Invasive Ameisenart treibt Nürnberg um - Stadt steht vor Herausforderung
Autor: Isabel Schaffner, Agentur dpa
Nürnberg, Samstag, 03. Oktober 2026
Eine invasive Insektenart bedroht Stadtteile und stellt Behörden sowie Anwohner vor große Herausforderungen. Die Bekämpfung gestaltet sich jedoch schwierig.
Mit zahlreichen Königinnen bildet die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) unterirdische Superkolonien und besiedelt ausgedehnte Areale. Abgesunkene Gehwege, Risiken für die Gebäudesubstanz und Infrastruktur sowie Kosten für die Schädlingsbekämpfung können die Folgen eines Befalls der aus dem Mittelmeerraum stammenden Art sein. Die bundesweit größte Kolonie befindet sich in Karlsruhe, aber auch Nürnberger Anwohner zeigen sich verzweifelt.
Der Bayerische Rundfunk berichtete im August über den Nürnberger Stadtteil Hasenbuck – er werde mit den kleinen Ameisen teils "überflutet". Für einige Anwohner sei der Aufenthalt im Freien nahezu unmöglich. Eine Frau aus der Ingolstädter Straße suchte Hilfe bei der CSU‑Stadtratsfraktion. inFranken.de hat bei der Stadt Nürnberg nach dem aktuellen Stand gefragt.
Kampf gegen Große Drüsenameise – Stadt Nürnberg kooperiert mit Bayreuther Expertin
Der Stadt sind nachgewiesene Aufkommen der Großen Drüsenameise in Lichtenreuth und in Hasenbuck bekannt, wie sie am Mittwoch (30. September 2026) angibt. Es finde jedoch keine Kartierung der Gebiete statt und es bestehe keine Melde- oder Registrierungspflicht über den Verdacht des Insekts. "Die Maßnahmen zur Eindämmung werden derzeit im engen Austausch mit einer Professorin der Universität Bayreuth abgestimmt und koordiniert", heißt es weiter.
"Da noch kein Schädlingsbekämpfer den Köder gefunden hat, auf den die Großen Drüsenameisen anspringen, werden die Maßnahmen vielschichtig sein müssen." Die CSU-Stadtratsfraktion informierte am 31. Juli 2026 über ihren Antrag mit der Forderung, dass die Stadtverwaltung die Anwohner und Grundstückseigentümer in den betroffenen Bereichen Hasenbuck und Lichtenreuth informiert und zu einer gemeinsamen Bekämpfung der invasiven Ameisenart auffordert. So solle eine weitere Ausbreitung von Tapinoma Magnum im Stadtgebiet verhindert werden. Dieser Antrag wird nun am 7. Oktober im Umweltausschuss behandelt.
Die Ausrottung einer etablierten Superkolonie ist laut dem Umweltbundesamt äußerst unrealistisch. Bei frühem und konsequentem Handeln sei aber eine Eindämmung möglich. Auch der Markt Hösbach im Landkreis Aschaffenburg kämpft gegen die massive Ausbreitung. Das Umweltbundesamt empfiehlt Folgendes:
- Verdachtsfälle beziehungsweise bestätigte Vorkommen unverzüglich der Stadt oder Gemeinde, wie etwa dem Ordnungsamt, melden.
- Alle Beteiligten (unter anderem Stadt- beziehungsweise Gemeindevertreter, Grundstückseigentümer, Anwohner, Schädlingsbekämpfer) sollten eng zusammenarbeiten.
- Feststellen, wie weit die Kolonie verbreitet ist.
- Auswahl einer Bekämpfungsmethode: Möglich sind chemische Mittel (Insektizide) oder thermische Verfahren mit Heißwasser/Heißschaum. Oftmals sei keine Eliminierung, sondern nur ein Zurückdrängen möglich.
- Fachpersonal, in der Regel ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen, sollte die chemische Bekämpfung übernehmen.