• REACH-Verordnung verbietet viele Tattoofarben wegen bedenklicher Substanzen seit dem 4. Januar 2022
  • Tätowierer Jack Rebel aus Lauf erhielt am 18. Januar 2022 die neuen Farben und testete sie an sich
  • Farben haben Test bestanden: "Alles super"
  • Befürchtung: Verbot des Blau- und Grünpigments droht 2023

Tattookünstler Jack Rebel aus Lauf litt Anfang des Jahres unter einer Flaute in seinem Terminkalender. Der Grund: Die seit dem 4. Januar 2022 geltende REACH-Verordnung weist tausende in Tattoofarben enthaltene Substanzen als potenziell gefährlich oder nicht ausreichend erforscht aus. In der gesamten Europäischen Union sind damit vor allem die gängigen bunten Tattoofarben verboten. Mit seinen neuen Farben kann er wieder wie gewohnt arbeiten, doch ein weiteres Verbot könnte bald drohen.

Update vom 21. Februar 2022, 12.30 Uhr: Tattoofarben haben Oberschenkeltest bestanden - doch Tätowierer hofft weiter auf Petition 

Mitte Januar testete Tätowierer Jack Rebel aus Lauf die neuen REACH-konformen Farben noch auf seinem Oberschenkel, um Handhabung und Farbintensität zu beobachten. Für Menschen, die sich in der Tattoo-Szene auskennen, sei das normal, doch einige Leute hätten darauf belustigt reagiert. Rebel erklärt für Fachfremde: "Fast jeder Tätowierer hat so einen Oberschenkel." Über die bunten Kreise kämen auch keine neuen Motive. Daneben wäre noch Platz für kommende Tests. 

Gesundheitliche Bedenken habe Rebel keine gehabt, denn die neuen Farben erhielten weniger Konservierungsstoffe und seien ja deswegen gerade ausgetauscht worden. Es hätte nur sein können, dass die Farbe zu dünn und zu wenig intensiv ist. Doch Rebel berichtet inFranken.de nach der Testphase glücklich: "Alles ist super, wir haben überhaupt keine Probleme." Die Lage sei sogar wie zuvor. Rebel stünden nun wieder 100 Prozent seiner Farbpalette zur Verfügung.

Jetzt könnten die kurz pausierten Großprojekte weiter bearbeitet werden. Solche Projekte dauerten in der Regel zwei bis drei Jahre. Seit Freitag (11. Februar 2022) sei auch der Farbterminkalender für Herbst wieder eröffnet. Ab Herbst nehme Rebel dann wieder Einzeltermine an.

Tätowierer: 2023 droht Verbot des Blau- und Grünpigments

Doch die feierliche Stimmung im Tattoo-Studio hat einen leichten Knick: "Bedenkt aber bitte, wenn wir vor dem EU-Parlament weiterhin nicht ernst genommen werden und das Blau/Grünpigment-Verbot zum 01.01.2023 greift, geht das Spielchen von vorne wieder los", schreibt das Team in einem Facebook-Post.

Die beiden Pigmente seien noch nicht wie die anderen Farben ausgetauscht worden. Grün sei mittlerweile eigentlich unbedenklich, doch Rebel sieht vor allem bei dem Blaupigment ein Problem. "Es gibt nur ein Pigment, was gut hält und das soll verboten werden." Man brauche es auch zum Mischen für viele Farben. Sogar in Braun sei Blau enthalten. 

Gegen das Verbot laufe aktuell eine Petition, "doch für die interessiert sich gerade niemand". Rebel habe die Erfahrung gemacht, dass die Aufmerksamkeit dafür nur aufflamme, wenn ein Verbot akut drohe oder keine Farben zur Verfügung stünden. Er macht deutlich, dass er und seine Kolleg*innen die für die Regelungen Zuständigen derzeit einfach ihre Arbeit machen ließen, "denn es gibt einfach so viel zu tun." Rebel wolle sich für kommendes Jahr mehr auf japanische Motive konzentrieren, die er auch ohne bunte Tattoofarben stechen könne. 

Update vom 19. Januar 2022, 16.50 Uhr: Neue Tattoofarben sind da - Tätowierer wagt Selbstversuch

Aufatmen nach zwei Wochen Verzicht: Weil er hauptsächlich bunte Tattoos sticht, trifft Rebel das Farbverbot voll. Nun aber erhielt er einen ersten Teil der REACH-konformen Tattoofarben und testete sie gleich an seinem Oberschenkel. "Sie lassen sich einwandfrei einarbeiten. Sie sind wie die Farben, die wir gewohnt sind", ist sein Fazit im Gespräch mit inFranken.de. Auf Facebook teilte er seine Erfahrungen mit seinen Fans: "Nach eingängigem Selbstversuch kann ich sagen, ich bin echt begeistert." 

Doch dies gibt noch nicht gleich grünes Licht für neue Aufträge. "Es gibt drei Punkte zu beachten: Erstens, wie zufrieden ist der Tätowierer mit der Einarbeitung? Zweitens, wie verheilen die Farben? Und drittens, wie schaut die Farbe nach dem Abheilprozess aus? Wenn das alles passt, können wir ab nächste Woche Montag wieder weiter machen", erklärt er. 

Etwa ein Drittel der gewohnten Farbpalette stehe ihm momentan zur Verfügung. Die fehlenden Töne etwa aus der braunen und grünen Farbfamilie seien aber schon gelistet und warteten noch auf die Zertifizierung. Die Farbtöne durch Mischen zu erreichen, sei keine geeignete Lösung. Für größere Projekte brauche es deshalb noch etwas Geduld. "Im Laufe des nächsten Monats werden wir wahrscheinlich eine Farbpalette haben, mit der wir wieder zu hundert Prozent arbeiten können. Gerade sind wir ungefähr bei 90 Prozent." Am 13. Januar 2022 sprach inFranken.de bereits mit Rebel, der nicht nur unter dem Farbverbot litt.

Erstmeldung vom 13. Januar 2022: Tätowierer aus Lauf musste viele Projekte aufschieben

Rebel arbeitet mit zwei Kollegen in einem Tattoo-Studio. Bei einem Kollegen, der nur schwarz-weiß steche, laufe das Geschäft besser als zuvor. Der andere Kollege "mache normalerweise Farbe und Schwarz-Weiß", aber habe vor ein paar Monaten auf Schwarz-Weiß umgestellt. Ihn treffe es nur bedingt. „Mich trifft es aber leider voll“, erklärte Rebel. In zwei aufeinanderfolgenden Wochen stünden drei leere Tage in seinem Kalender. 

Als inFranken.de mit dem Tätowierer im Oktober 2021 sprach, kündigte er an, nur an den drei Weihnachtsfeiertagen Urlaub zu nehmen. Denn viele Projekte wollte er vor dem Eintritt des Verbots noch fertigstellen

Der große Kundenandrang blieb allerdings aus: "Zusätzlich kam uns die 2G-Regel in die Quere. Ein Drittel unserer Kunden durfte gar nicht zum Tätowieren kommen. Das Problem haben wir auch heute noch. Also es ist immer noch sehr schwierig." Viele alte Projekte stünden daher in der Warteschlange. "Dieses Jahr habe ich schon neue Projekte im Kalender, aber ich muss meinen Kund*innen auch versprechen können, dass neue Farbe kommt." Deshalb gelte es noch abzuwarten, bevor die ersten Linien gezogen werden.

Verbot von Grün- und Blaupigmenten droht 2023

Neben der 2G-Regel belaste Rebel und seine Kollegen auch das drohende Verbot der beiden populären Pigmente Blau15 und Grün7. Der Grund: Laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) stehen diese im Verdacht, krebserregend zu sein. "Das betrifft dann noch einmal zwei Drittel der Farben, weil Blau für fast jeden Farbton zum Anmischen gebraucht wird", erklärte der Tätowierer aus Lauf.

Um das Verbot zu verhindern, läuft derzeit eine Petition. Ob diese Erfolg hat, wird sich noch zeigen.