Lauf: Tätowierer testete neue Farben erfolgreich an sich selbst - jetzt droht neues Problem
Autor: Isabel Schaffner, Agentur dpa
Lauf an der Pegnitz, Montag, 21. Februar 2022
Tätowierer Jack Rebel aus Lauf musste wegen einer EU-Richtlinie neue bunte Tattoofarben bestellen und testete diese gleich erfolgreich an sich selbst. Doch seine Stimmung ist verhalten - bald könnte das nächste Verbot folgen.
- REACH-Verordnung verbietet viele Tattoofarben wegen bedenklicher Substanzen seit dem 4. Januar 2022
- Tätowierer Jack Rebel aus Lauf erhielt am 18. Januar 2022 die neuen Farben und testete sie an sich
- Farben haben Test bestanden: "Alles super"
- Befürchtung: Verbot des Blau- und Grünpigments droht 2023
Tattookünstler Jack Rebel aus Lauf litt Anfang des Jahres unter einer Flaute in seinem Terminkalender. Der Grund: Die seit dem 4. Januar 2022 geltende REACH-Verordnung weist tausende in Tattoofarben enthaltene Substanzen als potenziell gefährlich oder nicht ausreichend erforscht aus. In der gesamten Europäischen Union sind damit vor allem die gängigen bunten Tattoofarben verboten. Mit seinen neuen Farben kann er wieder wie gewohnt arbeiten, doch ein weiteres Verbot könnte bald drohen.
Update vom 21. Februar 2022, 12.30 Uhr: Tattoofarben haben Oberschenkeltest bestanden - doch Tätowierer hofft weiter auf Petition
Mitte Januar testete Tätowierer Jack Rebel aus Lauf die neuen REACH-konformen Farben noch auf seinem Oberschenkel, um Handhabung und Farbintensität zu beobachten. Für Menschen, die sich in der Tattoo-Szene auskennen, sei das normal, doch einige Leute hätten darauf belustigt reagiert. Rebel erklärt für Fachfremde: "Fast jeder Tätowierer hat so einen Oberschenkel." Über die bunten Kreise kämen auch keine neuen Motive. Daneben wäre noch Platz für kommende Tests.
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Gesundheitliche Bedenken habe Rebel keine gehabt, denn die neuen Farben erhielten weniger Konservierungsstoffe und seien ja deswegen gerade ausgetauscht worden. Es hätte nur sein können, dass die Farbe zu dünn und zu wenig intensiv ist. Doch Rebel berichtet inFranken.de nach der Testphase glücklich: "Alles ist super, wir haben überhaupt keine Probleme." Die Lage sei sogar wie zuvor. Rebel stünden nun wieder 100 Prozent seiner Farbpalette zur Verfügung.
Jetzt könnten die kurz pausierten Großprojekte weiter bearbeitet werden. Solche Projekte dauerten in der Regel zwei bis drei Jahre. Seit Freitag (11. Februar 2022) sei auch der Farbterminkalender für Herbst wieder eröffnet. Ab Herbst nehme Rebel dann wieder Einzeltermine an.
Tätowierer: 2023 droht Verbot des Blau- und Grünpigments
Doch die feierliche Stimmung im Tattoo-Studio hat einen leichten Knick: "Bedenkt aber bitte, wenn wir vor dem EU-Parlament weiterhin nicht ernst genommen werden und das Blau/Grünpigment-Verbot zum 01.01.2023 greift, geht das Spielchen von vorne wieder los", schreibt das Team in einem Facebook-Post.
Die beiden Pigmente seien noch nicht wie die anderen Farben ausgetauscht worden. Grün sei mittlerweile eigentlich unbedenklich, doch Rebel sieht vor allem bei dem Blaupigment ein Problem. "Es gibt nur ein Pigment, was gut hält und das soll verboten werden." Man brauche es auch zum Mischen für viele Farben. Sogar in Braun sei Blau enthalten.