Als am 28. Juli 2011 nach knapp drei Jahren Bauzeit die 31 Millionen teure Delfinlagune im Tiergarten eröffnet wurde, konnte niemand ahnen, welche Probleme über den Zoo hereinschwappen würden. Kurz nach der Inbetriebnahme trat Salzwasser über den Beckenrand aus, das nicht nur ein Waldstück beschädigte, sondern dem Zoo eine Strafanzeige der Tierrechtsorganisation Peta einbrachte. Nachdem seit Anfang 2012 an Konzepten zur Sanierung gearbeitet wurde, scheint jetzt eine Lösung in Sicht.

Laufende Messungen

Über die neuen Pläne informierten bei einer Pressekonferenz der für den Tiergarten zuständige Bürgermeister Christian Vogel, Tiergartendirektor Dag Encke und die Leiterin des Nürnberger Hochbauamts, Petra Waldmann. Sie fassten die Problematik noch einmal zusammen: Ein Gutachten hatte gezeigt, dass das Salzwasser über eine undichte Fuge am Kopf des Beckenrands ausgetreten war. Auf den Austritt von Salzwasser habe der Tiergarten mit der Absenkung des Wasserspiegels in der Lagune reagiert sowie mit der Einrichtung eines Auffangbeckens und der Ableitung ausgetretenen Wassers in die Kanalisation. An drei Messpunkten werde regelmäßig einmal pro Monat kontrolliert, ob Salzwasser ausgetreten und wie hoch der Salzgehalt ist. Ein wasserdichtes Auffangbecken, in das alle Wässer der Ringdrainage um die Lagune und aus der Havarieleitung münden, werde gutachterlich auf seinen Salzgehalt hin überprüft. Das Wasser aus dem Auffangbecken werde dauerhaft in die Kanalisation eingeleitet.

"Keine Zwischenlösung mehr"

Weiterhin werde der Salzgehalt im Wasser unterhalb der Lagune im Untergeschoss des Technikgebäudes sowie im Grundwasser der Salzgehalt im Schichtenwasser gemessen. Demnächst sollen zwei weitere Grundwassermess-Stellen eingerichtet werden, an denen auch nach der Sanierung überprüft wird, ob aus dem Tiergarten Salzwasser in das Grundwasser abgegeben wird.

"Die Absenkung des Wasserspiegels der Lagune stellt eine Zwischenlösung dar. Unser Ziel ist es aber, den Interims-Status zu beenden und eine dauerhafte und sichere Lösung zu realisieren", stellte Bürgermeister Christian Vogel klar. Versuche der ursprünglichen Planer, die Fuge abzudichten, hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Eine dienststellenübergreifende Arbeitsgruppe habe daher nach Bewertung der vorliegenden Untersuchungen und Erkenntnisse entschieden, eine teilweise Neukonstruktion des Beckenkopfs zu beauftragen.

Mehrere Baumängel in einem Aufwasch

Gleichzeitig mit der Beckenkopfsanierung sollen nach Auskunft der Verantwortlichen zwei weitere Baumängel behoben werden: Undichte Rohrdurchdringungen und Betonschäden im Becken. "Im Hinblick auf eine Sanierung ist es sinnvoll, den undichten Beckenkopf und die Baumängel gemeinsam zu betrachten und zu beheben. Im Sinne der Tiere und der Besucher geht es darum, die Arbeiten zu bündeln und in einem Aufwasch zu erledigen. Um eine dauerhafte und funktionierende Lösung zu bekommen, haben wir bisher verteilte Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung gebündelt und dem Hochbauamt die Projektleitung übertragen", sagte Bürgermeister Christian Vogel.

Das Hochbauamt habe in enger Abstimmung mit dem Tiergarten den Auftrag an ein Münchner Fachbüro erteilt, einen wasserundurchlässigen Beckenrand sowie eine Rückführung des überschwappenden Salzwassers zu entwickeln. Auf Basis dieser Ergebnisse plane die Stadt derzeit gemeinsam mit den externen Fachleuten die Sanierung der Lagune, die in den nächsten Jahren erprobt und voraussichtlich bis 2018 umgesetzt sein soll. Damit während der Bauarbeiten genügend Platz für die Tiere ist und sie (bis auf einen Bullen) nicht in anderen Zoos untergebracht werden müssen, werde gemäß tierschutzrechtlicher Aufsicht Becken für Becken repariert.

Mustersanierung in der zweiten Jahreshälfte 2016

In der zweiten Jahreshälfte 2016 soll die Mustersanierung von zwei der insgesamt fünf Becken in der Lagune beginnen. Dazu würden die beiden Becken von der Anlage entkoppelt und das Wasser abgelassen. "Je nach Bauablauf werden die übrigen Becken schrittweise nach diesem Vorbild saniert oder aber das weitere Vorgehen entsprechend den gewonnenen Erkenntnissen optimiert", erklärte Bauamtsleiterin Petra Waldmann.

Ausweichquartier für die Delfine

Während der Bauarbeiten würden die Lärmbelastung in der Lagune und die Reaktionen der Tiere darauf stetig überwacht. Die Becken sollen während der Arbeiten jeweils von einem Zelt überdacht werden, um zu verhindern, dass Staub und Schmutz ins Wasser gelangen. Außerdem könne die im Winter übliche, als Wärmeschutz fungierende Traglufthalle zusätzlich zum Schutz für die Tiere aufgestellt werden. Die täglichen Vorführungen in der Lagune sollen weiterlaufen. Möglicherweise müssten sie aber zeitweise verkürzt oder eingeschränkt werden. "Dies müssen wir vom Verhalten der Tiere abhängig machen", sagte Zoodirektor Dag Encke.

Der Beginn der Sanierung setze voraus, dass ein Ausweichquartier für die Delfine hergerichtet wird. "Dafür wird das mit der Eröffnung der Lagune stillgelegte Delfinarium 2 im Betriebshof nach tierschutzfachlichen Vorgaben wieder in Betrieb genommen", sagte Encke. Die Ertüchtigung starte im Herbst 2015 und werde voraussichtlich ein halbes Jahr dauern. Kosten: etwa 1,1 Millionen Euro.

Konzept im Herbst

Bis zum Herbst soll, so erklärten Vogel, Encke und Waldmann, das Fachbüro aus München Lösungsvorschläge für die Sanierung präsentieren. Danach werde mit dem Tiergarten und den Kontrollbehörden für Umwelt- und Tierschutz ein Bauablauf vereinbart, "der den Anforderungen an das Wohlergehen der Delfine und den Schutz der Umwelt Rechnung trägt". Nach dem Abschluss der Ertüchtigung des Delfinariums 2 und den Ausschreibungen von Sanierung und Mängelbeseitigung solle dann der erste Sanierungsabschnitt in den beiden genannten Becken, die derzeit überwiegend von den Seelöwen bewohnt werden, in Angriff genommen werden.

Die Stadt habe bisher etwa 200 000 Euro für Gutachten und Beratungsleistungen ausgegeben, die jedoch über Rechnungseinbehalte und Gewährleistungen beglichen wurden. Wie teuer die Sanierung insgesamt wird, sei derzeit noch nicht absehbar. Bürgermeister Christian Vogel kündigte an, dass die Stadt die Kosten bei den für die Schäden verantwortlichen Firmen und Planern geltend machen werde.

Jede Menge Tierbabys

In der Lagune leben neben einer Seelöwen-Gruppe neun erwachsene Delfine und das Delfinkalb Nami, das seit November 2014 von seiner Mutter Sunny in der Gruppe aufgezogen wird. Aktuell gibt es auch Nachwuchs bei anderen Tieren: Im Juli kamen zwei Tigerjunge zur Welt, sieben Pinguine und zwei Seelöwen. Letztere sind mit ihren Müttern täglich von 12 bis 14 Uhr im Vorführbecken des Delfinariums zu sehen.


Kostenlos in den Zoo

Kleines Schmankerl: Schüler, die im Zeugnis mindestens eine Eins oder ein "sehr gut" in der schriftlichen Beurteilung haben, können am ersten und letzten Ferientag (Montag, 3. August und Montag, 14. September) kostenlos in den Zoo und sämtliche Tierbabys aus nächster Nähe betrachten. Das Angebot gilt für Einserschülerinnen und Einserschüler bis einschließlich 17 Jahren, die an der Tiergartenkasse ihr Zeugnis mit mindestens einer Eins oder einem "sehr gut" vorlegen.