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Nürnberg
Tierschicksal

Löwe Subali "darf nach Südafrika": Tiergarten Nürnberg nennt Radio-Beitrag "Ente"

"Wir haben Subali aus dem Tiergarten Nürnberg gerettet. Er darf in den ‚Drakenstein Lion Park‘ in Südafrika", erklärt Antenne Bayern am Mittwoch auf Facebook. Der Tiergarten Nürnberg dementiert sofort die Meldung. "Das ist eine Ente", sagt der Tiergarten-Chef.
 
Löwenmännchen Subali im Nürnberger Tiergarten
Tiergarten Nürnberg: Löwe "Subali" könnte getötet werden, weil er zeugungsunfähig ist. Berichte über eine Verlegung in einen Wildpark in Afrika dementierte der Tiergarten: "Das ist eine Ente." Foto: Jörg Beckmann (Tiergarten Nürnberg)/dpa
  • Radio Antenne Bayern vermeldet angebliche "Rettung" von Löwe Subali
  • Tiergarten Nürnberg dementiert auf Nachfrage sofort Meldung
  • Zoo-Chef Encke: "Der Radiobeitrag ist eine Ente"
  • Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel (SPD) nennt Meldung "reißerisch"

Radio Antenne Bayern verkündete am Mittwoch (25. November 2020), dass Löwe Subali aus dem Tiergarten Nürnberg "gerettet" worden sei. "Wir haben es geschafft!! Der Nürnberger Löwe darf nach Südafrika", heißt es in einer ersten Version des Facebookposts. Seitdem wurde der Beitrag viermal überarbeitet (Stand: 15.58 Uhr). Denn der Tiergarten Nürnberg stellte auf Nachfrage von inFranken.de klar:  "An dieser Meldung stimmt gar nichts. Subali bleibt bei uns im Tiergarten."

Update vom 25.11.2020, 15.58 Uhr: Nürnberger Bürgermeister spricht von "reißerischer Meldung"

Nach der Meldung von Antenne Bayern meldet sich nun der Nürnberger Bürgermeister, Christian Vogel (SPD), zu Wort. Er spricht von einer "reißerischen Meldung" und erklärt dazu: "Sie ist völlig falsch. Mich freut es ungemein, dass sich die Bürgerinnen und Bürger so um das Wohl unseres Löwen sorgen, weil auch mir viel an dem Löwen liegt.  Deshalb wollen wir auch ein geordnetes Vorgehen. Wir werden den bereits kommunizierten Weg beibehalten und die beiden Löwen auf ihr Hormonprofil testen und ggf. weitere Untersuchungen machen und danach gem. mit dem Arterhaltungszuchtprogramm der europäischen Zoos das weitere Vorgehen besprechen und eine Lösung für das zuchtfähige Tier suchen."

Solche "Enten" führten die Bürgerschaft in die Irre, so der Bürgermeister. Sie "helfen niemandem weiter". Sachlichkeit stehe auch bei solchen emotionalen Fragen weiter an oberster Stelle.

Update vom 25.11.2020, 12.50 Uhr: Tiergarten Nürnberg dementiert Antenne-Bayern-Meldung

Weil "Subali“ keinen Nachwuchs zeugen kann, hatte der Tiergarten Nürnberg die Tötung des Löwen in Erwägung gezogen. Nun die vermeintliche Rettung: "Wir haben Subali aus dem Tiergarten Nürnberg gerettet", postet der Münchner Radiosender Antenne Bayern am Mittwoch (25. November 2020) auf seiner Facebook-Seite. "Er darf in den ‚Drakenstein Lion Park‘ in Südafrika.“

Der Tiergarten Nürnberg ist erstaunt – und dementiert die Nachricht. "Das ist eine Ente", sagt Nicola A. Mögel, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Zoos. "An dieser Meldung stimmt gar nichts. Subali bleibt bei uns im Tiergarten."

Tiergarten Nürnberg "deutlich verärgert" über eigenmächtige Initiative von Radiosender

Inzwischen hat sich auch die Leitung des Zoos in der Angelegenheit zu Wort gemeldet. „Der Radiobeitrag ist eine Ente. Der Tiergarten plant derzeit keinen Löwentransport und es gibt zurzeit auch keine Pläne, die Situation des Löwen in Nürnberg zu verändern",  hält Tiergarten-Chef Dr. Dag Encke fest. Die Verantwortlichen des Tiergartens seien deutlich verärgert über die eigenmächtige Initiative des Radiosenders, die weder realisierbar noch notwendig sei.

"Dass das Leben des Löwen weder aktuell noch faktisch gefährdet ist, ist seit Wochen hinreichend in den Medien kommuniziert worden. Dazu bedarf es keiner weiteren Kommentare seitens des Tiergartens", so Encke weiter. "Da der Löwen dem Sender zudem nicht gehört, ist es gelinde formuliert eine juristische Anmaßung, so zu tun, als könne er entscheiden, was mit einem Tier des Tiergartens künftig zu geschehen habe und wohin es transportiert werden soll.“

Die Initiative des Radiosenders sei nicht mit den Verantwortlichen des Tiergartens der Stadt Nürnberg abgesprochen gewesen, heißt es vonseiten des Zoos. Die Aussage des Senders, dass alle Dokumente und Zertifikate für den Transfer vorlägen, könne nicht stimmen. "Alle legalen artenschutzrechtlichen Dokumente für den Löwen liegen sicher verwahrt beim legitimen Halter und den zuständigen Behörden", teilt der Tiergarten mit.

Tiergarten-Direktor: "Antenne Bayern wird dabei kein Mitspracherecht haben“

Ein legaler Transport eines Löwen von Deutschland nach Südafrika würde laut dem Tiergarten Monate der Vorbereitung in Anspruch nehmen. "Es bleibt beim bereits mehrfach kommunizierten Plan", betont die Tiergartenleitung. Demnach werde in den nächsten Monaten ein Hormonprofil der beiden Nürnberger Löwen erstellt. Im Anschluss daran würden die Ergebnisse ausgewertet und aus ihnen Schlussfolgerungen gezogen.

Daraufhin seien eventuell weitere Untersuchungen notwendig oder es werde gemeinsam mit dem Arterhaltungszuchtprogramm der europäischen Zoos eine Lösung für das zuchtfähige Tier gesucht. „Dies ist ein vollkommen normales Vorgehen in zoologischen Zuchtprogrammen von bedrohten Tieren", erklärt Tiergarten-Direktor Encke. "Antenne Bayern wird dabei kein Mitspracherecht haben.“

Update vom 07.11.2020, 16.19 Uhr: Drama um "Subali" - Zoodirektor legt nach: Schwein oder Löwe? "Sehe keinen Unterschied"

Drama um Löwe im Tiergarten Nürnberg: Der Löwe „Subali“ ist vermutlich unfruchtbar. Deshalb wird im Tiergarten Nürnberg aktuell über die Tötung des Raubtiers diskutiert. Nun hat der Zoodirektor die von ihm angestoßene Debatte verteidigt.

Er verstehe nicht, warum über Löwen anders diskutiert werde als über Nutztiere, sagte Dag Encke der Süddeutschen Zeitung (Samstag). "Ich kann darin keinen ethisch-moralischen Unterschied sehen gegenüber anderen Gründen, die wir sonst für das Töten von Tieren heranziehen. Wir essen ausschließlich junge und kerngesunde Tiere, die wir millionenfach für uns schlachten lassen. Ich sehe keinen qualitativen Unterschied, was das Leben von einem Schwein und das Leben von einem Löwen betrifft."

Wird Subali getötet, weil er unfruchtbar ist? Nürnberg hat nur Platz für zwei Löwen

In Nürnberg gebe es nur Platz für zwei Löwen, die sich dort vermehren sollen, "damit wir immer einen reproduktiven Stamm an jungen Löwen aufrechterhalten". Populationsmanagement heißt das in der Fachsprache. Seit 14 Jahren aber gebe es keine Löwenbabys, so Encke. Die junge Löwin stehe im Zuchtprogramm für ihre Art auf Rang fünf der genetisch wertvollen Tiere. Nun müsse auch untersucht werden, ob der 14 Jahre alte Subali unfruchtbar sei.

"Gesetzt den Fall, wir stellen fest, Subali ist steril, so stellt sich die Frage, wo er hinkommt. Findet sich kein Platz, stellt sich die Frage wie bei jedem Kaffernbüffel: Müssen wir das Tier töten? Oder ziehen wir uns aus der Verantwortung und warten einfach, bis das Tier aus Altersgründen stirbt?"

Es könnte sowieso ein Happy End für Subali geben: "Ich glaube übrigens auch bei Subali nicht, dass wir am Ende in die Bredouille kommen würden, das Tier wirklich töten zu müssen." Die Debatte sei aber wichtig. "Es macht offenkundig für Menschen einen Riesenunterschied, ob wir einen Kaffernbüffel töten oder einen Löwen."

Circus mit Angebot an Tiergarten Nürnberg

In der Diskussion um die Tötung von "Subali" hatte der Löwen-Dompteur Martin Lacey dem Tiergarten-Direktor ein Angebot gemacht: Der Circus Krone will das Tier übernehmen.  „Ich werde versuchen, den Löwen zu retten", sagte Lacey der "Bild"-Zeitung. Ob der Circus "Subali" jedoch übernehmen kann, steht noch nicht fest. „Erst muss das Tier untersucht werden“, erklärte der Löwen-Dompteur.  Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern meldet sich per Social Media zu Wort: „Geht’s noch?“, schreiben die Tierschützer auf Facebook. Die Empörung ist groß: „Die einen wollen Löwen einsperren und umbringen, die anderen wollen sie mit Peitschen schlagen und durchs Land karren. Lasst die Tiere in Ruhe!“ 

Und auch Peta Deutschland klinkt sich in die Diskussion ein: „Überschusstötungen“ seien gängige Praxis in Zoos. „Auch der Tiergarten Nürnberg hat über die Jahre immer wieder gesunde Tiere getötet.“ Die Tierrechtler appellieren: „Bitte fordert den Tiergarten Nürnberg auf, die Tötungspläne zu verwerfen und die Löwenzucht dauerhaft einzustellen.“ 

Der Tiergarten-Chef Dag Encke kann über die Zukunft von Subali noch keine Aussagen treffen: „Der Löwe ist noch nicht auf seine Zeugungsfähigkeit untersucht, also ist eine Übernahme, von wem auch immer, keine Option“, sagte er im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung . „Die Tötung von Tieren ist grundsätzlich ein ethisches Dilemma, das es zu klären gilt.“ 

Diskussion im Tiergarten Nürnberg: Wird Löwe „Subali“ getötet? 

Die mögliche Tötung des Löwen "Subali" wurde in der vergangenen Woche bekannt. Hintergrund: Der Nachwuchs im Nürnberger Löwengehege bleibt weiterhin aus. Deshalb diskutiert der Nürnberger Tiergarten über den Tod des Löwenmännchens. "Wir stehen hier vor einem ethischen Dilemma", sagte Zoodirektor Dag Encke am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. 

"Die Frage ist: Was machen wir, wenn ein Tier nicht zeugungsfähig ist", so Encke. Seit August 2018 lebt das Löwen-Pärchen zusammen im Nürnberger Gehege. Eine Untersuchung soll jetzt zeigen, ob eines der Tiere unfruchtbar ist. Das Weibchen "Aarany" ist jünger und "genetisch sehr wertvoll". Deshalb wird vermutet, dass das 14-jährige Männchen steril ist. 

Die Aufgabe von Zoos sei es, den Fortbestand von Arten zu sichern, betonte Encke. Weil der Platz begrenzt sei, befinde man sich in einem Dilemma, sobald ein Tier unfruchtbar ist. Zwar sei eine Vermittlung des Löwen in einen anderen Zoo möglich. Es sei allerdings fraglich, welcher Tierpark Platz für einen alten und sterilen Löwen habe. "Es ist nicht nur angenehm, im Artenschutz zu arbeiten und wir müssen die romantische Vorstellung verlassen, dass Lebensraum selbstregulierend ist", so Encke. 

Entscheidung über „Subalis“ Zukunft kann Jahre dauern 

Ob und wann der Löwe "Subali" getötet werden soll, ist unklar. "Für die Fragen des Populationsmanagements nehmen wir uns Jahre Zeit", erklärte der Zoodirektor. Zunächst soll die Zeugungsfähigkeit geklärt werden. Die Entscheidung treffen mehrere Gremien. Zum Beispiel sei ein einstimmiger Beschluss der Tierschutzkommission für eine Tötung notwendig.