Nürnberg
Unternehmen von Gas abhängig

"Mit Sicherheit für ein Jahr stillgelegt": Chef von Traditionsbetrieb schildert dramatisches Szenario bei Gasmangel

Der Nürnberger Traditionsbetrieb Wiegel Feuerferzinken zählt zu den energieintensiven Unternehmen. Für die Verzinkung von Baugerüsten und Co. ist so viel Gas pro Tag nötig, wie ein Einfamilienhaushalt im Jahr benötigt. Dementsprechend groß ist die Sorge vor einem Gasmangel.
Nürnberg: Verzinkerei von Gaskrise gefährdet - "mit weniger kommen wir nicht zurecht"
Zink zu schmelzen, benötigt viel Energie. Wiegel Feuerverzinken aus Nürnberg müsste mit weniger Gas eine zentrale Leistung für lange Zeit einstellen. Foto: Wiegel Feuerverzinken
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  • Nürnberg: Traditionsbetrieb Wiegel Feuerverzinken stark von Gas abhängig
  • "Mit weniger kommen wir nicht zurecht": Zink muss 365 Tage im Jahr flüssig bleiben
  • Gasmangel könnte Fabrikanlagen zerstören
  • "Ist gefordert": Chef mit Forderung zu Ukraine-Krieg an Politik 

Das Unternehmen Wiegel Feuerverzinken mit Stammsitz in Nürnberg hat Standorte in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei. Das Verzinken von Baugerüsten, Gartentoren oder Beleuchtungsmasten gegen Korrosion stellt eine zentrale Leistung dar, ist aber extrem energieintensiv. Eine Verringerung der Gaszufuhr könnte den Betrieb empfindlich treffen.

Nürnberger Verzinkerei-Unternehmen von großer Menge Gas abhängig - 20.000 Kilowattstunden pro Tag

Eine Zinkschicht mache Stahl langlebiger. In einer überdimensionalen Badewanne - wie etwa am Standort Breitengüßbach bei Bamberg - würden 220 Tonnen flüssiges Zink gefüllt. "Dieses Zink muss immer flüssig bleiben. Über die Lebenszeit eines Verzinkungskessels von mindestens sieben bis acht Jahren ist das Material 365 Tage im Jahr flüssig", macht Geschäftsführer Harald Füchtenbusch gegenüber inFranken.de deutlich.

Zink werde ab 419 Grad flüssig und Wiegel arbeite bei einer Temperatur von 450 Grad mit dem Metall. Der Prozess werde zu 100 Prozent mit Erdgas betrieben. Um eine Tonne zu verzinken, benötige ein Betrieb 450 Kilowattstunden. Mit 45 Tonnen am Standort Breitengüßbach kämen am Tag 20.000 Kilowattstunden am Tag zusammen. "Mit weniger kommen wir nicht zurecht." Der Verzinkungsbetrieb stehe sonst still. Zwar könnte es auch mal erkalten, dies sei allerdings "ein wahnsinnig aufwendiger Prozess und könnte die Anlagentechnik zerstören", betont Füchtenbusch. 

Wenn das Gas dem Unternehmen tatsächlich "abgedreht" werde, könne das Zink zwar mit einer Woche Vorlaufzeit in kleinere Behälter gepumpt werden, um es anderweitig einzusetzen. "Dann ist aber der Betrieb mit Sicherheit für ein Jahr stillgelegt. Das bedeutet für den Standort 'Kurzarbeit null' in allen Belangen."

Chef von Wiegel Feuerverzinken mit Forderung an Politik - "ist gefordert"

Die Energiekosten hätten sich bereits teilweise um das fünf- bis sechsfache gesteigert. "Es schlägt voll rein und diese Energiepreissteigerungen am Markt umzusetzen, wird sehr schwierig", so der Geschäftsführer. Er rechne in diesem Zusammenhang mit einer rückläufigen Anfrage des Feuerverzinkens. Die weniger energieintensive Nass- oder Pulverbeschichtung würde dann wohl an Bedeutung gewinnen, wenn auch eine Verzinkung wirkungsvoller sei.

Noch sei für Wiegel die Gasversorgung absolut ausreichend. Und noch gebe es keine Anzeichen, dass die Gasmangellage eintreten werde. "Wir sind mit allen Netzbetreibern in engstem Kontakt und dann müssen im Ernstfall Abstimmungen getroffen werden. Wir brauchen einen Vorlauf von einer Woche, um massivsten wirtschaftlichen Schaden zu verhindern", schildert Füchtenbusch.

Indes habe sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, 20 Prozent Energie - beispielsweise bei der Werbebeleuchtung - einzusparen. Harald Füchtenbusch schaue mit seinem Unternehmen Wiegel Feuerverzinken positiv nach vorne, sei mit Notfallkonzepten vorbereitet, doch er hat einen klaren Wunsch an die Politik: "Die Politik ist gefordert, diesen Krieg diplomatisch und nicht mit Waffenlieferungen zu beenden."

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