Nürnberg
Bräuche

Kirchweih, Rauhnächte und Bardentreffen: Diese Feste und Bräuche sind typisch für Nürnberg

Nürnberg gilt als einer der traditionellsten Orte in Bayern. Viele Jahrhunderte alte Bräuche werden auch heute noch gefeiert. Welche Bräuche besonders typisch sind, lesen sie in diesem Artikel. Von Rebecca Sauber
 
Auch für süße Leckereien ist auf der Kirchweih bestens besorgt.   Symbolfoto: Gerhard Gellinger  / Pixabay
Auch für süße Leckereien ist auf der Kirchweih bestens besorgt. Symbolfoto: Gerhard Gellinger / Pixabay

Die Entwicklung der Bräuche in Nürnberg

Nürnberg ist bekannt für seine einzigartigen Bratwürste "Drei im Weckla" und zur Weihnachszeit lassen sich viele die fantastischen Elisenlebkuchen schmecken. Auch der fränkische Dialekt gilt als Markenzeichen der Nürnberger: Bei vielen Besuchern führt dieser oft zu Verwirrungen und Kopfschütteln beziehungsweise wie man in Nürnberg sagen würde: "Allmächd!"

Neben vielen traditionellen Bräuchen, aus denen sich tolle Feste und Veranstaltungen entwickelten, haben sich mittlerweile auch neue jährliche Veranstaltungen ergeben, welche die Nürnberger und viele Touristen jedes Jahr anziehen.

Man darf natürlich nicht die große Bedeutung Nürnbergs im Mittelalter vergessen. Aus dieser Zeit stammen viele kirchliche Bräche, die jedoch mittlerweile von den Bewohnern zu zeitgemäßen Veranstaltungen umfunktioniert wurden und trotzdem als traditionelle Bräuche erhalten bleiben.

Kirchliche Bräuche in Nürnberg

Nürnberger Kirchweih

Die Nürnberger Kirchweihfeste kann man jährlich in Nürnberg und Umgebung von Mai bis Oktober besuchen. Anlässlich ihres Namenstages ehrte man im Fest der Kirchweih oder auch "Kerwa" oder "Kärwa" die Schutzheiligen. Auch heute ist es immer noch Brauch Fässer und Flaschen als Glücksbringer einzugraben oder an den diversen traditionellen Tansveranstaltungen teilzunehmen.

Der damit verbundene Jahrmarkt, bei dem es neben Fahrgeschäften auch lokale Speisen und Allzweckgegenstände zu kaufen gibt, ist der Höhepunkt der Kirchweihen. Auch wenn die Kirchweihen mittlerweile bis Mai ausgeweitet wurden, fanden die Weihfeste meistens im Herbst statt. Dies diente auch dazu den Heiligen für die Ernte zu danken. In jedem Fall sind die Kirchweihen berauschende Ereignisse, die man besuchen sollte.

Christkindlesmarkt

Der Nürnberger Christkindlesmarkt zählt jedes Jahr zu den schönsten und am meisten besuchten Weihnachtsmärkten in Deutschland. Jedes zweite Jahr wird dazu ein Christkind ausgesucht, dass dann den traditionell den Weihnachtsmarkt mit einem feierlichen Prolog eröffnet. Ursprünglich hieß der Christkindlesmarkt "Kindleinsmark", bei dem Kindleinschüler mit brennenden Fackeln und Laternen durch die Innenstadt liefen.

Viele internationale Gäste werden angezogen vom Bann des mittelalterlichen Erscheinungsbildes, wegen des guten Glühweins, Lebkuchens und der Bratwürste. Jährlich beginnt der Christkindlesmarkt Ende November und endet an Heiligabend. Brauch ist zudem auch die große Weihnachtskrippe, die an die besinnlichen Weihnachtsfeiertage und die Geburt Jesu erinnern soll.

Früher begann die Vorweihnachtszeit in Nürnberg schon am 4. Dezember, denn an diesem wurde die heilige Barbara geehrt. Man steckte dabei die Zweige in warmes Wasser, in der Hoffnung, dass diese am Heiligabend blühten. Diese Zweige schmückte man am Ende mit Äpfeln oder Süßem, woraus sich der heutige Weihnachtsbaum ergeben hat. Neben dem Tummeln der unzähligen Besucher, wird besonders Wert darauf gelegt, dass die kirchlichen Traditionen erhalten bleiben.

Gesellschaftlich traditionelle Feste

Altstadtfest

Das Nürnberger Altstadtfest zählt längst zu den wichtigesten Veranstaltungen in Nürnberg. Nach einer Tradition aus dem 16. Jahrhundert treffen sich Fischerboote auf der Pegnitz, mit dem Ziel sich gegenseitig auszustechen, sprich aus dem Kahn zu schubsen. Das sogenannte "Pengertzratzn" wurde erst nach ungefähr hundert Jahren von einem Karnevalisten ins Leben gerufen und ist heute noch ein Brauch, der zu Zeiten des Altstadtfests Ende September wieder auflebt.

Außerdem hat sich auch musikalisch nicht wirklich viel verändert, denn der Blaskapellenumzug und das Chorfest, welche auf dem Altstadtfest vertreten sind, entstanden aus einem jahrelangen Brauch. Wegen der Verbindung zum Wasser und der Ehrung der Fischer findet das Altstadtfest neben dem Hauptmarkt auch auf der Insel Schütt statt. Die traditionelle Volksmusik hat sich noch nicht ganz verdrängen lassen, denn neben Rock- und Popmusik ist diese auch noch in gleichem Maße vertreten.

Bardentreffen

Das Bardentreffen ist zwar mittlerweile als Festival der Sänger und Songwriter bekannt, entstand jedoch schon vor hunderten von Jahren. Das jährliche Treffen der Sänger, auch Barden lieferten sich im Mittelalter einen Liederwettstreit, der vor klatschendem Publikum ausgetragen wurde.

Mittlerweile ist das Bardentreffen ein Festival für nationale und internationale Künstler, auch der damalige Wettstreit ist gänzlich aus dem Programm verschwunden. Blues- und Folksänger, Liedermacher und kleiner Rockbands geben sich auf den historischen Plätzen von Nürnberg die Ehre. Das Spektakel entstand aus einer langen Tradition heraus. So erinnern die Schauplätze ans Mittelalter.

Rauhnächte in Nürnberg

Lange Zeit ist der Brauch der Rauhnächte im Dezember in Vergessenheit geraten und wird erst jetzt wieder von Nürnbergern zelebriert. Zwischen den Jahren soll keine Wäsche aufgehängt werden und jede körperliche Anstrengung vermieden werden. In den Rauhnächten im November bis Fasching findet der sogenannte Perchtenlauf statt, bei dem sich Frauen und Männer in rauen zotteligen Kostümen maskieren und durchs Knoblauchland ziehen.

Beim abschließenden Perchtentanz danken die Teilnehmer den Bauern und wünschen ihnen viel Glück für das neue Jahr und Fruchtbarkeit der Äcker. In Nürnberg und Umgebung gibt es verhältnismäßig viele landwirtschaftliche Betriebe, die sich nach all den Jahren immer noch bewähren.

Außerdem gelten die Nächte auch als "Los-Nächte", in denen die Menschen herausfinden wollen, was ihr Los für das kommende Jahr ist. Dabei gibt es für die Nächte bestimmte Regeln zur Bestimmung seines eigenen Orakels, wie beispielsweise das Aufstellen von Räucherstäbchen und Kerzen