Druckartikel: Leoni: Chinesen übernehmen Nürnberger Autozulieferer fast komplett

Leoni: Chinesen übernehmen Nürnberger Autozulieferer fast komplett


Autor: Ralf Welz

Nürnberg, Montag, 04. Mai 2026

Ein fränkischer Autozulieferer ist fortan nahezu komplett in chinesischer Hand. Der CEO des Traditionsunternehmens sieht durch den Deal das gegenseitige Engagement bestätigt.
Leoni-Standort im unterfränkischen Kitzingen. Der fränkische Zulieferer stellt unter anderem Bordnetze und Kabelbäume für die Autoindustrie her.


Die Nürnberger Traditionsfirma wurde 1917 gegründet, ihre Wurzeln reichen sogar bis ins Jahr 1569 zurück. Mittlerweile befindet sich der Autozulieferer Leoni in asiatischer Hand. Im September 2024 hatte der chinesische Konzern Luxshare die Mehrheit am fränkischen Kabel- und Bordnetzspezialisten erworben. Diese Beteiligung wurde nun erheblich ausgebaut. 

Laut einer Unternehmensmitteilung hat der Elektronikhersteller seinen Anteil an der Leoni AG von 50,1 Prozent auf 74,9 Prozent erhöht. Das Unternehmen erwarb demnach am Mittwoch (29. April 2026) einen weiteren Anteil von 24,8 Prozent vom bisherigen Miteigentümer Stefan Pierer. Nach Abschluss der Übernahme im Juli 2025 hält der chinesische Konzern Luxshare jetzt fast drei Viertel der Anteile am Zulieferer aus Franken. 

Leoni: Luxshare erhöht Beteiligung an Nürnberger Automobilzulieferer erheblich

Leoni ist ein globaler Anbieter im Bereich Energie- und Datenmanagement in der Automobilindustrie. Laut Eigenbeschreibung gehört das Unternehmen zu den weltweit größten Anbietern von kompletten Bordnetzsystemen und kundenspezifischen Kabelsätzen. Mit rund 86.000 Mitarbeitern in 21 Ländern erwirtschaftete der Konzern 2025 einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro.

Die Aufstockung der Luxshare-Beteiligung erfolgte im Rahmen eines sogenannten Cash-Deals. Dabei handelt es sich um eine Unternehmenstransaktion, bei der der Kaufpreis in liquiden Mitteln - also Bargeld oder Banküberweisung - beglichen wird, anstatt Aktien oder andere Wertpapiere als Gegenleistung anzubieten. Der Vorteil eines solchen Geschäftsvorgangs liegt in der schnellen, klaren Abwicklung ohne Verwässerung der Eigentumsstruktur, während der Verkäufer sofortige Liquidität erhält.

Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Verlautbarung zufolge hält Stefan Pierer nach der Transaktion noch 25,1 Prozent der Anteile an Leoni und bleibt dem Unternehmen als Miteigentümer und Berater verbunden.

"Deutliches Zeichen des Vertrauens": CEO sieht Engagement bestätigt

"Die erhöhte Beteiligung markiert den nächsten Schritt in unserer strategischen Partnerschaft mit Luxshare und ist ein deutliches Zeichen des Vertrauens in Leonis Weiterentwicklung", wird Leoni-CEO Klaus Rinnerberger in der Pressemitteilung zitiert. "Nach den seit Beginn unserer Zusammenarbeit erzielten Fortschritten bestätigt diese Transaktion unser beiderseitiges Engagement, gemeinsame Stärken auszubauen." Leoni hatte nach eigenen Angaben vor dem Einstieg von Luxshare einen operativen Turnaround vollzogen und diese Entwicklung seither fortgesetzt.

Die Leoni AG war in den vergangenen Jahren wiederholt in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Nach einem im Dezember 2022 geplatzten Verkauf der Kabel-Sparte an einen thailändischen Investor hatte sich das hoch verschuldete Unternehmen in ein Sanierungsverfahren geflüchtet. Im Jahr 2023 avancierte der österreichische Unternehmer Stefan Pierer durch ein Investment von 150 Millionen Euro zum alleinigen Gesellschafter.

Die Firma Luxshare entstand im Jahr 2004 in der chinesischen Stadt Dongguan. Der Elektronikkonzern konzipiert und produziert Kabel für Computer. Auf die Führungsstruktur von Leoni habe der jüngste Luxshare-Deal keine Auswirkungen, wie der Nürnberger Autozulieferer mitteilte. "Aus der Transaktion ergeben sich keine Änderungen für Leonis Vorstand, Geschäftsführung und Aufsichtsrat", heißt es in der Mitteilung. Auch die Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sowie bestehende Verträge seien von dem Anteilsverkauf nicht betroffen.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen