So schnell kann es gehen: Am Montagabend unterzeichnete Markus Weinzierl bereits den Vertrag und soll nun den 1. FC Nürnberg aus der Krise holen. Mit dem Niederbayern holt sich der "Club" ein richtiges Schwergewicht ins Boot - mit einer ordentlichen Bilanz in Augsburg und Regensburg. Der neue Coach soll die "orientierungslos" scheinende Mannschaft, wie sie von Sportvorstand Dieter Hecking beschrieben wird, wieder nach oben führen.

Nach einem erneut enttäuschenden Auftritt der Mannschaft beim Gastspiel in Karlsruhe hat der FCN seinen Trainer Robert Klauß am Montag (3. Oktober 2022) freigestellt. Vor dem Spiel hatte es zudem einen kuriosen Eklat gegeben: Die Polizei hatte statt den Spielern einen Fanbus vor die Umkleidekabinen eskortiert.

Weinzierl soll es richten - FCN verpflichtet ehemaligen Augsburg-Coach

Markus Weinzierl soll den 1. FC Nürnberg aus dem Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga führen. Wie der fränkische Traditionsverein am Dienstag mitteilte, folgt der ehemalige Coach vom FC Augsburg beim "Club" auf den am Sonntagabend freigestellten Robert Klauß. Demnach unterschrieb der 47-Jährige am späten Montagabend seinen Vertrag. Zur Dauer des Arbeitsverhältnisses machten die Nürnberger wie gewohnt keine Angaben.

Weinzierl, der sich nach Vereinsangaben am Dienstagvormittag bereits mit der Mannschaft getroffen hat, übernimmt den "Club" in einer Krise. Nach einem eklatanten Leistungsabfall im Vergleich zur Vorsaison befinden sich die Franken nach zehn Spieltagen auf Platz 14. Das von Sportvorstand Dieter Hecking ausgegebene Saisonziel Platz eins bis sechs scheint schon jetzt kaum noch zu erreichen. Vielmehr droht aktuell der Gang in die 3. Liga. Auf den neuen Trainer wartet eine Menge Arbeit.

Neben den nackten Ergebnissen bereitete vor allem die Performance der Nürnberger Spieler der FCN-Führung zuletzt große Sorgen. Egal, ob gegen Heidenheim (0:3), Braunschweig (2:4) oder zuletzt in Karlsruhe (0:3) – über mindestens 45 Minuten fand der "Club" quasi nicht statt. Die Mannschaft wirkte orientierungslos, planlos, hilflos. Weinzierl soll ihr wieder Struktur geben. Am Sonntag wartet auf den Fußballlehrer die erste Kraftprobe mit seinem neuen Verein. Dann empfangen die Nürnberger zu Hause Holstein Kiel.

Der Straubinger gilt als erfahrener Trainer. Erst führte er Jahn Regensburg in die Zweitklassigkeit, dann etablierte der Niederbayer den FC Augsburg in der Bundesliga. Nach einem Engagement beim FC Schalke 04 und dem VfB Stuttgart kehrte der 47-Jährige 2021 zum FCA zurück. Nach erheblichen Differenzen mit Manager Stefan Reuter verkündete Weinzierl am letzten Spieltag der vergangenen Saison live im Fernsehen seinen Abschied.

Trainer Klauß musste nach Pleite beim KSC gehen

"Wir bedauern diese Entscheidung, aber sie ist unumgänglich gewesen. Robert hat hier über mehr als zwei Saisons einen guten Job gemacht. Allerdings war die Entwicklung in den zurückliegenden Wochen ganz und gar nicht zufriedenstellend", erläuterte Hecking am Montag die Entscheidung einen Tag nach der frustrierenden Niederlage der 2. Fußball-Bundesliga beim Karlsruher SC. "Die Art und Weise, wie die Mannschaft in Karlsruhe, aber auch schon in einigen Spielen zuvor aufgetreten ist, war nicht akzeptabel. Wir hätten uns alle darüber gefreut, wenn wir unseren Weg der Kontinuität verbunden mit erfolgreichen Spielen hätten weitergehen können", meinte Hecking weiter. Der Auftritt habe ihn "zum Umdenken" bewegt.

Der frühere Bundesligacoach Hecking und sein Sportdirektor Olaf Rebbe sahen nach dem alarmierenden Leistungsverfall in dieser Spielzeit keinen anderen Weg mehr als die Trennung. Noch am späten Sonntagabend wurde Klauß von seinen Aufgaben entbunden. "Die Enttäuschung war greifbar", meinte Hecking über den jungen Coach. Es ist die zweite Trainerentlassung in dieser Zweitligasaison, zuvor hatte Uli Forte bei Arminia Bielefeld gehen müssen.

Klauß, dessen Vertrag noch im Mai über die Saison 2022/23 hinaus verlängert worden war, verabschiedete sich am Montag von der Mannschaft, wie der FCN auf seiner Homepage mitteilt. Der 37-Jährige war im Sommer 2020 als Co-Trainer von RB Leipzig nach Franken gewechselt. In seiner ersten Saison wurde der "Club" Elfter. Anschließend spielte der Traditionsverein sogar lange um den Aufstieg mit, wurde dann aber nur Achter.

Kapitän Schindler: "Glaube nicht, dass es am Trainer liegt" 

Es sei einfach, "den Trainer immer als schwächstes Glied auszumachen", hatte Kapitän Christopher Schindler nach der Pleite in Karlsruhe gesagt und die Spieler in der Verantwortung gesehen: "Ich glaube nicht, dass es am Trainer liegt. Das Problem liegt auf dem Platz, wir tragen die Verantwortung." Das sieht Hecking ähnlich, zog aber eine etwas andere Konsequenz.

Bei Twitter sind die Reaktionen auf die Freistellung Klauß' gemischt. Mehrer User loben ihn für sein sympathisches Auftreten, kritisieren aber auch seine personellen und taktischen Entscheidungen in der jüngeren Vergangenheit. Immer wieder schimmert dabei durch, dass nicht der Trainer, sondern die Mannschaft das Problem ist. Ein Nutzer schreibt beispielsweise: "Danke für die Arbeit lieber Robert und 'Danke' an die Mannschaft. Ich fürchte da liegt der Hase im Pfeffer, wenn ich mir überlege was unser Kapitän gestern so gesagt hat. Der neue Trainer wird es nicht leicht haben, wenn es Probleme mit der Einstellung gibt."

Bis auf Weiteres werden die beiden Co-Trainer Ersan Parlatan und Frank Steinmetz das bis auf Tabellenplatz 14 abgestürzte Team betreuen. Wer übernimmt dann? Klauß hatte sich vor mehr als zwei Jahren in einem Casting gegen Dimitrios Grammozis durchgesetzt. Grammozis ist seit seiner vorzeitigen Freistellung beim FC Schalke 04 vereinslos, er ist Hecking zufolge aber nicht "in der Verlosung."

mit dpa