Nürnberger Religionsgemeinschaften mit Corona-Banner-Aktion: Eine gemeinsame Banner-Aktion an über 40 Nürnberger Kirchen, Moscheen, Gebets- und Gemeindehäusern sowie ein eigens gestalteter zentraler Gedenkort am Klarissenplatz soll die nächsten Wochen an die zahlreichen Opfer der Corona-Pandemie erinnern. Startpunkt ist Sonntag, 18. April 2021, an dem das Gedenken des Bundespräsidenten für die Opfer der Pandemie stattfindet. Das teilt der Rat der Religionen Nürnberg mit.

Der Rat der Religionen der Stadt Nürnberg, dem gegenwärtig 16 Mitgliedsgemeinschaften aus verschiedenen Weltreligionen angehören, trägt gemeinsam mit der Stadt Nürnberg und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Nürnberg dieses Corona-Gedenken. Mit der Aktion sollen „dezentral und zentral“ Orte zum Innehalten geschaffen werden.

Nürnberg: Gedenkort für Corona-Tote am Neuen Museum 

Zentrales Kunstwerk Kubus am Klarissenplatz in Nürnberg:  Sichtbare spirituelle Mitte ist ein minimalistisch gestalteter Würfel am Klarissenplatz vor dem Neuen Museum, der hier zeitlich befristet aufgestellt wird. Der 3x3 Meter große begehbare Kubus hat innen eine Platte, die Symbole sowie Trostsprüche der Religionen zieren: Blumen und Kerzen können dort über die nächsten Wochen und Monate hingelegt werden. Geplant ist auch, dass Nürnberger Religionsgemeinschaften dort regelmäßig kurze Andachten halten.

Dezentral: Banner „Corona hat uns alle getroffen“. Parallel dazu werden an mehr als 40 religiösen Orten der Stadt - Kirchen, Synagoge, Moscheen, Gebetshäuser - einheitliche großformatige Banner angebracht. Unter der Überschrift „Corona hat uns alle getroffen“ wird so über ganz Nürnberg verteilt an die Verstorbenen der Pandemie erinnert, aber gezielt auch an deren zahlreiche andere Opfer: Vereinsamte, Überforderte und Arbeitslose etwa, sowie jene, die sich dem entgegenstemmen: Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende. Wo möglich, sollen die gastgebenden Religionsgemeinschaft in oder an ihren Gebetshäusern einen besonderen Platz zu Trauer und Gebet einrichten. Ausliegende Papierbögen können später zu einem religionsüberspannenden Kondolenzbuch zusammengetragen werden.

Bewusst möchte der Rat der Religionen auf diese Weise dezentrale und zentrale Elemente zusammenbinden: Vertraute Orte der Andacht in den vielen Stadtteilen Nürnbergs, von der Kirche in Behringersdorf bis zur DITIB-Moschee in Gibitzenhof, armenische Christen ebenso wie türkische Muslime, Juden, Lutheraner, Katholiken und Reformierte. Sie alle teilen durch die Pandemie hindurch ähnliche Erfahrungen: Sie haben Freunde und Angehörige verloren und konnten sich oft nicht angemessen verabschieden, leben seit mehr als einem Jahr mit Einschränkungen, bis an die Grenze belastet in Beruf und Familie, mit finanziellen Sorgen, teils ohne Perspektive.

Nürnberger Corona-Tote: "Räume für das Loslassen"

Am minimalistischen Würfel am Klarissenplatz verdichtet sich dies symbolisch: ein stiller Ort an einem stillen Platz im Herzen der Nürnberger Altstadt unweit des Bahnhofs. Das Projekt schafft Orte der Trauer, möchte aber ebenso auch Räume für das Loslassen eröffnen und Trost erfahren lassen. Der Nürnberger Rat der Religionen setzt mit diesem Projekt ein Zeichen, dass alle Menschen in dieser Situation zusammenstehen und ihr gemeinsam in Respekt und Solidarität begegnen.

Eine noch zu terminierende zentrale Feier der Stadt Nürnberg (voraussichtlich im Sommer) unter Einbeziehung verschiedener spiritueller Traditionen soll Zielpunkt des Gedenkens werden.