Thomas Kneipp war ins kalte Wasser geworfen worden - so darf man den politischen Start des Mannes beschreiben, der seit nunmehr 22 Jahren an der Spitze der Gemeinde Hochstadt steht. Kaum war er 1996 für die CSU in den Gemeinderat gewählt worden, sollte er Zweiter Bürgermeister werden. Und kaum war er Zweiter Bürgermeister, fiel der Erste wegen schwerer Krankheit lange aus. Theo Raab, der 20 Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister von Hochstadt war, trat schließlich mit 67 Jahren, zwei Jahre nach seiner letzten Wiederwahl, aus gesundheitlichen Gründen zurück. Bei den vorgezogenen Neuwahlen setzte sich der damals 39-jährige Kneipp mit 69 Prozent der Stimmen gegen Mitbewerberin Elisabeth Lorenz durch. Ein großer Vertrauensbeweis für den in Burgkunstadt Aufgewachsenen, der der Liebe wegen nach Hochstadt kam - seine Frau Martina stammt von hier. Die beiden Kinder sind in Hochstadt groß geworden und heute selbst politisch interessiert bzw. aktiv.

Vom Ehrenamt zum Hauptamt

Zuerst war Kneipp noch als Finanzbeamter in Kronach tätig, bis man 2002 in Hochstadt entschied, dass genug zu tun ist für einen hauptamtlichen Chef im Rathaus. Obwohl es bei den zurückliegenden Wahlen Gegenkandidaten gab - wirklich um eine Wiederwahl bangen musste Thomas Kneipp (61) nie. Soziale Aspekte waren ihm wichtig; als eine der ersten Gemeinden im Landkreis eröffnete Hochstadt eine Kinderkrippe. Zwei Bürgerentscheide im Ort, unterschiedliche Interessenlagen wegen der ersehnten Ortsumgehung - da war oft die Fähigkeit gefragt, ein Miteinander herzustellen. Für den Gemeinderat organisierte Kneipp zu diesem Zweck einmal jährlich eine gemeinsame Hüttentour in Südtirol. Für sein Lieblings-Reiseziel wird er künftig mehr Zeit haben. Wir haben ihm zehn Fragen zu seiner Amtszeit und dem bevorstehenden Ruhestand gestellt.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Amt - worauf freuen Sie sich am meisten?

Thomas Kneipp: Kennen Sie von Loriot die Komödie Pappa ante Portas? In diesem Sinne werde ich nach meiner Pensionierung meine Gattin im Haushalt tatkräftig unterstützen. Darauf freut sie sich schon heute. In der restlichen Zeit werden wir möglichst jede freie Minute in Südtirol verbringen.

Was, meinen Sie, wird die größte Umstellung im Alltag sein?

Die letzten 24 Jahre waren sehr schnell vorbei. Das war wie in einem Rausch. Ich freue mich jetzt auf einen neuen Lebensabschnitt ohne öffentliche Verpflichtungen und Termine und werde das tun, was in letzten Jahren zu kurz kam. Wer Bücher als Freund hat, hat keine Langeweile.

Wen oder was werden Sie am meisten vermissen?

Die gemeinsamen Unternehmungen mit den Gemeinderäten neben den förmlichen Terminen.

Worauf sind Sie besonders stolz, dass Sie das während ihrer Amtszeit hinbekommen haben?

Nach einem katastrophalen Einbruch der Gewerbesteuer mit Rückzahlungen in Millionenhöhe zuzüglich Zinsen haben wir, gemessen an den Investitionen und den Aufwendungen für Sanierung und Modernisierung, nur eine moderate Verschuldung.

Was war die größte Enttäuschung, die Sie als Bürgermeister erlebt haben - oder worüber haben Sie sich am meisten geärgert?

Die größte Enttäuschung war das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig in der Thematik Bahntrasse als Ortsumgehung von Hochstadt und Trieb. Am meisten geärgert hat mich die Scheinheiligkeit des Bund Naturschutz bei der Trassenwahl der B 173: Die kürzeste Strecke wurde beklagt, die Südtrasse mit dem größten Landverbrauch jedoch nicht. Von der Hörnchenlösung hörte man kein Wort mehr.

Was würden Sie im Nachhinein - mit dem Wissen von heute - anders machen?

Das Hochstadter Bahnhofsgebäude wurde vor einigen Jahren öffentlich versteigert. Aufgrund der damals prekären finanziellen Situation unserer Gemeinde haben wir uns im Gemeinderat dazu entschieden, uns an der Versteigerung nicht zu beteiligen. Für einen Schnäppchenpreis bekam das Gebäude einen neuen Eigentümer.

Was war das lustigste Erlebnis oder die kurioseste Begebenheit?

Bei der Abholung eines ausgesonderten Polizeieinsatzfahrzeuges für unseren Bauhof haben wir auf einer einsamen Waldstrecke kurz das Martinshorn getestet - und fuhren anschließend versehentlich mit Blaulicht durch den gesamten Landkreis Bamberg.

Kommen Sie Ihren Nachfolger mal besuchen?

Mit beiden Kandidaten (Joachim Schlesinger, SPD und Max Zeulner, CSU) verbindet mich eine lange Freundschaft. Wenn mich mein Nachfolger einlädt, würde ich ihn auch im Rathaus besuchen. Wenn es gewünscht wird, werde ich auch mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Ich möchte mich aber nicht in alles einmischen und noch mitreden.

Wenn Sie sich - ganz unabhängig von den Kosten - etwas für Ihre Gemeinde wünschen dürften, was wäre das?

Das Gebäude der Bezirksklinik Hochstadt erwerben und zur Nutzung für ältere und hilfsbedürftige Menschen umbauen. Utopie ?!

Werden Sie sich künftig noch in die Kommunalpolitik einbringen?

Ich werde mich im CSU-Ortsverband Hochstadt mehr engagieren und meine Verbindungen und Erfahrungen einbringen. Ich habe mir aber vorgenommen, niemandem hineinzureden. Ich will kein Besserwisser sein.