Siegersdorfer Landbrot: Insolvenzverwalter erklärt Aus von Traditionsbäckerei
Autor: Manuel Dietz, Moritz Kircher
Schnaittach, Montag, 10. August 2026
Nach über 90 Jahren musste die Bäckerei Siegersdorfer Landbrot aus Schnaittach ihren Betrieb einstellen. Der Insolvenzverwalter äußert sich gegenüber inFranken.de zu den Hintergründen.
Die fränkische Traditionsbäckerei Siegersdorfer Landbrot in Schnaittach (Kreis Nürnberger Land) ist insolvent und hat Ende Juli nach über 90 Jahren ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Das bestätigt der zuständige Insolvenzverwalter Alexander Raab am Montag (10. August 2026) im Gespräch mit inFranken.de. Eine Sanierung des Betriebs sei letztlich nicht möglich gewesen, da es keine Interessenten gegeben habe.
Das Datum der Schließung passt derweil zu den Angaben von Kunden, die gegenüber inFranken.de berichtet hatten, dass die gewohnten Lieferungen der Bäckerei von einem auf den anderen Tag ausgeblieben waren. Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters sei das Aus letzten Endes dem Zusammenspiel verschiedener Gründe geschuldet.
Bäckerei Siegersdorfer Landbrot schließt nach über 90 Jahren - Insolvenzverwalter nennt Gründe für Aus
"Zum einen ist die Bäckerei Siegersdorfer ein relativ kleines Unternehmen gewesen", erläutert Raab gegenüber inFranken.de. "Auch im Bäckereihandwerk ist es aber nun mal so, dass größere Unternehmen wirtschaftliche Veränderungen besser kompensieren können als kleinere Betriebe", erklärt er. Zudem sei die Bäckerei im Wesentlichen von zwei großen Einzelhandelsketten abhängig gewesen, von denen demnach jeweils mehrere Filialen in der Region beliefert wurden. Das aktuelle Kaufverhalten der Kunden sei deshalb zum Problem geworden.
"Die Bäckerei Siegersdorfer hat Brot mit einem hohen Qualitätsanspruch hergestellt, weshalb die Produkte in einem relativ hochpreisigen Segment angesiedelt waren", erklärt Raab. "Aufgrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage sitzt das Geld bei vielen Kunden gerade aber nicht so locker, weshalb beim Einkaufen eher auf niedrigpreisige Alternativen zurückgegriffen wird", so der Insolvenzverwalter weiter.
Zu den genauen Verbindlichkeiten des Unternehmens könne man derzeit noch keine Angaben machen. "Wir sind gerade erst dabei, die Gläubiger anzuschreiben und die Forderungen zusammenzutragen", so Raab. Zuletzt habe die Bäckerei insgesamt zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben des Insolvenzverwalters sind einige davon bereits bei anderen Betrieben untergekommen. Für die restlichen Beschäftigten sieht Raab ebenfalls gute Vermittlungschancen: Seines Wissens sollten auch die verbliebenen Mitarbeiter keine größeren Probleme haben, eine neue Anstellung zu finden.
Nach drei Generationen endet die Tradition Siegersdorfer Landbrot - Inventar wird online versteigert
Mit dem Aus von Siegersdorfer Landbrot enden mehr als 90 Jahre Bäckereigeschichte. Alles fing im Jahr 1935 mit einer kleinen Familienbäckerei an. Mit der dritten Generation endet diese Tradition. Nach eigenen Angaben lieferte die Siegersdorfer Bäckerei ihre Backwaren im Großraum Nürnberg, Nürnberger Land, Fürth und Erlangen aus. Gebacken habe man nach überlieferten Rezepturen - ohne Backmischungen und andere Hilfsmittel. Und das ausschließlich mit ausgebildetem Personal: Bäckermeistern und Bäckergesellen.
Noch bis zum 2. Oktober haben Gläubiger nun die Chance, ihre Förderungen beim zuständigen Insolvenzgericht anzumelden. Was von Siegersdorfer Landbrot übrig ist, kommt bald unter den Hammer. Auf dem Portal rockmann-industrieauktionen.de wird die Versteigerung des Inventars angekündigt (abgerufen am 5. August 2026, 17.30 Uhr). Versteigert werden dabei unter anderem Etagenbacköfen, Knetmaschinen, weitere Bäckereimaschinen, der Fuhrpark und weitere Betriebseinrichtungen.