Alles war vorbereitet für eine Veranstaltung, die Generationen ins Gespräch bringen sollte: die ehemalige Synagoge angemietet, Teilnehmerinnen für die Podiumsrunde gefunden, Denkanstöße gesammelt, ein passender Rahmen mit Liedern und Buffet organisiert. Dann kam das Coronavirus, und der für den Samstag, 21. März, geplante Frauentag musste genauso abgesagt werden wie all die anderen Veranstaltungen in der Region.

Maria Hollering-Hamers, die als Sprecherin des Aktionsbündnisses Lichtenfelser Frauengruppen den größten Part der Organisationsarbeit leistete, hatte schon vor einer offiziellen Regelung die Entscheidung für die Absage getroffen: "Das Risiko, dass jemand unwissentlich das Virus in sich trägt und andere damit ansteckt, ist zu groß", erklärte sie. Man habe deshalb beschlossen, die Veranstaltung "Generationen im Gespräch" in den Herbst zu verschieben - in der Hoffnung, dass Corona dann keine Rolle mehr spielen möge. Ein genauer Termin muss noch gefunden werden.

Das Thema der geplanten Veranstaltung aus Anlass des Internationalen Frauentags (8.3.) soll bis dahin aber nicht aus den Augen verloren werden. "Wir wollen unbedingt im Gespräch bleiben", versichert Maria Hollering-Hamers. Und das kann man ja heutzutage auch auf anderen Wegen als von Angesicht zu Angesicht. Der Aufruf gerade an jüngere Frauen, mitzureden, sich einzubringen, wenn es um ihre persönliche Situation in Beruf, Familie und Gesellschaft geht, gilt weiterhin. Karin Dietz, die mit dem von ihr geleiteten Chor "Frauenklänge" den Nachmittag in der Synagoge begleiten wollte, hat es in direkter Anrede so formuliert: "Ihr wisst es vielleicht gar nicht, aber in den letzten 30 Jahren ist hier in Lichtenfels eine Frauenbewegung entstanden, die ihresgleichen sucht, weil alle gemeinsam ohne Animositäten oder Berührungsängste agiert haben. Allerdings sind wir darüber älter geworden. Bisher haben wir nur darauf gewartet, dass ihr vielleicht mal kommt. Jetzt fordern wir euch ein bisschen energischer auf. Wir brauchen euch, um das Erreichte weiterzutragen. Das erfordert nicht viel Einsatz - einmal im Jahr Flagge zeigen, gemeinsam aufstehen. Wir brauchen euch, auch wenn ihr glaubt, das alles nicht zu brauchen", so Karin Dietz. Die gebürtige Lichtenfelserin, die heute in Fürth lebt, ist nicht zuletzt durch den Frauenchor noch immer dabei, wenn es darum geht, über die Belange von Frauen in allen Lebensphasen zu sprechen, über gleiche Chancen von Männern und Frauen. "Es geht nicht um Miesepeterei oder darum, etwas schlechtzureden", betont sie. Es gebe ja auch Erfolge zu feiern. Trotzdem gelte es, wachsam zu bleiben, zu schauen, wo noch etwas zu tun ist, sich nicht einlullen zu lassen und sich gegenseitig den Rücken zu stärken.

Das Miteinander ist auch Renate Friederichs (41) aus Bad Staffelstein, ihrer Mutter Renate Meißner (76) und ihrer Tochter Miriam Anton-Friederichs (19) wichtig. Die drei hatten sich bereiterklärt, stellvertretend für drei Generationen in der nun abgesagten Podiumsdiskussion Impulse aus ihren persönlichen Erfahrungen heraus zu geben. Bei ihrer Zusage ist es geblieben. "Wir haben schon viel und oft darüber gesprochen", sagt Renate Friederichs. Ihre Mutter habe noch die Unterschrift des Ehemannes benötigt, um arbeiten gehen zu dürfen, erzählt sie. Glücklicherweise sei ihr Vater da schon aufgeschlossen gewesen. Heute sei man in Sachen Gleichberechtigung ja wesentlich weiter, dennoch hätten Männer und Frauen nicht immer gleiche Chancen. Nach wie vor gebe es Lohnunterschiede. Gerade in sozialen Berufen, in denen zu einem großen Prozentsatz Frauen arbeiten, falle auf, dass die Leitungspositionen trotzdem oft mit Männern besetzt sind. Sie selbst führe eine sehr gleichberechtigte Ehe, betont Renate Friederichs. "Mein Mann ist genauso für die Kinder zuständig", sagt sie. Eigentlich müsse man das nicht betonen. Allerdings bekomme er deshalb manchmal Sticheleien zu hören. Dann ist der Bad Staffelsteinerin noch aufgefallen, dass sich junge Mütter inzwischen rechtfertigen müssen, wenn sie wegen der Kinder zu Hause bleiben möchten. Es werde zu wenig wertgeschätzt, wenn man sich selbst um deren Betreuung kümmere. Gerade gegenseitige Wertschätzung ist den Lichtenfelser Frauengruppen ein großes Anliegen. Das hatten sie schon mit ihrer ersten großen Gemeinschaftsveranstaltung herausgestellt, die in der Turnhalle der Freien Turnerschaft Schney stattfand. Der Titel lautete "Frau in Beruf und Familie - Frauen wollen beides". Es ist genau 30 Jahre her.

Ihre Meinung ist gefragt

Vieles konnte in Sachen Gleichberechtigung erreicht werden. Wofür die ältere Generation noch kämpfen musste, ist für die Jüngeren selbstverständlich. Aber wo sehen junge Frauen heute noch Handlungsbedarf, wo drückt sie der Schuh? Die Lichtenfelser Frauengruppen laden zum Mitreden und gegenseitigem Austausch ein. In diesen Zeiten, wo persönliche Kontakte wegen der Corona-Pandemie vermieden werden sollen und viele zu Hause bleiben, kann man auf elektronischem Weg in Verbindung kommen und bleiben. Die Redaktion unterstützt gerne den im obigen Artikel formulierten Aufruf dazu. Wer sich mit seinen Erfahrungen und Anregungen einbringen möchte, hat die Möglichkeit dazu per E-Mail an hollering-hamers@gmx.de.