Nürnberger Metzgerei-Verkäuferin übel angefeindet – Chef reagiert
Autor: Isabel Schaffner
Nürnberg, Mittwoch, 04. November 2026
Define ist eine neue Verkäuferin bei der Nürnberger Metzgerei Freyberger. Doch bei manchen Kunden stößt ihre Herkunft auf heftige Ablehnung. Dem Chef reicht es.
Die 26-jährige Define Kamhuka aus Simbabwe kam vor drei Jahren nach Deutschland, um sich ein neues Leben aufzubauen. Bei der Nürnberger Metzgerei Freyberger absolvierte sie eine Ausbildung. Seit August arbeitet sie als ausgelernte Fachverkäuferin bei Dirk Freyberger und seinem Team. Die Einwanderung nach Deutschland verlangte Define viel Nervenstärke ab, wie sie in einem Beitrag von Freyberger TV, dem hauseigenen YouTube-Kanal des Betriebs, anspricht.
"Als ich hierher gekommen bin, hatte ich keine Freunde. Ich war alleine hier in Nürnberg. Keine Familie, kein alles." Während sie sich im Dienst hinter der Theke bemühte, alles richtig zu machen, brachten manche Kunden sie mit ihrer rassistischen Ablehnung zeitweise sogar zum Weinen, wie sie sich erinnert.
"Sie gehört nicht hierher": Nürnberger Metzgerei-Verkäuferin erlebt heftige Anfeindungen
"Nein, ich will nichts von Define. Kann eine andere Person mich bedienen?", sei einer der Kommentare. Die Metzgerei zählt im Netz weitere rassistische Bemerkungen im Zusammenhang mit ihrer neuen Mitarbeiterin auf: "Ich möchte keine Wurst, die ein Schwarzer angefasst hat.", "Sie nimmt den Deutschen die Arbeit weg.", "Ich meide Läden mit Ausländern." und "Sie gehört nicht hierher." Nach solch einer verbalen Attacke mit dem nächsten Kunden weiterzumachen, sei schwer, fügt sie hinzu.
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Kunden beschuldigten sie zudem grundlos, sie zu beklauen und nach ihrem Geld zu gieren. Define müsse dann alle gekauften Produkte samt genauem Gewicht und Preis aufzählen, erklärt sie. "Da muss ich sagen, der kriegt halt einfach kein Leberkäsweggle mehr und der kann das Weite suchen", sagt Dirk Freyberger im Film zusammenfassend. Am Freitag (30. Oktober 2026) postete er in den sozialen Medien ein Bild von sich mit verärgertem Blick, einem Leberkäs-Brötchen in der Hand und dem Titel: "Kein Leberkäsweggle für Rassisten!"
Auch in Bamberg gab es unlängst unschöne Szenen: Eine Busfahrerin wurde wegen ihres Kopftuches angefeindet.
Chef attestiert Define großes Potenzial: Metzgerei mit großer Investition
"Meiner Erfahrung nach sind Männer zwischen 30 und 50 Jahren am schwierigsten", so der Metzgermeister. Er selbst ist von Define, die er über eine Sprachschule in Simbabwe rekrutiert hat, "total begeistert", wie er im Gespräch mit inFranken.de betont. "Sie ist intelligent, geschickt und hat eine tolle Ausstrahlung." Als Auszubildende erreichte sie sogar eine Platzierung im Landeswettbewerb ihres Jahrgangs.
Glücklicherweise erfahre Define auch viel Rückhalt und Wertschätzung von der Mehrheit, so Freyberger. "Sie ist von Anfang an richtig gut bei den Kunden angekommen." Für einen 80. Geburtstag sei sie explizit als Servicekraft angefragt worden. "Ich sehe sie tatsächlich auch in der Führungsposition", macht er im Film deutlich. "Ich denke, dass sie beim Storemanagement der 24/7-Läden durch ihren Intellekt und ihr Fachwissen gut aufgehoben ist." Weil man dafür einen Führerschein brauche, habe der Metzgermeister ihr diesen spendiert. "Damit ich sie auch die nächsten Jahre an meiner Seite habe."