Wer ohne hygienische Bedenken abtauchen und in einem Naturgewässer planschen will, der braucht nicht bis ans Meer zu fahren: Die fränkischen und bayerischen Seen sind sauber. Das ist eine gute Nachricht zum Beginn der Sommerferien und sie hat schon so etwas wie Tradition: "Die Wasserqualität ist wie in den letzten Jahren auch heuer in den meisten Fällen wieder hervorragend", sagt Claudia Schuller, Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen.

Das LGL hat eine Badegewässerkarte erstellt, die man im Internet unter http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/hygiene/wasser/badeseen/index.htm abrufen und auch herunterladen kann. Sie weist 379 Naturseen, Baggerseen und Weiher als EU-Badestellen an 297 bayerischen und fränkischen Seen auf.
Darüber hinaus gibt es noch so manchen See im Steinbruch und im Wald oder sonstige Geheimtipps, die nicht offiziell in der EU-Liste auftauchen. In oben stehender Karte haben wir zur besseren Übersicht nur die fränkischen Naturgewässer abgebildet.

Kapitäns-Patent für Kinder

Von den über 70 Seen in unserer Region liegen die größten in Mittelfranken: Im "Fränkischen Seenland", 50 Kilometer südwestlich von Nürnberg, wurden sieben Seen im Umkreis von 20 Kilometern und 200 Quadratkilometern Wasserfläche künstlich angelegt. Altmühlsee, Großer und Kleiner Brombachsee, Igelsbachsee, Rothsee, Hahnenkammsee und Dennenloher See sind mit Auto, Bus und Bahn gut erreichbar und bieten außer Bade- auch Möglichkeiten zum Segeln, Surfen, Tauchen, Angeln - und zum Übernachten.

Auf dem Großen Brombachsee gibt es außerdem Rundfahrten mit "Europas größtem Fahrgast-Trimaran auf einem Binnensee". In den Sommerferien können Kinder jeden Montag auf dem Schiff ihr Mini-Kapitäns-Patent machen.
Solche Informationen bekommt, wer die mit interaktiven Links hinterlegte Karte des LGL nutzt: Man kann jeden einzelnen See anklicken und wird auf die Internetseiten der jeweiligen Kommunen weitergeleitet. Dort stehen alle wichtigen Infos, die zum Baden dazugehören - Liegewiesen, Parkplätze, sanitäre Einrichtungen oder die Überwachung der Strände durch Rettungsschwimmer und Erste-Hilfe-Stationen.
Ein wesentlicher Aspekt ist natürlich auch die Bewertung der Wasserqualität. Sie wird vom 15. Mai bis 15. September mindestens einmal im Monat - bei Auffälligkeiten häufiger - untersucht und nach Vorgaben der EU überwacht. Zuständig dafür sind die Gesundheitsämter vor Ort.

Sie nehmen in der für Schwimmer typischen Tiefe von einem Meter - und nicht wie vor einiger Zeit der ADAC im naturgemäß schmutzigeren Planschbereich am Ufer - Wasserproben und schicken diese ins Labor des LGL nach Erlangen. Dort werden pro Saison etwa 2000 Proben analysiert und auf zwei mikrobiologische Parameter untersucht, wie LGL-Sprecherin Schuller erklärt: Escherichia coli (ein Bakterium, das im menschlichen Darm vorkommt und Infektionen verursachen kann) und Intestinale Enterokokken (kommen in der Umwelt, bei Mensch und Tier, in Käse oder Rohwurst vor und können ebenfalls Infektionen auslösen). Besonders in Hitzeperioden wird auch auf Blaualgen geachtet.

Badestellen werden gemanagt

Die Qualität der offenen Gewässer wird seit mehr als 30 Jahren überwacht. 2006 erließ die Europäische Union eine neue Badegewässerrichtlinie, die zum Saisonbeginn 2008 in Bayern umgesetzt wurde. Anlass war die Überlegung, dass die pure Überwachung der Wasserqualität für ein ungetrübtes Badevergnügen nicht ausreicht. Vielmehr wollte man das "systematische und umfassende Management einer Badestelle" in den Vordergrund rücken, aus dem die "Noten" ausgezeichnet, gut, ausreichend und mangelhaft resultieren.

Was das in der Praxis bedeutet, erklärt LGL-Sprecherin Schuller: "Ein Gewässer wird über Jahre hinweg untersucht und ein Profil zu den spezifischen Eigenheiten erstellt. Geographische, hydrologische und physikalische Parameter werden festgelegt, Verschmutzungsquellen erfasst und ausgewertet." Somit weiß der Betreiber: Eventuell herrschen Bedingungen, die die Wasserqualität negativ beeinflussen. Dann kann er ein Badeverbot erlassen oder die Bürger warnen - und zusätzliche freiwillige Maßnahmen wie eine häufigere Reinigung der Liegewiesen ergreifen .
Heuer ist das kaum notwendig. Die bislang (Stand: 1. August) entnommenen 1137 Gewässerproben haben laut LGL ergeben, dass 99 Prozent der bayerischen Badestellen eine ausgezeichnete Qualität besitzen. "Damit liegen wir seit Jahren an der europäischen Spitze", sagt Schuller. Neun der Proben bekamen lediglich die Bewertung "gut", nur "ausreichend" war der Baggersee Ingolstadt und "mangelhaft" der Autobahnsee Augsburg.
Ein Ausreißer in Franken ist seit Jahren der Dechsendorfer Weiher im Nordwesten der Stadt Erlangen. Wie so oft ist er von Blaualgen befallen, weshalb die Stadtverwaltung ein Badeverbot verhängt hat. Ob es aufgehoben wird, kann man im Internet nachlesen: Das Landesamt für Gesundheit und alle Kommunen stellen auf ihren Webseiten die neuesten Wasseranalysen ein.