Meist kurz nach 3 Uhr in der Früh geht das Handy. "Wenn ,der‘ dich anruft, dann: Auf! Waschen, Zähneputzen, Anziehen - zack, zack!" Thomas Hümmer lacht, er hat da schon Routine, schließlich macht er den Job schon seit mehr als 20 Jahren. Während der Tee für die Thermoskanne kocht, wird die Brotzeit gerichtet und in die Arbeitsklamotten geschlüpft. Noch schnell die Wollmütze auf den Kopf und dann geht's zur Schicht. "Aber gaaaanz langsam fahren, es ist ja glatt", witzelt der Bauhofmitarbeiter.

Natürlich ist es glatt, deswegen ist Thomas ja alarmiert worden. Er fährt an diesem Montag mit den Kollegen Bastian, Günter und Heiko die erste Schicht vom Winterdienst.  "Wir sind immer fünf Mann, die ausrücken", erklärt er. Und "der" - das ist der Kollege, der immer als Erstes rausfährt. Im Wechsel starten die Bauhofmitarbeiter früh um 3 Uhr mit dem Unimog, dem wohl wintertauglichsten Gefährt der Staffelsteiner Winterdienstflotte, und sehen sich um. An diesem Tag war es Kollege Wolfgang Hellmuth.

Natürlich verfolgt das Team um Vorarbeiter Hermann Lieb den Wetterbericht und die aktuellen Vorhersagen. Dennoch steht für Thomas Hümmer fest: "Rausfahren und anschauen ist sicherer." Das 16 Mann starke Team vom Bauhof Bad Staffelstein ist für Schnee und Eis bestens gewappnet. In mehreren Schichten fahren die Männer mit fünf Räumfahrzeugen. Besagtem Unimog, Räum-Lkw, einem Multicar für Geh- und Radwege und einem Kleintraktor. Dazu kommt der Handstreudienst, der ab 5.30 Uhr früh im Einsatz ist. Dieser ist zum Beispiel für die Zebrastreifen und die öffentlichen Parkplätze zuständig. Da kommt einiges an Arbeit zusammen: Allein das Stadtgebiet umfasst 110 Straßen- und Wegekilometer, so Hermann Lieb, dazu kommen noch Gemeindestraßen und Ortsverbindungsstraßen.

Geräumt werde von Kümmersreuth (mit 512 Metern über Meeresspiegel der höchstgelegene Ortsteil der Stadt) bis nach Zilgendorf und Püchitz an der B 4. Priorität hätten die Ortsverbindungsstraßen, Berge und der Bereich um Schulen und Kindergärten, so Lieb. Auch in den Ferien werde da durchgefahren: Das bekomme man sonst nicht mehr gut weg, wenn die Schüler nach Weihnachten oder Fasching wieder die Schule besuchten. "Leider können wir nicht überall gleichzeitig sein", erklärt Hermann Lieb manchem Anrufer, der sich bisweilen bei ihm nach dem Verbleib der Räum- und Streufahrzeuge erkundigt. Außerdem kämen die Fahrzeuge nicht so schnell vorwärts: "Mit dem Räumschild in Aktion bewegen sich Lkw und Unimog mit rund 20 km/h, wird hingegen nur gestreut, geht es etwas schneller voran. Doch da drängt kein Autofahrer drauf, jeder will ja sicher ans Ziel kommen."

Am Ziel angekommen, zumindest für diesen Montag, sind Thomas Hümmer, Wolfgang Hellmuth, Günter Senger, Bastian Zipfel und Heiko Gampert kurz vor 11 Uhr und sie machen erst mal Feierabend. Aber zum Schlafen geht es nicht: "Wenn man sich jetzt hinlegt, kann man nachts nichts mehr schlafen", sagt Hümmer. Und Günter Senger fügt grinsend an: "Lieber a bissla daheim im Keller werkeln."

Womit der Bauhofvorarbeiter Hermann Lieb nicht ganz zufrieden ist, ist die Parksituation in manchen engen Straßen. "Da kommt fast kein Fahrzeug mehr zum Räumen durch, so wie die Leute manchmal parken", bedauert er. Verwundert zeigt er sich auch über manche auswärtige Fahrer, die noch immer mit Sommerreifen unterwegs seien. Vor allen am Parkplatz in Romansthal sei ihm das schon öfter aufgefallen. Sein Team hingegen sei Gott sei Dank noch nie stecken geblieben, obwohl die Bauhofmitarbeiter ja mit ihren eigenen Fahrzeugen zum Schichtbeginn eintreffen würden.

Seit Mai 2020 verfügt die Stadt Bad Staffelstein über ein eigenes Salz-Silo: 90 Kubikmeter Salz, das entspricht einem Gewicht von 108 Tonnen , stehen dem Bauhof nun quasi vor der Haustüre zur Verfügung. Nach jedem Einsatztag würden die Fahrzeuge hier auch gewaschen, mit Salz nachbefüllt und für den nächsten Tag vorbereitet. Um 3 Uhr früh muss ja schließlich alles startklar sein. Der Bauhof fährt übrigens mit Streusalz, nicht mit der mancherorts verwendeten Mischung aus Salz und Sole, dem sogenannten Feuchtsalz. "Salz bei Schnee, Split bei Eis", so der Tenor des Vorarbeiters. Das funktioniere gut.Monika Schütz