Sorgenvoll blickt Anton Wunderlich über die Weiden zwischen Nedensdorf und Wiesen. Genau hier, an der ICE-Neubaustrecke, grasen seine Schafe im Winter. Dazwischen verläuft der Tunnel Eierberge. Ein bellender Hund kann schon reichen, um die Tiere in Panik zu versetzen. Sie könnten vor Angst direkt auf die Bahngleise laufen und einen ICE zum Entgleisen bringen. Ein Horrorszenario für Mensch und Tier. Wer bei einem solchen Unfall haftet, ist nicht geklärt. "Wenn der Bahn die Sicherheit ihrer Passagiere nichts mehr wert ist, dann ist das ein trauriger Betrieb", sagt Schäfer Wunderlich.

Deshalb haben sich am Mittwoch Landrat Christian Meißner (CSU), Kreisbrandrat Timm Vogler und Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) mit dem Schäfer getroffen, um mit dem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Lösung dafür ist einfach: Eine 32 Kilometer lange Einzäunung könnte ein solches Szenario verhindern. "So wie es für Bundesautobahnen Wildzäune gibt", betont Kohmann. Doch die Deutsche Bahn lehnt eine Einzäunung der ICE-Neubaustrecke im Landkreis Lichtenfels ab. "Die Bahn hat Tausende Millionen Euro verbaut. Dann wird auch noch Geld übrig sein, diese Gefahrenstelle zu sichern", betont Landrat Meißner.

Dass die Bahn eine Einzäunung der ICE-Neubaustrecke so vehement ablehnt, hätte niemand für möglich gehalten. Anfangs dachte Meißner noch, die Einzäunung sei vielleicht vergessen worden. "Vorfälle mit Schafen gab es schon. Die Bahn müsste da Erfahrung haben", sagt er.


Andere Tunnel sind eingezäunt

Tunnel in anderen Landkreisen seien bereits eingezäunt worden. "Die Lichtenfelser Tunnel wurden nicht berücksichtigt", sagt Kreisbrandrat Vogler. Wie der Landrat berichtet, habe die Deutsche Bahn deshalb ein Gutachten angefertigt. Dieses liege dem Landratsamt aber nur in Auszügen vor, eine fachliche Begründung fehle darin vollkommen.

Trotzdem: "Die Bahn versteift sich auf ihr Gutachten", kritisiert der Kreisbrandrat. Er berichtet, dass sich alle vier zuständigen Fachstellen des Landratsamtes für eine Einzäunung ausgesprochen hätten. Jedoch ohne Erfolg, eine Rücksprache habe es nicht gegeben. Die Kosten für eine Einzäunung schätzen die Beteiligten auf wenige Tausend Euro. "Wenn ein Zug entgleist, haben wir eine größere Geschichte", warnt Vogler.