer Nähe zu der Toten wurde in einem geparkten Taxi ein ebenfalls 62-jähriger Mann auf dem Fahrersitz gefunden. Beide wiesen Schussverletzungen auf, auch eine Pistole wurde in der Nähe des Tatorts gefunden. Die Polizei traf auch Ibrahim D. in der Nähe an, der am selben Tag als Tatverdächtiger festgenommen wurde und schließlich in Untersuchungshaft kam. 

Bei seiner Festnahme hatte der 67-Jährige laut Polizei keinen Widerstand geleistet. Seit Jahren lebte Ibrahim D. damals nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden von seiner Ehefrau getrennt, als er sie an diesem Morgen im November 2020 vor den Augen des gemeinsamen Sohnes mit einem Kopfschuss auf offener Straße tötete. Laut der späteren Anklage hatte er aber gehofft, dass sie irgendwann zu ihm zurückkehre. Nach seiner Überzeugung habe seine Frau keine neue Beziehung eingehen dürfen und ihn und die beiden gemeinsamen Söhne dadurch entehrt.

Ehefrau lag nach Schuss am Boden - sie lebte noch, dann zielte er auf ihren Kopf

Der aus der Türkei stammende Taxifahrer, das sah das Gericht zum Prozessende als erwiesen an, habe den Doppelmord aus Eifersucht begangen. Das zweite Opfer, den 62-jährigen Bekannten, habe er in dessen Taxi erschossen, weil er ihn für den neuen Liebhaber seiner Ehefrau hielt. 

Nach Ansicht des Gerichts war Ibrahim D. am 21. November 2020 in das Taxi des Bekannten gestiegen und mit ihm gemeinsam zum Haus seiner Ehefrau gefahren. Dort rief er diese an, und sie stieg zu den Männern ins Taxi. Als die Frau zurück zum Haus ging, feuerte er mit einer Pistole von hinten auf sie.

Sie ging zu Boden, lebte aber noch. Dann drehte er sich um und erschoss den Bekannten auf dem Fahrersitz des Taxis. Danach ging er zu der Frau zurück und tötete sie mit einem gezielten Kopfschuss - vor den Augen des gemeinsamen Sohnes, der aus dem Haus kam. 

"Besondere Schwere der Schuld": Wann kommt der Doppelmörder wieder frei?

Der 67-Jährige hatte die Tat vor Gericht gestanden, als Motiv aber einen Streit angegeben. Die Kammer sah das anders: Der Angeklagte sei der Überzeugung gewesen, dass seine Frau ihn und die beiden gemeinsamen Söhne durch die vermeintliche Beziehung entehre, hieß es in der Urteilsbegründung.

Wie Gerichtssprecher Friedrich Weitner im Anschluss an den Prozess gegenüber News5 erklärte, habe Ibrahim D. aus Sicht der Justiz jedoch aus "Gesinnung" gehandelt, in einem weiteren Pressestatement im Regional-TV sprach Weitner von einem "Ehrenmord".

"Nach 15 Jahren, wenn zum ersten Mal eine Entlassung überhaupt beantragt werden könnte, muss nochmal geprüft werden, ob nicht diese besondere Schwere der Schuld immer noch einer Entlassung entgegensteht", erklärte Weitner bei News5. 

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